Ürümqi
May 24 in China ⋅ ☀️ 23 °C
Arnd:
Der gigantische Bildschirm in der Eingangshalle des Xinjiangmuseums ist uns erst beim rausgehen aufgefallen. Unten in der Ecke konnte man „Windows“ lesen und das machte mich stutzig. Also mal das Übersetzungsprogramm drauf gerichtet: „Gehen sie zu "Einstellungen", um Windows zu aktivieren“. Das heißt, dieses Gerät ist zumindest unprofessionell eingerichtet, oder aber, sie haben die Windows Lizenz nicht mal bezahlt. Ich frage mich natürlich, warum man so etwas mit Windows machen will. Das ist einfach das falsche Produkt, Linux wäre hier richtig.
Aber von vorn. Diesmal hatte ich bei der Hotelauswahl besser aufgepasst, es gab ein Frühstück. Das Hotel lag zwar in einem Hochhaus, belegte aber wohl nur zwei Stockwerke mit Zimmern, also war es nicht sehr groß und das Frühstück nicht so umfangreich. Aber es war gut und hatte viel Salat, Gemüse und Obst im Angebot. Und fast gar kein Fleisch - erstaunlich.
Der Plan für heute war, das Xinjiangmuseum zu besuchen. Ich war vor einer Woche schonmal darauf gestoßen, dass man sein Ticket für das Museum vorab per WeChat besorgen muss. Der Grund ist, dass das Museum die Zahl der Besucher auf 14000 pro Tag begrenzt.
Gestern im Zug hatte ich versucht, das Ticket zu besorgen. Wie erwartet war das kompliziert. Zuerst musste man sich durch mehrere Seiten durchklicken. Die waren aber alle komplett chinesisch und WeChat kann das nicht übersetzen wie Alipay. Also habe ich von jeder Seite einen Screenshot gemacht und die Texte in einem anderen Programm mühsam übersetzt. Ah, hier ist der Knopf zur nächsten Seite. Dann musste man sich registrieren. WeChat hat automatisch alle Daten übertragen und die Antwort war, dass meine deutsche Telefonnummer nicht geht, man braucht eine chinesische.
Also das Internet befragt. Das Problem war bekannt. In solchen Fällen kann man vor Ort auch noch ein Ticket bekommen. Es war allerdings nicht klar, ob man auch eines bekommt, wenn die 14000 schon ausgeschöpft sind.
Wir sind mit dem Didi-Taxi hingefahren. Mehrere hundert Meter vor dem Museum begann ein Stau, weil so viele Leute dorthin wollten. Den Ticketschalter haben wir schnell gefunden und auch ein Ticket bekommen. Der Tag war gerettet. Dann mussten wir uns in einer langen Schlange vor der Sicherheitskontrolle anstellen.
Diese Sicherheitskontrollen mit Röntgenscanner fürs Gepäck und Metalldetektor und einer freundlichen Sicherheitsdame, die einen auch noch mit einem Handscanner absucht gibt es überall in China, z.B. an jedem U-Bahneingang. Das macht meist nicht den Eindruck, als ob das ernsthaft durchgeführt wird. Welch ein Scheißjob. Die Leute da wissen natürlich genau, dass das alles ziemlich sinnlos ist, China ist ein sehr sicheres Land.
Aber hier in diesem Museum kann ich mir vorstellen, dass das mehr Bedeutung hat. Xinjiang ist ja ein Konfliktgebiet und dieses Museum könnte tatsächlich ein lohnendes Ziel für einen Anschlag sein. Aber auch hier hatte ich nicht den Eindruck, das die Checks gründlicher durchgeführt werden.
Es gab 13 Ausstellungsäle, die aber nicht alle bespielt waren. Am Eingang jedes Saals gab es einen etwas längeren Text zum Thema und den hatten sie auch auf Englisch übersetzt. Meist stand da u.a., warum Präsident Xi das Thema wichtig findet. Ansonsten war das meiste nur chinesisch beschriftet und leider hörten unsere Übersetzungs Apps auf zu arbeiten. Wahrscheinlich waren hier zu viele Menschen und der Mobilfunk überlastet. Also habe ich manche Texte fotografiert, die interessant sein könnten, um sie später im Hotel zu übersetzen.
