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- Day 65
- Friday, August 29, 2025
- ☁️ 20 °C
- Altitude: 415 m
China莲湖区34°15’48” N 108°56’11” E
Tag 65 - Moschee und Tempel
August 29 in China ⋅ ☁️ 20 °C
Arnd:
Heute haben wir zwei religiöse Zentren angeschaut, die noch auf unserem Programm standen. Morgens waren wir in der großen Moschee von Xi‘an und nachmittags im buddhistischen Dayan Tempel, in dem die große Wildganspagode steht.
Die Moschee war eine echte Überraschung. Sie wurde ab dem Jahr 685 errichtet, also nur 50 Jahre nach Mohammeds Tod. Sie ist ganz im chinesischen Baustil gehalten, ihre Funktion erkennt man nur an Details. Die Bausubstanz wirkte auf uns teilweise ziemlich alt. Das ganze Areal ist schon seit 1988 als besonderes chinesisches Kulturdenkmal klassifiziert und der Staat hilft bei der Erhaltung der Gebäude. Zumindest steht das da so.
Als wir da waren, war gerade eine Gebetszeremonie, das haben die Moslems ja fünf mal am Tag, jeden Tag zu anderen Uhrzeiten. Am Eingang steht eine elektronische Tafel mit den Uhrzeiten. Deshalb haben wir uns von der Gebetshalle etwas fern gehalten.
Es gab aber eine ganze Reihe von Vorhöfen, in denen es einiges zu sehen und zu fotografieren gab. U.a. gab es da auch einen eigenen Gebetsraum für Frauen und ich habe auch welche gesehen, die da hineingingen. Als die Zeremonie zu Ende war, strömte eine große Zahl von Männern aus dem Hauptgebetshaus heraus. Aber dann sah ich dort auch ein paar Frauen herauskommen.
Anschließend sind wir nochmal über den Markt rund um die Moschee spaziert und haben frische Kartoffelchips am Stiel und ein paar gefüllte Nudelteigtaschen gegessen.
Hea-Jee:
Über Nacht wurde es kalt, und ein Nieselregen setzte ein. Am Vormittag verbrachten wir die Zeit im Hotelzimmer, um die aufgeschobenen Reiseberichte zu schreiben. Ich fand es angenehm, endlich einmal zu entspannen, aber Arnd wollte gerne noch ausgehen. Also verließen wir das Hotel und machten uns zu Fuß auf den Weg zur Großen Moschee, einem wichtigen Kulturerbe Chinas.
Kaum hatten wir den lauten, überfüllten Basar hinter uns gelassen und betraten die Moschee, war es, als wären wir in eine andere Welt eingetreten – still und friedlich. Nicht nur die Geräusche verschwanden, auch der Anblick der alten Architektur und der grünen Bäume stand in starkem Kontrast zum bunten Trubel des Marktes und beruhigte unser Gemüt. Selbst die regennassen Steinplatten unter unseren Füßen passten perfekt zur Atmosphäre.
Wir durchquerten mehrere kleine Innenhöfe, die mit kunstvoll platzierten Steinen und Bäumen geschmückt waren, passierten jeweils ein Tor und gelangten so schließlich zum größten Hof, in dem sich die Gebetshalle befand. Trotz des Regens saßen dort Männer mit weißen Gebetskappen auf ausgebreiteten Matten und verrichteten ihr Gebet. Der Gesang vom Minarett war nicht so durchdringend wie in anderen muslimischen Ländern, sondern klang weich und sanft.
Wir blieben respektvoll in einiger Entfernung stehen und beobachteten sie. Einige chinesische Besucher liefen sogar durch den Hof, und Kinder mit weißen Kappen, spielten lärmend auf dem Hof. Doch die Männer ließen sich davon nicht stören und beteten unbeirrt weiter.
