• Tag 60 - Festung Jiayuguan

    24 sierpnia, Chiny ⋅ ☁️ 26 °C

    Arnd:
    Für unser heutiges Hotel zeigte trip.com wieder „westliches“ Frühstück, und es gab tatsächlich Kaffee und der war sogar ganz ok. Ansonsten dasselbe wie im letzten Hotel, also kleine Törtchen und Toast. Das einzige, was man auf den Toast drauf tun konnte war ein Spiegelei. Trotzdem war ich glücklich. Als zweiten Gang habe ich dann aber das chinesische Gemüse gewählt. Eigentlich schmeckt das ganz gut und ist ja auch gesund. Ich glaube, der Kaffee ist das Entscheidende, Tee wäre auch gut.

    Unser heutiges Ziel ist die Festung am Ende der großen Mauer der Ming-Dynastie. Ich hatte nur wenig praktische Informationen dazu. Wir hatten keine Tickets vorab gekauft und ich wusste auch nicht, wo der Eingang ist. Denn bei den Mogao-Grotten haben wir ja gesehen, dass der Eingang auch mal 10km von der Attraktion entfernt sein kann.

    Eine Hoffnung, nicht am falschen Ort zu landen ruhte auf Didi oder der Weisheit des Taxifahrers. Bei Didi tippt man z.B. Jiayuguan castle und dann macht er Vorschläge. Einer davon ist häufig „Entrance“ und dann stimmt das auch. Aber das hat nicht funktioniert. Deshalb habe ich unser Ziel auf der Karte gewählt und der Taxifahrer hat uns genau dahin gebracht. Tatsächlich war das nicht der Eingang. Wir sahen bald diese Elektro-Kleinbusse, mit denen die anderen Touristen angekarrt wurden. Wir mussten noch ein Stück laufen und ich war nervös, ob wir überhaupt reinkommen.

    Am Gate gab es Ticketautomaten, aber da wäre ich gescheitert. Hea-Jee hat dann eine junge Frau angesprochen, die da aufpasst und die hat uns geholfen, das Ticket online zu kaufen. Wir wären wieder an der notwendigen chinesischen Telefonnummer gescheitert, aber da hat sie einfach ihre eigene eingetippt. Alles gut!

    Es gab viele Touristen, aber es war ganz ok und nicht zu voll. Ziemlich am Eingang wurde ein elektronischer Audio Guide angeboten. Den wollten wir erst haben, sind aber wieder an der Bezahlung gescheitert, die mal wieder eine Spezial-App brauchte. Das war aber ganz gut, wir kamen prima ohne zurecht. Es gab einen Weg vom westlichen Eingang, also quasi aus China kommend, durch den großen Vorhof, in den Innenhof, auf die Festungsmauer, einmal im Quadrat über die Krone der Festungsmauer bis zum letzten Tor, über das die Karavanen früher China verlassen haben hinaus in die Wüste. Dort wurde Kamelreiten angeboten, aber da haben wir nur zugeschaut. Unterwegs konnte ich viele Fotos machen. Sehr schön war, dass man im Dunst die Berge des Tian Shan Gebirges sehen konnte, auf denen jetzt im August noch Schnee lag. Auf den Fotos habe ich ein bisschen nachgeholfen, damit man das auch sehen kann.

    Dieser Besuch der Festung zog sich mal wieder über Mittag hin und es stellt sich dann immer die Frage nach einem Mittagessen. Irgendwann will Hea-Jee was zu essen haben. Glücklicherweise haben wir einen Stand gefunden, wo Maiskolben angeboten wurden und dann ist Hea-Jee immer glücklich. Da spielen Kindheitserinnerungen eine Rolle.

    Zum Schluss gab es dann noch ein Museum über die große Mauer und da kam mir ein Gedanke. Der Grund, dass die Chinesen so eifrig diese Mauern gebaut haben, waren die ewigen Übergriffe der nördlichen benachbarten nomadischen Reitervölker. Die haben immer wieder kurze Attacken ins chinesische Reich gemacht und geplündert und zerstört. Nordeuropäer können dabei vielleicht an die Vikinger denken.

