Gwangju
May 6 in South Korea ⋅ ☀️ 22 °C
Arnd:
Gwangju ist eine besondere Stadt, weil hier ab dem 18. Mai 1980 das Gwangju Massaker stattgefunden hat. Die Militärdiktatur hat vor allem von Studenten getragene Demonstrationen für Demokratie und gegen die Diktatur brutal und mit vielen Opfern mit Hilfe des Militärs niedergeschlagen. Das hat das Bewusstsein der Menschen hier geprägt.
Anschließend haben sie versucht, die Vorgänge zu vertuschen und haben alles bestritten. Deshalb hat es hier eine sehr lange akribische Aufarbeitung gegeben. Dabei ging es vor allem auch um harte physische Beweise. Z.B. hat man in einem mehrjährigen Forschungsprojekt eine Gewehrkugel in einem Baum gefunden, genau lokalisiert und dann baumschonend aus dem Gingkobaum herausoperiert. Einschusslöcher am Rathaus und einem gegenüberliegenden Gebäude wurden identifiziert und weithin sichtbar markiert.
Demonstrationen hatte es zu der Zeit auch anderswo gegeben, aber in Gwangju waren sie besonders stark. Ein Grund dafür war wohl, dass die Region nicht zu der die Geschicke des Landes steuernden Mehrheitsregion gehört und deshalb ökonomisch benachteiligt wurde.
Für uns war es das erste Mal hier. Hea-Jee hat auch hier Freunde, ein junges Paar, sie Koreanerin, er Franzose, die sich in Berlin kennengelernt haben und jetzt in Gwangju leben. Sie sprechen beide gut Deutsch, weshalb ich hier gut in die Gespräche eingebunden war, sehr schön! Die beiden haben uns einiges gezeigt und wir hatten eine sehr interessante Zeit. Gwangju hat uns außerordentlich gut gefallen.
An dem zentralen Platz der Stadt, das auch damals das Zentrum der Demonstrationen war, steht das Rathaus. Dahinter hat man ein riesiges Asian Culture Center gebaut. Es ist in einer Vertiefung gebaut, so dass es das Rathaus nicht überragt. Es ist ein sehr schöner Bau. Darin befinden sich u.a. etliche Ausstellungssäle.
Die aktuell laufende Hauptausstellung zeigte polnische Filmplakate der 1950er Jahre. Die hat ein Koreaner in großem Umfang gesammelt und zeigt sie ständig in einem eigenen Museum irgendwo im Osten von Seoul. In Gwangju wurde hier ein kleiner Ausschnitt gezeigt, was immer noch eine große Ausstellung war.
Dieses Genre war für Künstler in Polen zu der Zeit ein nicht so streng ideologisch überwachter Bereich. Interessanterweise waren unter den Filmen auch deutsche und Hollywoodproduktionen.
Wir haben dann noch eine zweite Ausstellung über asiatische Videokünstler angeschaut. Ich finde Videokunst immer ein bisschen schwierig anzuschauen. Während man ein Bild schnell erfassen kann, muss man bei einem Film eigentlich immer länger zuschauen. Wenn man zu einem Film kommt, läuft der meist gerade und man fängt irgendwo in der Mitte an und versteht in der Regel gar nichts. Trotzdem haben wir es hier lange ausgehalten.
Ein Teil der Ausstellung thematisierte die Gegenwehr gegen zwei Bauprojekte in Seoul, wo in größerem Umfang Menschen ihre Wohnung und/oder ihre Tätigkeit verloren haben, weil viele Gebäude abgerissen wurden.
Das eine Projekt war die Umgestaltung der Cheongyecheon Straße, wo eine Schnellstraße, die auf zwei Ebenen mitten durch die Stadt verlief, durch einen tiefer gelegten künstlichen Bach in eine Art langen Park verwandelt worden ist. Ich hatte das immer als ein sehr gutes Projekt gesehen, das nicht nur diese extrem hässliche Straße komplett beseitigt hat, sondern erstmals mitten in der Stadt einen öffentlichen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität geschaffen hat. Es ist mittlerweile international bekannt für einen erfolgreichen Rückbau von Auto-Infrastruktur. Aber klar, so ein großes Projekt mitten in der Stadt hat auch Verlierer.
Was uns noch an Gwangju gut gefallen hat, war ein größeres Viertel, das ein Einkaufsbereich in einer Füßgängerzone war. Es war dort tagsüber auch ziemlich voll. Leider hatten wir vergessen, davon ein Foto zu machen. Das haben wir am Morgen unserer Abfahrt nachgeholt. Da waren aber nicht viele Menschen zu sehen.Read more



