Als wir die Moschee verließen, fühlten wir uns selbst irgendwie andächtig und ruhig. Wir sprachen darüber, ob religiöse Toleranz vielleicht einen Zusammenhang mit dem hohen kulturellen Niveau hatte, das wir gestern und vorgestern in den Relikten der Tang-Dynastie bewundert hatten – einer Epoche, in der man bereitwillig fremde Religionen wie den Islam oder das Christentum aufnahm.
Auf dem Rückweg durch den Markt entdeckte ich allerlei Snacks, die ich probieren wollte. Arnd schien mich ein wenig davon abhalten zu wollen, weil er fürchtete, dass wir dann mittags keinen richtigen Appetit mehr hätten. Aber ich erzählte ihm, dass kleine Leckerbissen meinen Appetit eher anregen. Schließlich teilten wir uns die Snacks, und tatsächlich hatten wir danach beide keinen Hunger mehr auf ein großes Mittagessen. Es ist doch nicht schlimm?
Nach einer kurzen Pause im Hotel fuhren wir mit der U-Bahn zum buddhistischen Tempel Da’ensi. Arnd hatte sich inzwischen offenbar gut im U-Bahn-System von Xi’an zurechtgefunden. Obwohl er kein einziges chinesisches Schriftzeichen lesen kann, navigierte er uns sicher durch die verworrenen Linien.
Der Tempel wurde bereits im Jahr 652 während der Tang-Dynastie gegründet. Hier übersetzte der berühmte Mönch Xuanzang die Schriften, die er nach einer 17-jährigen Reise aus Indien mitgebracht hatte, und bewahrte sie sorgfältig auf. Im Hauptsaal verbeugte ich mich vor der Buddha-Statue und wir schlenderten anschließend durch die Anlage. Ich fand die grauen Dachziegel und die dezenten Farben der chinesischen Tempelarchitektur sehr elegant. Umso stärker wirkte der Kontrast zur goldglänzenden Buddha-Statue im Inneren, die hell erstrahlte.
Die Große Wildganspagode ist ein siebenstöckiger Turm, der nach dem Vorbild einer indischen Stupa aus Ziegeln errichtet wurde, um heilige Schriften sicher aufzubewahren. An den Wänden finden sich dezente Verzierungen, die Säulen andeuten und dem Bauwerk zusätzliche Eleganz verleihen. Wahrscheinlich hätten die Chinesen jener Zeit eine Pagode mit glatten, schmucklosen Wänden als zu schlicht empfunden und die Säulen vermisst. Traditionell bestanden chinesische Pagoden bis dahin aus Holzkonstruktionen, bei denen Säulen in regelmäßigen Abständen gesetzt wurden. Ästhetik ist eben auch eine Sache der Gewohnheit.
Auch der Da’ensi-Tempel vermittelte dieselbe ruhige Atmosphäre wie zuvor die Moschee – fast so, als befänden wir uns auf einem anderen Planeten. Es waren für chinesische Verhältnisse wenig Besucher dort, und alles war still.
Beim Hinausgehen genoss ich diesen Frieden, als plötzlich ein kleines Mädchen mit sehr leiser Stimme etwas zu mir sagte. Da ich sie nicht verstand, zeigte sie mir die Übersetzung auf ihrem Smartphone. Sie wollte offenbar ein Foto mit Arnd machen. Er legte freundlich den Arm um ihre Schulter, und der Moment wurde festgehalten. Dann wollte sie auch ein gemeinsames Foto von uns dreien und gab ihr Smartphone einem Jungen in der Nähe.
Nach den anstrengenden, lauten Touristentagen von gestern und vorgestern fühlte sich dieser Tag wie eine stille Belohnung an. Zwar waren wir neugierig auf die brennende Nachtatmosphäre dieser Straßen, doch wir wollten weder zu lange hier bleiben, noch die ruhige Stimmung zerstören, die uns Moschee und Tempel geschenkt hatten. Also kehrten wir ins Hotel zurück.Read more




