    Eine Reaktion darauf waren die Mauern, eine andere war die Entwicklung von Militärtechnik. Da das über Jahrhunderte ging, war die chinesische Militärtechnik bald sehr hoch entwickelt. Als dann im 13. Jhdt. das Reitervolk der Mongolen unter Dschingis Khan kam, hat das aber nicht geholfen und die nördliche Hälfte Chinas ist an die Mongolen gefallen. Mitsamt der modernen Militärtechnik.

    Erst damit waren die Mongolen so erfolgreich. Sie (die nördlichen Reitervölker) haben die Entwicklung dieser Militärtechnik gesäht und am Ende haben sie sie auch geerntet.

    Abends sind wir dann zu Fuß zum „Bulgogi-Restaurant“ losgezogen. An einer Stelle mussten wir auf den tiefer liegenden Radweg ausweichen, weil auf dem Fussgängerweg ein Zelt stand, in dem eine Gruppe von Männern Karten spielte.

    Bulgogi gab es nicht im Bulgogi-Restaurant, aber LA-Galbi wurde angeboten. Für die Nichtkoreaner hier: Galbi ist Fleisch von der Rinderrippe, das noch am Knochen hängt. Bei uns gibt es das gar nicht, weil man das für minderwertig hält, aber in Korea wird das hoch geschätzt und ich fand es auch jedes Mal sehr gut.

    Weil wir schon mehrfach teurere Dinge in Restaurants bestellt hatten und dann jedes Mal eine gigantische Portion geliefert wurde, war Hea-Jee vorsichtig und wollte nur eine Portion bestellen und etwas kleineres dazu. Der Chef, der zum Bestellen vorbei kam, sah aber ganz unglücklich aus und deshalb haben wir zwei Portionen bestellt. Das war von der Menge her dann auch gut, aber das Essen war irgendwie enttäuschend. Es war immer noch wenig Fleisch und das war etwas zäh. Kein Vergleich zu dem, was ich früher in Korea erlebt habe.

    Auf dem Tisch gab es einen Grill und zunächst kam auch eine Bedienung vorbei und legte alles drauf. Zum Wenden kam sie auch noch mal. In Korea kommen sie dann aber nochmal vorbei, wenn es fertig ist und zerlegen die Stücke kunstvoll mit einer Schere. Das mussten wir hier leider selbst machen, und weil wir darauf gewartet hatten, war das Fleisch vielleicht auch etwas zu lange auf dem Grill.

    Hea-Jee:
    Heute Morgen konnte Arnd endlich den lang ersehnten Kaffee trinken. Auf seinem Teller lagen nur ein Stück Toast und ein Spiegelei, aber schon allein wegen des Kaffees lächelte er wie ein Vollmond. Ich bekam eine Idee durch einen Teller eines vorbeigehenden Kindes und brachte Arnd etwas Salat, Gurken und Tomaten. Nachdem er seinen Toast aufgegessen hatte, holte er sich noch einen Teller chinesisches Essen. So zufrieden ist er also, wenn es Kaffee gibt.

    Für die heutige Besichtigung nahmen wir ein Taxi zur Festung, dem Endpunkt der Chinesischen Mauer. Arnd hatte große Sorge, dass wir heute vielleicht keine Eintrittskarten bekommen könnten. Ich hingegen war überzeugt, dass wir – solange es hier nur einen einzigen Chinesen gibt – mit dessen Hilfe sicher Karten kaufen könnten. In China, oder auch auf dieser ganzen Reise, war es bisher immer so. In einem Land wie Deutschland, das Land der Bürokratie, hätte ich einen solchen Glauben nicht gehabt. Und tatsächlich konnten wir dank der beherzten Hilfe einer jungen Mitarbeiterin problemlos hineingehen.

    Die Sonne brannte, und es ging ständig bergauf und bergab, doch der frische Wind machte alles angenehm. Wir befanden uns hier auf 1600 Metern Höhe.

