• Fähre Jakarta - Batam (Singapur)

    March 15 in Indonesia ⋅ ☁️ 27 °C

    Hea-Jee:

    Vor der Abfahrt:
    Es war wirklich chaotisch, weil so viele Menschen in mehreren Durchgängen kontrolliert und abgefertigt werden mussten, bevor sie an Bord konnten. Mich hätte es überhaupt nicht überrascht, wenn hier ein Unglück wie in Itaewon passiert wäre. Als wir durch den langen, engen Gang von der Menge gedrängt wurden und endlich unsere Plätze fanden, atmeten wir erleichtert auf.

    (Arnd: Das habe ich nicht so empfunden. Es gab eine einzige Stelle, wo alle gedrängelt haben, aber die war nicht mal 10m lang und man hätte jederzeit seitlich rausgehen können.)

    Nach dem Einschiffen
    Unser Platz bestand aus einer schmalen Plastikmatratze, etwa so groß wie eine Yogamatte. Es gab keine Decken, und wir nahmen unsere Rucksäcke, in denen Kreditkarten und Laptops waren, als Kopfkissen, und legten uns einfach hin.

    Überall krochen Kakerlaken herum. Das Mädchen neben mir saß still da, bewegte sich nicht, aber sobald sie eine Kakerlake sah, erschlug sie sie beherzigt. Ich fand es ekliger, die Kakerlaken zu töten, also jagte ich sie nur weg. Bevor ich die Schuhe anzog, um zur Toilette zu gehen, klopfte ich sie vorher aus. Während des Schlafes meckerte Arnd genervt: Eine Kakerlake sei über sein Gesicht gekrabbelt. Ich war zu müde, um groß zu reagieren, murmelte nur: „Willst du dir wenigstens ein Handtuch übers Gesicht legen?“ und schlief wieder ein. Zum Glück gab es keine Decken – sonst hätten wir neben den Kakerlaken wahrscheinlich auch noch Flöhe gehabt.

    Das Schiff, das um 2 Uhr nachts abfahren sollte, legte erst gegen 7 Uhr morgens ab, und bis dahin stiegen viele Passagiere ununterbrochen ein. Das Schiff fasst 2000 Personen, und selbst nachdem alle Plätze mit den Plastikmatratzen besetzt waren, lagen noch viele Menschen auf dem Boden in den Gängen, auf Treppenabsätzen und sogar auf dem Deck auf Plastikplanen. Es war wirklich überfüllt. Hoffentlich gibt es heute keinen Taifun. Viele kleine Kinder waren auch an Bord, und vor dem Kiosk stand sogar eine kleine Plastik-Rutsche.

    Vor vier Monaten hatten wir auf einem Passagierschiff in der ersten Klasse geschlafen, in Zweibettkabinen mit eigenem Bad und Waschbecken. Damals war es sehr komfortabel. Als wir beim Ausschiffen die riesige Halle mit eng aneinander gereihten Matratzen sahen, konnte ich mir kaum vorstellen, wie anstrengend es wäre, 30 Stunden hier zu verbringen.

    Dieses Mal fuhr unser ursprüngliches Schiff aus irgendeinem Grund nicht, sondern ein Ersatzschif. Auf diesem Schiff gab es keine erste Klasse, nur normale Plätze. Also mussten wir das nehmen. Als wir dann endlich auf unseren Matratzen in der großen Halle saßen, fanden wir es gar nicht so schlimm. Verglichen mit den unzähligen Menschen, die auf Plastikplanen in den Gängen lagen, war das sogar Luxus.

