• Xi‘an

    May 22 in China ⋅ ☀️ 28 °C

    Arnd:
    Xi‘an zum zweiten. Weil wir zwei Tage später in Ürümqi ins Xinjiangmuseum gehen wollen und wir auf dem Hinweg am Montag vor verschlossenen Türen standen, bleiben wir hier nur einen Nachmittag.

    Die Zugfahrt von Taiyuan führt kurz vor Xi‘an über den gelben Fluss. Das hatten wir nicht erwartet, aber die Breite des Flusses, den wir da plötzlich überquerten, sagte eindeutig, dass es ein besonderer Fluss sein muss. Hea-Jee hat ganz schnell ihr Smartphone gezückt und ich konnte nach der Brücke noch ein Bild zurück aufnehmen.

    Unser Plan für Xi‘an ist, die Fahrradfahrt auf der Stadtmauer nachzuholen. Auf der Hinfahrt haben wir keinen Fahrradverleih gefunden. Aber das Internet ist sich ganz sicher, dass es das geben muss. Also sind wir nach dem Einchecken im Hotel per U-Bahn zum Südtor der alten Stadtmauer gefahren, haben nochmal Eintritt bezahlt und sind hochgeklettert. Oben haben wir nach kurzer Zeit einen Verleih gefunden. Zuerst muss man ein Ticket kaufen. „Passport“ sagte die junge Frau am Schalter und zeigte dann auf einen englischen Text vor sich: Verleih nur an Personen bis 65 Jahre. Hea-Jee ist älter. Auch wenn sie auf dem Rücksitz eines Tandems sitzt gilt die Regel. Und in China gibt es keine Ausnahmen.
    Also ein bisschen Spazierengehen auf der Stadtmauer, aber das kannten wir schon und nach fünf Minute hat man alles gesehen.

    Deshalb sind wir am nächsten Abstieg, beim Beilin, wieder runtergestiegen und durch die Touristenstraße mit Kunsthandwerkern gegangen. Einer der ersten Stände war ein Stempelverkäufer. In Ostasien hatte früher jeder seinen persönlichen quadratischen Stempel mit seinem chinesisch geschrieben Namen. Statt zu unterschreiben wie bei uns, hat man seinen Stempel mit roter Farbe benutzt. Unsere Eva hatte sich das wohl mal für Finn gewünscht und hier war die Möglichkeit, noch einen handgeschnitzten Stempel aus einem weichen Stein zu bekommen.

    Als der Stempel fertig war, haben wir noch nach der Stempelfarbe gefragt. Die Unterhaltung geht hier immer mit einem Übersetzungsprogramm. Hea-Jee benutzt dazu ein koreanisches Programm. Die Antwort war unverständlich, es kam was mit Internet bestellen und was mit Indonesien drin vor. Also er hatte keine zu verkaufen, seine Kunden legen den Stempel wohl in die Vitrine. Wenn also Finn mal lesen kann und alt genug ist für seinen Stempel, muss man mal im Internet schauen. Ich habe mir in den 1980er Jahren auch mal so einen machen lassen und nie benutzt.

    Schließlich kamen wir noch beim Glockenturm vorbei. Da waren wir auf der Hinfahrt nicht drin gewesen, weil der Reiseführer gesagt hatte, dass es sich nicht unbedingt lohnt. Neben dem Glockenturm gibt es nahebei auch noch einen Trommelturm und in Peking gibt es die auch beide nah beieinander. Dort fanden wir sie recht interessant und deshalb sind wir diesmal auch hier in den Glockenturm gegangen. Aber der Reiseführer hatte recht, kein Vergleich zu dem in Peking. Und die Aussicht von den Plattformen ist einfach nur deprimierend. Man sieht eine Autowüste und breite Straßen mit großen modernen Gebäuden. Und die Glocke? Ein Glöckchen in einer Ecke des Gebäudes draußen auf der Plattform.

    Vor unserem Hotel mussten wir einmal eine breite Straße überqueren. Der Platz zum Warten auf die Fussgängerampel war ziemlich groß und ziemlich voll mit Elektrorollern. Die fahren hier ja oft auf dem Fussweg und manche jungen Männer fahren mit einem Stil, der sicher zu einer nicht unerheblichen Unfallgefahr führt.
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