    Die Toranlagen waren stattlich. Ich betrachtete, wie die riesige Mauer der Anlage unten sechs Meter und oben zwei Meter dick aufgeschichtet war. Zuerst wurde eine dünne Wand errichtet, dann wurde Schicht um Schicht eine weitere hinzugefügt, bis die gewünschte Dicke erreicht war. Von hier konnte ich gut sehen, wie eine Mauer sich über steile Berge windet und scheinbar endlos fortsetzt. Ich glaube, solche Bergfestungen habe ich im Westen kaum gesehen.

    Hier fühlte es sich tatsächlich wie das Ende der Welt an. Der sattgrüne Boden verwandelte sich plötzlich in eine gelbliche Wüste, und entlang dieser Grenze zog sich die Lehmmauer weit dahin. Wie mag sich wohl die Karawane gefühlt haben, die auf ihrer Seidenstraßenreise hier durch das Osttor zum ersten Mal die Wüste betrat?

    Vielleicht soll genau dieses Gefühl durch das angebotene Kamelreiten vermittelt werden. Ich habe zum ersten Mal ein Kamel aus nächster Nähe gesehen – es ist wirklich niedlich und hübsch. Stark, ausdauernd und zudem sanftmütig – ein wahrer Schatz für die Karawanen jener Zeit.

    Nach zwei Uhr am Nachmittag wollte ich am liebsten die Besichtigung beenden, doch wir entdeckten noch einen Stand mit Maiskolben. Wir kauften einen riesigen, prallen Maiskolben und teilten ihn uns. Es war eine andere Sorte als der, den man in Deutschland bekommt. Dort nennt man ihn „Gemüsemais“, was ziemlich passend ist, da er mehr Wasser und Ballaststoffe enthält und süßer ist. Der chinesische Mais war weniger süß, aber sehr klebrig und stärkehaltig, fast wie Reis oder Weizen. Beim Kauen klebt er zwischen den Zähnen wie Klebreis. Es muss dieselbe Sorte sein, die ich als Kind in Korea gegessen habe.

    Während wir abwechselnd an den Maiskolben nagten, brachte ich Arnd endlich bei, wie man einen Maiskolben richtig sauber isst. Er hatte zuvor mit den Schneidezähnen die Körner einfach abgebissen, sodass viel Reste noch am Kolben hing. Ich zeigte ihm, wie man die Körner Reihe für Reihe mit den Zähnen umklappt und bis zur Wurzel sauber herauslöst. Während wir aßen, sahen die Leute hinter uns zu und kauften sich selbst einen Maiskolben, um ihn zu teilen. Arnd meinte, die hätten uns wohl gesehen und daraufhin Lust bekommen. Kein Wunder – wir aßen wirklich mit Genuss. Satt und zufrieden hatten wir nun sogar Lust, noch das Museum zu besuchen, das ich eigentlich auslassen wollte.

    Am Abend gingen wir koreanisches Bulgogi essen. Meine Freunde, die uns auf der Reise über diese Pinguin App begleiten, schickten mir gestern Nachrichten, dass wir heute unbedingt Bulgogi essen gehen sollten. Doch auch im Bulgogi-Restaurant hatte ich Probleme zu bestellen. Auf dem Menü war mir nicht klar, was eigentlich Bulgogi ist. Über die Papago App kann man sich nur mit besonders hilfsbereiten und geduldigen Einheimischen unterhalten – das Personal hier war jedoch sehr kurzangebunden. Also bestellten wir LA-Galbi und eine Portion Pilze dazu, das schien sicherer. Trotz des hohen Preises nach hiesigen Maßstäben war die Portion klein und das Fleisch zäh. Auch das als Beilage gereichte Kimchi war süß und weich – nicht einmal ein Vetter des echten Kimchis. Wir beschlossen, in Korea leckeres Bulgogi zu essen. Als ich sagte, dass Rindfleisch in Korea wohl teuer sei, meinte Arnd, dass Bulgogi in einem Spezialrestaurant so gut sei, dass er dafür gerne viel Geld zahlen will.
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