    (Arnd: Ich habe eine App von der Fährgesellschaft. Da kann ich nachschauen, wann die Schiffe fahren, das tun sie nämlich nicht regelmäßig, welche Klassen es gibt und was das kostet. Die App kann auch Englisch. Kaufen könnte man die Tickets damit auch, nur bezahlen kann man als Ausländer nicht. Bei diesem Schiff war tatsächlich nur eine Klasse im Angebot und die kostete etwa 18€ pro Kopf und die Tickets sind vor Abfahrt ausverkauft. Bevor ich in Bali die Tickets bekommen habe, 10 Tage vor Abfahrt, war ich nicht sicher, ob wir es überhaupt mit diesem Schiff schaffen und habe keine weiteren Tickets für Eisenbahnen danach gekauft. Die erste Klasse auf dem anderen Schiff, der Kelud, kostete etwa 68€ und die Kabinen stehen fast alle leer. Die Kelud sollte aber erst wieder am 23. März fahren. Da hätten wir einen langen Baliurlaub machen können. Es scheint aber auch noch eine Klasse mit Stehplätzen zu geben, die die App gar nicht anzeigt. Die Leute liegen dann überall in den Gängen und auf den Treppenabsätzen. Unser Schiff war von der Bauart her ein Schwesterschiff der Kelud. Es gab auch die Kabinen erster und zweiter Klasse, nur konnte man die nicht kaufen und sie fuhren leer durch die Gegend. Arnd Ende)

    Es war auch interessant, die Leute zu beobachten. Familien spielten Karten, unterhielten sich freundlich oder aßen zusammen Bento-Boxen; Mütter pflegten ihr Gesicht mit verschiedenen Cremes und kämmten dann die Haare ihrer Töchter; ältere Schwestern kümmerten sich liebevoll um die jüngeren Geschwister. Man bekam fast automatisch das Gefühl, dass die Zukunft dieses Landes hoffnungsvoll ist. Auch die Erwachsenen lagen ruhig auf ihren Matten und erledigten ihre Dinge. Trotz vieler Kinder war die Atmosphäre überwiegend ruhig, und es gab kaum Menschen, die andere störten – und falls doch, wurde nicht gestritten, sondern einfach hingenommen.

    Indonesier scheinen generell freundlich und gutmütig zu sein. Sie lächeln, wenn die Blicke sich kreuzen, und helfen gern. Während des chaotischen Einschiffens habe ich bisher nur einmal jemanden gesehen, der kurz die Beherrschung verlor. Abzocke haben wir kaum erlebt.

    Wir schienen die einzigen Ausländer auf diesem Schiff zu sein. Wir fuhren nach Batam, um von dort die internationale Fähre nach Singapur zu nehmen. Ich war zuerst überrascht, dass so viele Einheimische ebenfalls nach Singapur zu reisen schienen, aber Arnd, der sich mit ein paar Männern gegenüber unterhielt, fand heraus, dass die Fähre über Batam hinaus bis nach Medan im Nordwesten Sumatras fährt. Die Fahrt nach Batam dauert 30 Stunden, und nach Medan dann noch einmal 28 Stunden. Wer dorthin reist, schläft wohl drei bis vier Nächte auf dem Schiff, meist auf dem Boden oder draußen, wenn sie keine Liegeplatzkarte haben. Wir hofften nur, dass diejenigen, die länger unterwegs sind, irgendwann unsere leer gewordenen Matratzen nutzen können.

    Nach zwei Nächten auf dem Schiff:
    Die zwei Nächte auf dem Schiff waren wirklich unbequem. Die Halle war die ganze Nacht über grell beleuchtet, so hell wie in einem Operationssaal, und der Fernseher lief laut und ununterbrochen. Das ruhige Mädchen neben mir war nicht mehr da, stattdessen lag ein junger Mann verkehrt herum und trat im Schlaf versehentlich mein Gesicht. Dann wurde es plötzlich sehr laut: Es war drei Uhr morgens, und alle saßen auf, aßen und unterhielten sich.

    (Arnd: Merkwürdigerweise konnte ich tatsächlich schlafen. Den Aufruhr um 3:00 habe ich auch nicht mitbekommen, nur der Muezzin um 5:00 hat mich geweckt.)

    Verglichen mit den Leuten, die ohne Liegeplatz auf dem Boden in Gängen und auf Treppenabsätzen lagen, ging es uns nicht schlecht. Es gab viele Babys, doch die hörte man kaum weinen. Indonesische Babys scheinen irgendwie weniger zu schreien. Es war rührend zu sehen, wie die Kinder sich um ihre jüngeren Geschwister kümmerten.

