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- Day 64
- Thursday, August 28, 2025
- ☁️ 23 °C
- Altitude: 423 m
China雁塔区34°13’34” N 108°57’2” E
Tag 64 - Shaanxi Geschichtsmuseum
August 28 in China ⋅ ☁️ 23 °C
Arnd:
Wir waren gewarnt und haben es trotzdem gemacht. Alle Reiseführer sagen, das das Geschichtsmuseum der hiesigen Provinz Shaanxi eines der sehenswerten Ziele hier ist. Deshalb wollen so viele Leute dahin, dass das Museum die Eintrittskarten auf 14000 am Tag begrenzt. Die waren leider schon weg, als ich mich darum bemüht habe. Aber dann habe ich bei trip.com gesehen, dass Ausländer ein eigenes Kontingent haben, und da war noch was zu haben. Für 37€ statt 0€. Aber wir haben es gemacht.
Die meisten Chinesen gehen da mit einer Führung hin. Sie haben dann alle einen Ohrhörer und der Guide hat ein Mikrophon. So stehen dann immer 15 Personen vor den Vitrinen und man hat keine Chance, auch was zu sehen. Bei den wichtigen Exponaten stehen auch mal drei Gruppen gleichzeitig da.
Irgendwie waren wir auch falsch gestartet und liefen dann falsch rum durch die Räume. Alle kamen uns entgegen und die Objekte wurden immer älter. Wir haben uns also irgendwie durchgedrängelt und bei freier Sicht habe ich sofort ein Foto gemacht. Hea-Jee war es bald zu viel und sie wollte ins Cafe. Sowas kann es natürlich unter diesen Bedingungen nicht geben, aber es gab Getränkeautomaten und man konnte sich draußen auf eine Mauer setzen.
Wir sind dann erstmal in Nebenräume auf der linken Seite des Gebäudes gegangen. Der Saal zur Bronzezeit war recht leer, das scheint die Chinesen nicht besonders zu interessieren, uns aber schon. Die Frühzeit der Zivilisationen haben wir entlang unserer Reise schon vielfach angeschaut. Die Technik der Bronzeherstellung kam wohl aus dem Westen nach China, wurde dort dann aber in eigener Weise weiterentwickelt. Die Objekte waren entweder rituelle Gefäße, oder Waffen. Bronze war also wohl recht kostbar. Das passierte natürlich lange vor dem regelmäßigen Handel auf der Seidenstraße, es gab also auch schon vorher einen Austausch.
Dann wollten wir die spiegelbildlich angeordneten Nebenräume auf der rechten Seite des Gebäudes besuchen. Die waren aber abgesperrt. Statt dessen gab es dort eine weitere Ticketkontrolle und man musste Wollüberschuhe anziehen und dann in den Keller hinabsteigen. Dort war eine Ausstellung über 1200 Jahre alte Wandmalereien in den Grabanlagen der Kaiserfamilie und anderer hochgestellter Leute. Diese Tickets musste man wohl extra kaufen, in unserem war das aber enthalten. Es war also ein besonderer Schatz zu sehen. Leider war fotografieren verboten. Die Bilder waren sehr schön.
Am Anfang gab es dazu eine Filmvorführung. Erfreulicherweise mit englischen Untertiteln, die aber so schnell durchrasten, dass ich mich fragte, ob die chinesische Sprache so effizient ist, das man damit wirklich so schnell sprechen kann Und ob ein menschliches Gehirn Gedanken so schnell hervorbringen oder verstehen kann?
Man hat über 1000 Wandmalereien inklusive einem Stück Wand aus den Gräbern herausgeholt und in dieses Museum gebracht, zur besseren Aufbewahrung. Eine gigantische Aufgabe. Die Malereien waren teilweise schon stark beschädigt und sind derzeit im Museum sicher besser untergebracht. Ob sie das aber für die nächsten 1200 Jahre garantieren können? Nun ja, Chinesen denken sicher langfristiger als wir.
Als wir durch diese Räume liefen, fiel mir irgendwann auf, dass wir die einzigen Menschen dort waren. Im Filmvorführungssaal saßen noch andere, aber die waren vor uns in die Ausstellung gegangen. Erstaunlich!
Zum Schluss sind wir dann nochmal durch die Räume vom Vormittag gegangen. Es war schon leerer und wir konnten doch ein paar Dinge besser verstehen.
Es war dann noch nicht so spät, als wir das Museum verließen. Deshalb sind wir noch zu Fuß zu der großen Wildganspagode gegangen, die nicht weit entfernt war. Sie wurde im Jahr 652 errichtet, um die umfangreichen buddhistischen Schriften, die ein Gesandter aus Indien zurückgebracht hat, vor Feuer zu schützen. Sie ist eingebettet in ein buddhistisches Kloster und das wiederum in eine riesige Anlage mit Attraktionen, Geschäften und einem Park. An unserem Eingang gab es Wasserspiele in einem gigantischen Ausmaß. Ich schätze das auf 300 x 50m. Das läuft allerdings nicht dauernd, sondern wohl nur zu bestimmten Zeiten. Als wir kamen, standen da schon ein paar hundert Menschen und warteten.
