Steinwald von Shilin
March 29 in China ⋅ 🌬 22 °C
Unser Reiseführer sagte uns, dass die größte Attraktion in Kunming der Steinwald von Shilin ist. Der ist von Kunming rund 80Km entfernt. Wieder mal eine geologische Sehenswürdigkeit. Davon gibt es in China erstaunlich viele und erstaunlich schöne.
Als wir auf der Hinreise das erste Mal in Kunming waren, waren wir im alten Zentrum der Stadt und von dort war es umständlich, nach Shilin zu fahren. Aber dieses Mal waren wir in der neuen Südstadt, Kunmingnan, weil unser Zug nach Shanghai von dort abfährt. Von Kunmingnan fahren häufig Hochgeschwindigkeitszüge in einer halben Stunde nach Shilin. Genauer nach Shilinxi (West), von wo es immer noch 40Km sind. Aber da fährt ein direkter Bus, Nr. 99. Blieb nur die Frage, ob die Bezahlung im Bus funktioniert. Wir haben es einfach probiert, das Bahnticket kostete nur 2€50.
Der Steinwald ist eine von den Touristenzielen, wo wirklich viele Besucher hinfahren. In China sind das dann immer gleich zehntausende pro Tag. Wir scheinen aber gerade in der Nebensaison zu sein, es war nicht besonders voll. Aber mit uns im Zug saßen doch ziemlich viele mit demselben Ziel.
Als wir in Shilinxi aus dem Bahnhof kamen, standen da bereits drei Busse mit rot leuchtender 99 in der Anzeige. Der Fahrer stand draußen neben der Tür und da prangte ein WeChat QR-Code. WeChat ist das chinesische WhatsApp, hat aber viel mehr Funktionen. Es ist eher ein schweizer Taschenmesser und es gibt zahllose Apps, die innerhalb von WeChat laufen. U.a. hat es eine Bezahlfunktion und das ist eine der zwei weit verbreiteten Bezahlmethoden in China. Nur leider benutzen viele Händler nicht direkt die Bezahlfunktion, sondern sie haben eine eigene Bezahl-App innerhalb von WeChat und das funktioniert bei uns meist nicht, schon allein, weil diese Apps keine englische Übersetzung haben. Zum Glück ging das Bezahlen im Bus mit Standard WeChat.
Der Ticketschalter liegt in 2Km Entfernung vom Steinwald. Dort gibt es noch viele Geschäfte und Restaurants. Man wird wieder mit kleinen offenen Elektrobussen zum eigentlichen Steinwald gefahren, wenn man dafür ein extra Ticket kauft. Hea-Jee hat am Ticketschalter natürlich nach dem Seniorenrabatt gefragt. Mir ist das etwas peinlich, weil wir sicher viel mehr Geld haben als die meisten chinesischen nicht-Senioren, die den vollen Preis zahlen. Aber es war kein Problem, wir haben ihn nach Passkontrolle bekommen. Übrigens gibt es im Gegensatz zu den Ländern in Südostasien hier auch keinen Spezialpreis für ausländische Touristen, der oft ein vielfaches des Normalpreises ist.
Man musste dann trotz Elektrobus nochmal ein ganzes Stück laufen und innerhalb vom Steinwald läuft man auch die ganze Zeit, und zwar Treppe rauf, Treppe runter. Wir waren nachher durchaus geschafft. Am Eingang stand schon die Warnung, dass die Wege keinesfalls barrierefrei sind. Das war untertrieben. Sie mussten sich schlicht den Felsen anpassen und da gab es manchmal nur sehr wenig Platz.
Der Steinwald ist eine Karstformation. Die Bilder sprechen für sich. Hea-Jee vermutet, dass es ähnlich ist zum Kumgangsan (Diamantenberg) in Nordkorea, der für alle Koreaner ein Sehnsuchtsort ist (der schönste Berg der Welt). Kumgangsan ist aber wesentlich größer mit 12000 Bergspitzen. Sie hat gleich nach Fotos davon recherchiert.
Junge Frauen leihen sich hier gern eine Tracht aus und lassen sich damit fotografieren. Vermutlich ist das eine lokale traditionelle Tracht. Sie sieht aber nicht sehr chinesisch aus.
Der Steinwald ist durchzogen von Wegen. Man muss sich ständig entscheiden, in welche Richtung man weitergeht. Es gibt einige beschilderte, größere Wege. Auch da muss man sich manchmal bücken und dünn machen um durchzukommen. Diese Wege sind auch in meiner Karte eingezeichnet. Aber man kann sich auch auf schmale Nebenwege begeben und da wird es fast abenteuerlich und man kann sich sicher auch verlaufen. Auf meiner Karte waren diese ganz kleinen Wege nicht eingezeichnet. Es ist ein natürliches Labyrinth.
Bei einer sehr steilen, absteigenden Treppe haben wir überlegt, ob wir umdrehen sollten. Es hatte morgens geregnet und die Steinwege und -Treppen waren noch etwas nass und rutschig. Aber wir sind ganz vorsichtig runtergestiegen. Und dann waren wir wirklich mitten im Labyrinth. Zur Orientierung konnte jetzt nur noch der Kompass in der Karten-App dienen. „Wir müssen uns rechts halten“. Klar, nur die Wege ändern ständig ihre Richtung. Aber wir sind wieder rausgekommen.
Unser Hotel in Kunmingnan war das dem Bahnhof am nächsten liegende. Unser Zimmer lag im 37. Stockwerk, Rekord auf dieser Reise. Kunmingnan ist eine moderne Planstadt und unglaublich weitläufig. Auf unserer Seite des Bahnhofs gab es einen bestimmt 400m breiten Vorplatz, auf dem es keine Fahrzeuge gab. Auch sonst gab es da nichts, nur wenige Menschen waren zu sehen. Aber die 400m muss man erstmal laufen, wenn man zu Fuß zum Hotel will. Rund um unser Hotel gab es noch ein paar andere Hochhäuser im Bau, aber sonst nichts. Das nächste Restaurant fürs Abendessen war weit entfernt. Deshalb haben wir im Bahnhof Nudel- bzw. Mandusuppe gegessen und sind im Hotel dann bald eingeschlafen.Read more
