    Am Vortag hatten wir beide Magenprobleme. Vielleicht lag es am im Zug gekauften Essen, daher kauften wir auf dem Schiff kein Essen, sondern hielten uns nur mit Snacks über Wasser. Wir wollten kein Risiko eingehen, öfter zur Toilette laufen zu müssen. Die Toiletten waren nicht besonders schmutzig im Verhältnis zur Passagierzahl, aber für uns war der Zustand ungewohnt.

    Da das Wasser hier nicht als sauber galt, versuchten wir, uns möglichst wenig zu waschen oder Zähne putzen. Die Einheimischen wuschen sich und putzten Zähne in der fast unter Wasser stehenden Toiletten. Ihre reinliche Körperpflege beeindruckte mich sehr. Die Männer tranken aus religiösen Gründen keinen Alkohol, rauchten aber viel. Auf dem Deck war es voll von rauchenden Männern.

    Einmal hörte ich plötzlich ein Baby schreien. Es war ein Kind im Alter von Finn, das im Arm der Mutter zornig weinte. Vermutlich war es sauer, weil es gerade von der kleinen Plastik-Rutsche vor dem Kiosk abgeholt wurde, um ins Bett zu gehen. Kinder sind eben überall niedlich.

    Die Menschen, die auf dem Boden schliefen, wirkten nicht unbedingt unglücklich. Sie lagen ruhig mit den Kindern, unterhielten sich leise und schienen sich nicht zu schämen. Trotzdem sahen sie für mich etwas traurig aus, sodass ich kein Foto machen konnte.

    Ich dachte dabei, dass wir im Falle eines Krieges vielleicht in eine noch härteren Situation geraten könnten. Die zwei Nächte auf dem Schiff waren eine wertvolle Erfahrung, aber ich wünsche mir nicht, sie oft zu erleben.

    Nach Singapur

    Am Hafen von Batam angekommen, stiegen wir sofort in ein Taxi und fuhren zum internationalen Terminal. Da wir weder wussten, wann die nächste Fähre nach Singapur ablegen würde, noch ob es überhaupt noch freie Plätze gab, verzichteten wir darauf, ein Grab zu rufen. Stattdessen nahmen wir einfach das Taxi des ersten Fahrers, der uns ansprach, und zahlten den Preis, den er verlangte.

    Am Terminal stellte sich heraus, dass die Economy-Klasse der nächsten Fähre bereits ausgebucht war. Also blieb uns nichts anderes übrig, als ein Tickets für die Business Class zu kaufen. Für die knapp 40-minütige Überfahrt war der Preis teurer als unsere Schifffahrt, die über 30 Stunden gedauert hatte. Dennoch hatte es auch seine Vorteile: Zum ersten Mal in unserem Leben konnten wir in einer Business-Class-Lounge Platz nehmen, entspannt Tee trinken und ein paar Snacks genießen.

    Als die Fähre schließlich eintraf, durften wir vor den anderen Passagieren an Bord gehen. In der großzügigen und angenehm ruhigen ersten Klasse fanden wir bequem Platz und konnten die kurze Überfahrt in vollen Zügen genießen.

    Nach der Ankunft folgte direkt die Einreise nach Singapur. Wir legten unsere Pässe auf das Lesegerät, blickten kurz in die Kamera – und schon öffnete sich die Schranke. Arnd war begeistert und bezeichnete es als die schnellste Einreise, die wir je erlebt hatten: gerade einmal 30 Sekunden. (Arnd: Man muss sich in allen Ländern hier vorher online anmelden und die Passdaten angeben. Die Behörden haben also etwas Zeit, wenn sie noch was kontrollieren wollen.)

    So erreichten wir erneut Singapur. Es ist so einfach, von Indonesien mit einem Pro-Kopf-BIP von rund 5.000 Dollar nach Singapur mit etwa 92.000 Dollar zu reisen.
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