Hea-Jee hatte auf dem Weg dahin in einem Restaurant ein Bild von einem Gericht aus glasierten Süßkartoffeln gesehen, dass sie wieder an ein koreanisches Gericht erinnert hat. Also mussten wir auf dem Rückweg dort vorbei. Wir suchten uns draußen auf Bildern zwei Gerichte aus und haben die fotografiert, damit wir sie beim Bestellen einfach zeigen können. Das ging dann gründlich schief. Zum einen machte die Bedienung sofort eine Geste, dass die Süßkartoffeln ausgegangen sind. Also haben wir uns was anderes ausgesucht. Aber dann war sie schlicht überfordert. In diesem Restaurant bestellt der Kunde mithilfe einer App auf dem Smartphone. Das konnte sie auf unserem Smartphone noch starten. Wo dann aber die beiden von uns ausgewählten Gerichte zu finden sind, das hat sie einfach nicht gewusst. Wir sind dann gegangen und die Bedienung war wohl nicht ganz unglücklich darüber und Hea-Jee auch nicht, weil sie ja eigentlich diese Süßkartoffeln essen wollte.
Hea-Jee:
Gestern hatte ich mich über den Massen-Tourismus im Terrakotta-Armee-Museum beschwert, aber heute ging es noch heftiger zu. Schon von weitem sahen wir die lange Schlange auf dem Weg, und Arnd sagte mir, ich solle hier in der Schlange warten, während er sich umschaute. Ich war etwas besorgt, wie jemand ohne Sprachkenntnisse und zurückhaltendem Wesen in diesem weiten Gelände etwas herausfinden kann. Meinerseits konzentrierte ich mich darauf, meinen Platz vor den Dränglern zu verteidigen. Ich klebte dicht hinter der jungen Frau vor mir, aber sie ließ sich ständig vordrängeln.
Endlich bewegte sich die Schlange ein Stück vorwärts, und gerade als wir auf das Geländer zusteuerten, tauchte plötzlich neben uns eine neue Schlange auf, und sie stürmten einfach hinein. Ich wollte mich nicht zurückhalten und drängte ebenfalls nach vorne.
Während dieses kleinen Kampfes kam Arnd zurück. Er sagte mir, ich solle dort vorne zu der Mitarbeiterin auf dem rechten Schalter gehen und meinen Pass zeigen. Der Mitarbeiter würde auf mich warten und ich solle die Warteschlange ignorieren und einfach ganz nach vorne gehen. Nein, unglaublich. Wie sollte ich einfach die ganze Schlange übergehen und an die erste Stelle vordringen? Aber mit der Einstellung „Jetzt oder nie“ tat ich es einfach – und es war überraschend einfach. Die Leute machten bereitwillig Platz, die Mitarbeiterin fotografierte mich und überprüfte alles gegen meinen Pass, und ich erhielt schließlich mein Ticket.
Dann ging ich zu Arnd zurück, der inzwischen dafür sorgte, dass die Leute in der Warteschlange Stück für Stück vor ihm durchgelassen wurden, um nicht zurückzufallen. Heute konnten wir wirklich nur dank Arnds Tatkräftigkeit eintreten. Allein hätte ich mich gar nicht getraut und wäre wohl einfach umgekehrt.
Doch dieses Gefühl von Dankbarkeit und Vorfreude verschwand sofort, sobald wir das Gebäude betraten. Ein Meer von Menschen. Beim Herumgeschubse konnte ich nichts sehen, und ich spürte, dass meine Atmung flach und schwer wurde. Ich fragte mich, ob dies ein Vorgeschmack auf das Gefühl des Erstickens sei, und drängte Arnd, erst einmal den Ausstellungsraum zu verlassen. Draußen auf dem Hof, mit einem Getränk in der Hand, konnte ich endlich wieder richtig atmen.
Ich wollte eigentlich zurück zum Hotel, aber Arnd brachte die Idee ein, zuerst die weniger überfüllten Räume anzusehen, und so gewann ich wieder etwas Motivation. Einige Räume waren geradezu menschenleer. Besonders der Raum mit den Malereien aus Tangzeitlichen Grabstätten war schön und ruhig, einfach ein Traum. Ich war beeindruckt von den chinesischen Vorfahren, die bereits im 4. Jahrhundert nach Christus so meisterhafte Kunstwerke geschaffen hatten.
Da ich mich etwas schlapp fühlte, stichelte ich Arnd aus Gemeinheit: „Europa war zu dieser Zeit eine dunkle, primitive Epoche, und China war deutlich besser.“ Arnd konterte sofort, sichtlich verärgert: „Damals befand sich Europa nach dem Zusammenbruch Roms in einer schwierigen Phase – man kann die beiden Kulturen nicht einfach so vergleichen.“ Da ich wusste, dass ich die Provokation begonnen hatte, schwieg ich. Nach kurzer Zeit hatten wir beide das Ganze wieder vergessen.
Heute lief die Besichtigung einigermaßen gut, aber wir beschlossen, solche überfüllten Touren künftig zu vermeiden. Es gibt so viele schöne Orte auf der Welt, man muss nicht alles gesehen haben, bevor man stirbt.
Auf Arnds Vorschlag gingen wir zur Großen Wildganspagode. Dort stellte sich heraus, dass es der Platz mit dem nächtlichen Lichtermeer war, den ich unbedingt sehen wollte. Der Platz war lebendiger als erwartet. Wir schlenderten über die Straßen, probierten allerlei Snacks und genossen die Atmosphäre. Wir beschlossen, am Abend vor unserer Abreise noch einmal zu kommen.Read more






















Hea Jee: Arndt soll Dir "Wildgänse rauschen durch ...." vorsingen - zur Belohnung! [Gert]
TravelerArnd weiß nicht einmal, was das ist. Du musst ihn erst beibringen. ☺️