- Show trip
- Add to bucket listRemove from bucket list
- Share
- Day 60
- Sunday, August 24, 2025 at 11:00 AM
- ☁️ 26 °C
- Altitude: 1,686 m
ChinaJiayuguan39°47’31” N 98°16’10” E
Tag 60 - Bemerkungen von Hea-Jee
August 24 in China ⋅ ☁️ 26 °C
Hea-Jee:
Da Arnd in letzter Zeit zuverlässig Reiseberichte veröffentlicht, möchte ich heute einige Gedanken aufschreiben.
Ruinenstadt Jiaohe bei Turpan:
Arnd bezeichnete die Rekonstruktion des alten Dorfs abwertend als „Disneyland“, doch ich fand die Rekonstruktionsarbeiten sehr nützlich. Ich bin dankbar, dass zahlreiche Archäologen, Bauforscher und Anthropologen ihre Erkenntnisse nicht nur in Fachartikeln unter ihresgleichen austauschen, sondern sie für die breite Öffentlichkeit sichtbar gemacht haben.
Es fasziniert mich zu sehen, wie Menschen in einer Oase der Wüste mit Lehm – dem einzigen verfügbaren Baumaterial – Häuser errichteten, wie sie ihre Innenräume gestalteten und darin lebten. An der Bauweise der Häuser erkennt man, wie eng sie mit ihren Nachbarn verbunden waren. Und die Lage der Gräber gibt Einblicke in ihre Vorstellungen vom Leben und Tod.
Arnd war unzufrieden, dass man zuerst die Nachbauten und nicht gleich die echten Ruinen sieht. Ich hingegen finde es wichtig, solche Vorinformationen zu bekommen, um später im Anblick der echten Lehmruinen überhaupt etwas zu verstehen.
Ehrlich gesagt habe ich selbst dort nicht allzu viel „mitgenommen“. Es war zwar beeindruckend, dass die verwitterten Lehmmauern überhaupt noch standen. Doch ohne die kleinen Hinweisschilder hätte ich nicht erkannt, ob es sich um einen Tempel, ein Herrenhaus oder etwas anderes handelte.
Immerhin konnte ich sehen, wie die Menschen die Lehmwände errichtet hatten. Meistens sieht man Lehmblöcke, die gestapelt werden. In Jiaohe aber entdeckte ich Spuren davon, dass lange Lehmstränge – wie Tonwürste – übereinandergeschichtet wurden, so wie man als Kind Gefäße oder Vasen aus Ton formt. Die Ziegelwände, die Arnd erwähnte, stammen wohl von späteren Reparaturen.
Trotz der großen Hitze besichtigten wir jede einzelne Stelle der Ruinen, selbst wenn wir kaum unterscheiden konnten, was wir da sahen. Wahrscheinlich liegt das an unserem „Wir-machen-alles-bis-zum-Ende“-Charakter. Manchmal nützlich, manchmal überflüssig.
Mogao-Grotten in Dunhuang:
Trotz der Menschenmassen war der Besuch lohnenswert. Die Schönheit dieses Kulturerbes rechtfertigte jede Mühe. Im Museum waren Teile der Zehntausenden von Handschriften aus der „Bibliothekshöhle“ ausgestellt – ein erstaunlicher Anblick.
Die Schriften, die auf das 4.–6. Jahrhundert datiert werden, zeigten äußerst detaillierte Sternenkarten. Die sauber in verschiedenen Sprachen abgefassten Texte bezeugen, dass mehrere Hochkulturen über die Seidenstraße intensiv miteinander vernetzt waren. Auch der Holzschnitt war bereits entwickelt. Ich stellte mir vor, wie diese Kultur heute aussehen könnte, wäre ihre Geschichte ungebrochener verlaufen.
Doch man kann nicht über die Mogao-Grotten sprechen, ohne die Plünderungsgeschichte anzusprechen. Anfang des 20. Jahrhunderts nutzten westliche Großmächte das Chaos jener Zeit, um Zehntausende Handschriften, Textilstücke, Wandbilder und Skulpturen außer Landes zu bringen. Heute werden diese geraubten Kulturgüter in Museen in England, Frankreich, den USA, Deutschland und Russland stolz präsentiert. Auch Japan und Korea besitzen einige Stücke, die später auf anderen Wegen herausgeschafft wurden. Ich wünsche mir sehr, dass die öffentliche Zurschaustellung solcher Raubkunst weltweit einmal restlos geächtet und verurteilt wird.
