• Tag 66 - Reise nach Peking

    30 de agosto, China ⋅ ☁️ 29 °C

    Arnd:
    Heute ist wieder ein Reisetag, deshalb geht es hier vor allem um Verkehr. Wir fahren zu unserem letzten Zwischenziel auf diesem Abschnitt unserer Reise, Peking. Dort werden wir nochmal 4 Tage verbringen, bevor wir dann endlich nach Korea aufbrechen.

    Die meisten chinesischen Züge fahren früh am Morgen, oder über Nacht. Die Morgenzüge sind auch die schnellsten. Aber da müssten wir unser Frühstück ausfallen lassen (das geht gar nicht!) und wir wären ziemlich früh am Ziel und könnten noch gar nicht im Hotel einchecken. Mit unserem Gepäck ist das auch unerfreulich. Also nehmen wir Züge etwas später am Vormittag und kommen dann nachmittags an. Damit ist zwar ein Tag verloren, aber so ist es bequem und wir haben ja Zeit. Mit Nachtzügen spart man zwar am meisten Zeit, aber wir sind dann nach der Ankunft doch ziemlich müde und nur sehr wenige Hotels erlauben einen Checkin am frühen Morgen.

    In Xi‘an haben wir tatsächlich kein einziges Taxi benutzt. Die U-Bahn ist einfach zu benutzen und auch sehr schnell. Die Strecke zum Bahnhof in Xi‘an ist 14km, die U-Bahn braucht dafür etwa 30 Minuten. Da Xi‘an die weitaus größte Stadt auf unserer Reise bisher ist, haben wir einen besonders großen Bahnhof erwartet und sind extra etwas früher hingefahren. Wir müssen uns ja erstmal orientieren.

    Wir standen schon am Gate, als wir, zusammen mit allen anderen, von einer Bahnmitabeiterin weggeschickt wurden. Es gab nochmal eine zusätzliche zweite Gepäckkontrolle, die auch sorgfältiger war. Z.B. wollte ein Beamter nach dem Röntgen sehen, was in meiner Kameratasche ist. Er war aber sofort zufrieden, als ich sie aufgemacht und ihm die Kamera gezeigt habe.

    Wir fuhren pünktlich los und hatten etwa am Stadtrand unsere Reisegeschwindigkeit von 300km/h erreicht. Das ist der Zug dann durchgehend gefahren, natürlich mit Ausnahme der Städte, wo er gehalten hat. Unsere Strecke heute ist etwa 900km Luftlinie und 1100km tatsächlich gefahrene Strecke. Wir sind nicht den kürzesten Weg gefahren, das machen wohl nur die schnellsten Züge am frühen Morgen. Da gibt es zwei, die 4 Stunden 20 Minuten brauchen. Unsere Fahrzeit ist 5 Stunden und 40 Minuten.

    Das ist aber noch nicht die schnellste Zugklasse hier. Dieses Jahr wollen sie einen Zug in den Regelbetrieb bringen, der 400km/h fährt. Bisher teilen sich weltweit noch ein paar Züge den Titel der höchsten Reisegeschwindigkeit mit 350km/h. Der ICE3 zwischen Köln und Frankfurt ist auch dabei. Die Chinesen arbeiten daran, alle Städte mit mehr als 500 000 Einwohnern an das Hochgeschwindigkeitsnetz anzuschließen, wobei Hochgeschwindigkeit Tempo 200 oder mehr bedeutet. Das Netz wird dann eine Länge von über 60 000km haben.

    In Deutschland haben wir ja Hochgeschwindigkeitszüge, aber kein Netz dafür. Wir haben ein paar Teilstrecken. Dazwischen fahren die Züge teilweise mit Nahverkehrsgeschwindigkeit, vor allem in Bayern. Alle 10 Jahre bauen wir eine neue Strecke, dazwischen haben die Firmen verlernt, wie das geht. Wir bauen unsere Züge in kleinen Stückzahlen, es gibt in Europa 4 oder 5 Unternehmen, die sowas bauen. Auf die Weise kommt man nicht in die Massenfertigung, die die Preise drücken würde. Na ja, ist ja nicht wichtig. Dafür haben wir 3 Tonnen schwere Riesenautos mit 1000km Reichweite, mit denen man zweimal im Jahr Fernstrecken fährt.

    Was mir bei den Schienenstrecken auffällt, ist dass die selbst im Flachland häufig wie niedrige Brücken, also aufgeständert, gebaut sind. Das ist eigentlich besonders teuer, aber die Bauern kommen überall unten drunter durch.

    Die Fotos zeigen ein paar Impressionen vom Zug. Alle Züge in China bisher hatten ebenerdiges Einsteigen, man muss keine Stufen hochsteigen. Das liegt nicht an den Zügen, sondern an den Bahnsteigen, die höher sind. Bei uns in Deutschland geht das nicht, wir haben ein heilloses Durcheinander an Bahnsteighöhen. Ein Problem bei uns ist auch, dass auf unseren Gleisen und durch unsere Bahnhöfe auch Güterzüge fahren. Die würden an höhere Bahnsteige anstoßen.