Ein Saal zeigte drei- bis viertausend Jahre alte natürliche Mumien, die chinesische Archäologen in der Wüste entdeckt hatten. Die Ausstellung war wohl ein Highlight des Museums, es war sehr voll. Ich wollte das aber eigentlich nicht so begaffen. Fotografieren war hier verboten und das wurde sogar überwacht. Später habe ich der Wikipedia gelesen, dass die ältesten dieser Mumien indoeuropäische Wurzeln haben, erstaunlich.
Die Fotos hier zeigen einfach ein paar Objekte, die uns wegen ihres Aussehens aufgefallen waren. Interessant war eine Karte mit den Wegen, die chinesische und einmal sogar koreanische Gelehrte im siebten und achten Jahrhundert genommen haben, um nach Indien zu kommen und dort buddhistische Texte zu holen. Das waren gefährliche Reisen von mehreren Jahren Dauer. Die Geografie hat auf diesem Weg viele fast unüberwindliche Hürden zu bieten und die Reisenden mussten einen riesigen Umweg über den Nordwesten Chinas und durchs heutige Pakistan machen. Nur dort gibt es einfachere Übergänge übers Gebirge.
Interessant war aber auch was fehlte. Erst nach dem Museum habe ich in der Wikipedia die Geschichte Xinjiangs nachgelesen. Ja, die Chinesen haben die Gegend etwa 100BC erobert. Das wurde hier ausgiebigst dargestellt: So lange war das hier schon unser Land. Aber danach gab es hier ein kommen und gehen der verschiedensten Herrschaftsvölker, inklusive großen Wanderungen. 1250 haben die Uiguren, die im 9. Jhdt. vom Baikal hier her umgesiedelt waren, den Islam angenommen. Sehr wahrscheinlich war danach die arabische Schrift hier dominierend. Um 1760 waren die Chinesen wieder da, es gab aber ständig Konfliktgegenden. Ende des 19. Jhds. hat das russische Zarenreich Teile des Gebiets übernommen und hat, wie später auch die Sowjetunion großen Einfluss gehabt. Erst seit 1949 herrschen die Chinesen hier durchgehend.
In diesem Museum gab es hier aber keine anderen Völker, als Chinesen, keine andere Schrift, als chinesisch und in der Teilausstellung über die Koexistenz verschiedener Religionen in dieser Gegend gab es nur den Buddhismus.
Zum Abendessen haben wir den Fußweg zum Bahnhof genommen und die Zeit gestoppt, weil wir am nächsten Morgen ganz wenig Zeit haben würden, Das Frühstück im Hotel gibt es hier erst ab 8:00. Das liegt wohl daran, dass hier auch die Pekingzeit gilt und die wirkliche Zeit dann wohl eher erst 6:00 ist.
Auf dem Bahnhofsvorplatz haben wir ein Nudelrestaurant gefunden. Nudelgerichte sind die Signaturegerichte von Xinjiang. Wir haben uns für die „Öligen Nudeln“ entschieden, so heißt das Gericht. Die Nudeln sind hier handgemacht und sehr lecker. An einer Wand entdeckte ich eine Wandmalerei, die den Weg der Nudeln zeigte. Am Ende war eine Familie, die mit großem Entzücken jeder seine Schüssel mit Nudeln verspeiste. Ich war auch ganz zufrieden mit mir.Read more

















Traveler
Autor: Menzius (ca. 372–289 v. Chr.).Werk: Mengzi, Kapitel „Teng Wen Gong II“.Thema: Die Definition eines moralisch unerschütterlichen, wahren Mannes (Dàzhàngfū).