Eindrücke von Chinas Kleinstädten
China ist ganz anders, als Arnd und ich es uns in Deutschland vorgestellt hatten. Das China, das wir nun sehen, ist modern und ordentlich. Die Städte sind so geplant und gepflegt, dass das Leben angenehm ist. Es gibt Parks für Freizeitaktivitäten, Kinder spielen draußen mit Freunden, Familien kommen zusammen, um Badminton oder Tischtennis zu spielen. Die Menschen wirken entspannt. Kinder sind fröhlich und selbstbewusst, Erwachsene freundlich und sanft – außer wenn es ums Vordrängeln geht. Wirklich arme Menschen habe ich kaum gesehen.
Es fällt uns besonders schwer, uns in China zurechtzufinden, wahrscheinlich weil so wenige Menschen Englisch sprechen. Von der Türkei bis nach Kasachstan gab es immer irgendwo jemanden, der wenigstens ein paar Worte Englisch konnte und uns spontan half. Wenn er selbst kein Englisch konnte, holte er jemanden, der es konnte. Und an Fahrkartenschaltern oder Hotelrezeptionen konnte man sich zumindest immer mit einfachem Englisch verständigen. Doch in China war es anders.
Selbst an den Rezeptionen der gehobenen Hotels fand sich kaum ein Mitarbeiter, der auch nur ein paar Worte Englisch sprach. Auch junge Leute, die auf der Straße ordentlich gekleidet und selbstbewusst wirkten, konnten kaum Englisch verstehen. Dabei müssen sie es doch in der Schule lernen. In Turpan sprach uns einmal ein kleiner Junge auf dem Spazierweg durch die Weinlaube an. Zuerst sagte er schüchtern „Hello“, dann aber fragte er, aus welchem Land wir kämen, sagte, dass Deutschland ein schönes Land sei usw. – alles wie aus dem Lehrbuch. Ich war so erstaunt, dass ich nach seinem Alter fragte. Er sagte, er sei zwölf Jahre alt. Vermutlich also ein Schüler der fünften oder sechsten Klasse.
Arnd meinte, die chinesischen Schüler lernten zwar Englisch in der Schule, hätten aber keine Gelegenheit, es praktisch anzuwenden, weshalb sie sich nicht trauten zu sprechen. Ich selbst habe dafür keine Erklärung.
Übermorgen werden wir die großen Städte Xi’an und Peking besuchen. Vorher wollte ich meine Eindrücke aus den Kleinstädten festhalten.
Mein Schreiben unterwegs:
In letzter Zeit war es schwierig, auf meinen koreanischen Blog zuzugreifen, da die Internetverbindung schlecht war. Ich übersetze Arnds Beiträge aus „Penguin“ mithilfe von ChatGPT ins Koreanische, überarbeite sie und veröffentliche sie dann. Meine Beiträge schreibe ich je nach Inhalt auf Koreanisch oder auf Deutsch. Für deren Übersetzung lasse ich immer eine Rohfassung von ChatGPT erstellen, die ich dann redigiere. Da Reiseberichte schnell zwischendurch entstehen müssen, ist ChatGPT eine große Hilfe – fast wie ein Babelturm des 21. Jahrhunderts.
Doch in China war das Problem: Hotel-WLAN funktionierte nicht, weder für den Blog noch für ChatGPT, also brauchten ich mobiles Datenvolumen. Die eSIM von Trip.com verlangte, dass man nicht ein Gesamtvolumen kauft, sondern eine Tagesrate. Wir entschieden uns für 1 GB pro Tag, weil das bisher ausgereicht hatte.
Im Hotel von Ürümqi jedoch konnte man ohne chinesische Telefonnummer kein WLAN nutzen, sodass wir unser gesamtes Datenvolumen des Tages verbrauchten. Wir konnten nicht sehen, wie viel wir aufbrauchten. Irgendwann begannen Apps wie Alipay oder WeChatPay zu streiken, und wir hielten erst die Apps für schlecht programmiert. Doch Arnd fand heraus, dass die Daten nach 1 GB extrem gedrosselt wurden. Ein wirklich kundenunfreundliches Produkt!
Arnd entdeckte, dass dieselbe Firma auch Pakete mit Gesamtvolumen anbietet. Doch wir hatten bereits für zwei Wochen bezahlt, also beschlossen wir, sparsam zu sein – auch der Umwelt zuliebe. Dennoch verlor ich allmählich die Lust am Schreiben. Der langsame Zugang machte das Bloggen und Übersetzen so mühsam, dass ich schließlich Arnd anschnauzte: „Mit diesem Internet übersetze ich nicht mehr. Schreib deine Penguin-Beiträge allein! Ich schreibe nur noch für meinen Blog!“
An diesem Abend kaufte Arnd mir ein neues großes Datenpaket. Er sagte, dass er es vor drei Tagen angeboten hatte. Er selbst blieb beim alten 1-GB-Tarif. Nun kann ich wieder schreiben.Read more