    Ich hatte mich gewundert, wie sie es hinbekommen, dass alle Sitze in Fahrtrichtung schauen. Eine Möglichkeit wäre, die Wagen zu wenden, aber das ist extrem aufwändig. Diesmal habe ich unten am Sitz einen Fußtritt gesehen. Das kenne ich aus alten Zügen aus Korea. Man tritt den runter und kann dann den Sitz umdrehen. In Korea war das sogar so gemacht, dass man sich damit vierer Sitzinseln schaffen kann, wovon die Reisenden auch gern Gebrauch gemacht haben. Das geht hier wohl nicht, kein Fahrgast benutzt diesen Mechanismus. Schließlich gibt es Fensterbänke, wo man z.B. ein Getränk hinstellen kann. Und an der Klobrille ist ein wechselbarer Gummigriff, an dem man die Brille sauber hoch- und runterklappen kann. Genial!

    Ach ja, wir hatten auch fast durchgehend Internet. Der Zug kam wieder 2 Minuten zu früh an.

    Was ich hier aber nicht gesehen habe, ist ein Umsteigen in einen Zug „auf demselben Bahnsteig gegenüber“. Ich glaube, die Leute müssen erstmal in den Bahnhof, um dann wieder die Einsteigeprozedur durchzumachen. Einmal kam sogar ein Zug auf der anderen Seite des Bahnsteigs an, als wir dort schon standen. Wir sind dann aber losgefahren, bevor irgendjemand hätte einsteigen können.

    In Peking haben wir dann wieder die U-Bahn genommen. Die in Xi‘an war wohl ziemlich neu, alles war modern und wirkte wohl durchdacht. Die Pekinger U-Bahn ist teilweise wohl deutlich älter und das sieht man ihr auch an. Wir mussten unser Gepäck manche Treppen rauf und runter tragen. Aber sie funktioniert gut. Wir können jetzt auch per Smartphone die Gates passieren, kein Fahrkartenkauf mehr nötig.

    Peking ist eine Stadt mit fast 22 Millionen Einwohnern und ist entsprechend groß. Das U-Bahnnetz ist gigantisch. Wir mussten zweimal umsteigen, aber es ging trotzdem recht zügig. Beim Hotel hatten wir auch darauf geachtet, dass es zur U-Bahn nicht weit ist.

    Unser Hotelzimmer ist sehr klein, mit 55€ pro Tag aber in der gehobenen Preisklasse. Es liegt aber schön, mitten in einer Hutongsiedlung. Dazu mehr demnächst.

    Wir sind dann abends noch um die Ecke chinesisch essen gegangen mit gefüllten Nudeltaschen Signature Edition, einem Salat und saurem Pflaumensaft. War sehr schön.

    Hea-Jee:
    Über die Türkei, Georgien, Usbekistan und Kasachstan sind wir nach China eingereist, und dabei stellte sich uns eine Frage: Warum spricht in China niemand Englisch? In den anderen Ländern gab es überall zumindest jemanden, der ein paar Worte Englisch konnte. In China hingegen trafen wir fast nur Menschen, die selbst an der Grenze, im Bahnhof oder im Hotel kein Wort Englisch verstanden. Das überraschte uns, denn China wirkt im Vergleich zu den Ländern, die wir zuvor durchquert hatten, viel wohlhabender und scheint großen Wert auf Bildung zu legen. Nach meiner Recherche wird Englisch ab der 3. Klasse in der Grundschule gelehrt. In China haben wir viele aufgeweckte junge Menschen gesehen.

    Zuerst dachten wir, dass die Städte, durch die wir in China gereist waren, vielleicht einfach zu abgelegen sind. Deshalb hatten wir große Erwartungen, als wir in die Metropole Xi’an kamen. Doch auch hier wurden wir enttäuscht. In unserem Hotel – einer französischen Marke, Ibis Styles – gab es genau eine Mitarbeiterin an der Rezeption, die Englisch konnte. Ohne Übersetzungs-App war es unmöglich, sich am Bahnhof, in Restaurants oder in Geschäften zu verständigen.

    Da das Hotel-WLAN den Zugang zu Google und YouTube blockierte, nutzte ich ständig meine eSIM-Datenverbindung. Dabei kam mir ein Gedanke: Liegt es vielleicht daran, dass die gesamte Bevölkerung praktisch von der englischsprachigen Kultur abgeschottet ist? Wenn sie im Alltag nicht einmal passiv mit Englisch in Berührung kommen, können sie auch kein Gehör und kein Gefühl für die Sprache entwickeln.

    In Usbekistan grüßten mich einige Leute sogar auf Koreanisch, weil sie koreanische Serien gesehen hatten. Man muss also nicht unbedingt ins Ausland reisen, um ein paar Wörter zu verstehen. Wenn man nur durch Serien, Musik oder Nachrichten ein wenig mit der englischsprachigen Kultur in Berührung kommt, prägen sich zumindest ein paar Wörter ein. Genau dieses geringe Sprachniveau hätte schon ausgereicht, um uns zu helfen, wie es in anderen Ländern der Fall war.

    Nun sind wir in Peking, einer noch größeren und internationalen Stadt. Ich bin gespannt, wie es hier mit Englisch sein wird.
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