• Almaty

    May 27 in Kazakhstan ⋅ ☁️ 24 °C

    Arnd:
    Damit wir nicht jeden Tag im Zug oder Bus sitzen legen wir immer einzelne Tage Pause ein. Das schafft auch einen Puffer, falls mal was schief geht. So sind wir jetzt für einen Tag zum zweiten Mal in Almaty, Kasachstan.

    Beim ersten Mal waren wir länger hier und haben eigentlich fast alles gesehen, was uns so interessierte. Allzuviel ist uns deshalb nicht eingefallen. Ich habe nach Museen geschaut und dann zwei Kunstmuseen gefunden, die interessant aussahen. Das passte auch, weil der Wetterbericht ab und zu Regen voraussagte.

    Zwischen China und Kasachstan gibt es einen Zeitsprung von 3 Stunden! Das liegt daran, dass in ganz China eine einheitliche Zeitzone gilt, die Pekingzeit. Deshalb wachen wir jetzt 3 Stunden zu früh auf.

    Eines der Museen öffnete um 10:00, das andere erst um 11:00. Damit war die Reihenfolge entschieden. Zu unserem ersten Museum konnten wir mit der U-Bahn fahren, es gibt hier eine einzige Linie. Von unserem ersten Besuch hier hatten wir noch zwei „Onay“-Karten, das sind aufladbare Checkkarten für Busse und U-Bahn. Wir wussten nur nicht, wieviel Geld da noch drauf war. Aber in jeder U-Bahnstation gibt es einen Schalter mit Mensch, bei dem wir letztes Mal diese Karten gekauft und aufgeladen haben.

    Schalter und Mensch waren noch da, aber unseren Kontostand wollten sie uns nicht verraten. Statt dessen wurde noch eine Helferin herbeigerufen, die unsere Karten einfach an die Eingangsschranke gehalten hat. Die ging auf und wir konnten fahren, aber ob es für die Rückfahrt noch reicht? Bei der Rückfahrt ging es genau so. Erst später haben wir an einer Straße einen Automaten gefunden, von dem ich gelesen hatte, dass man damit die Onay-Karte aufladen kann und er dabei auch den Kontostand anzeigt. Für zweimal Bus fahren hat es noch gereicht und mehr haben wir nicht gebraucht.

    Das erste Museum, das Kasteyev-Museum, war staatlich und nicht mehr ganz neu. Der Bau stammt wohl noch aus der Sowjetzeit und war architektonisch durchaus gelungen. Ich hatte eher ältere Kunst erwartet, tatsächlich war das Gezeigte aber recht modern. Im zweiten Obergeschoss gab es auch Kunst aus der Sowjetzeit. Das Museum hatte eine sehr umfangreiche Sammlung, wohl ausschließlich von Werken kasachischer Künstler. Es war sehr interessant und hat uns richtig begeistert.

    Dann sind wir wieder zurückgefahren und haben erstmal zu Mittag gegessen. Dazu sind wir in ein Lokal gegangen, in dem wir schon beim ersten Besuch mehrfach waren. Es ist recht groß und hat 24/7 geöffnet. Es bietet eine umfangreiche Auswahl kasachischer Gerichte. Die meisten werden auch sehr schnell gebracht. Eine gut gemachte Restaurantmaschine.

    Die Fußwege an der Straße vor dem Restaurant waren vor einem halben Jahr eine Baustelle. Wir mussten damals schauen, wie wir da irgendwie durchkamen. Jetzt war alles fertig. Es gab einen breiten Fußweg und einen breiten Fahrradweg mit Mittelstreifen. Schön gemacht.

    Zum zweiten Museum sind wir mit dem Bus gefahren. Es heißt Almaty Museum of Arts, oder kurz ALMA, und ist von einem privaten Sammler gebaut worden. Es ist erst 2025 eröffnet worden. Die Architektur stammt vom britischen Büro Chapman Taylor. Der Sammler hat wohl auch eine stattliche Sammlung kasachischer Kunst, aus der hier auch in einem Raum Werke gezeigt werden.

    Daneben gibt es aber auch etliche große Objekte internationaler Künstler. Das wohl außergewöhnlichste Objekt an diesem Ort ist eine riesige begehbare Stahlskulptur von dem amerikanischen Bildhauer Richard Serra. Sie wiegt über 500 Tonnen und besteht aus mehreren Teilen. Sie ist aus Amerika per Schiff transportiert worden, aber Kasachstan liegt an keinem Meer. Es wurde nicht verraten, wo sie vom Schiff entladen wurde. In einem Film gezeigt wurde nur der LKW-Transport innerhalb von Kasachstan, und der allein ging schon über 1800Km. Die Skulptur läßt sich aus dem Gebäude gar nicht mehr entfernen.

    Außerhalb vom Museum stehen noch drei große Objekte von internationalen Künstlern, die auch sehr eindrucksvoll waren.

    In diesem zweiten Museum waren deutlich mehr Besucher, als in dem vom Vormittag. Wobei wir morgens noch mehr begeistert waren, aber nachmittags war unsere Aufnahmekapazität schon fast überschritten.

    Hea-Jee:
    Im Kasteyev-Museum gefielen die meisten Bilder mir so gut, dass ich mich nur schwer von ihnen lösen konnte. Trotzdem wollte ich auch die anderen Werke sehen, und deshalb musste ich mich oft regelrecht dazu zwingen, weiterzugehen. Bei manchen Bildern war es sogar so, dass ich bereits mehrere Räume weitergegangen war, sie mir aber immer noch nicht aus dem Kopf gingen. Dann kehrte ich noch einmal zurück, um sie erneut zu betrachten.

    Ich habe eigentlich immer gedacht, dass ich nicht besonders viel von Kunst verstehe. Aus dieser Erfahrung habe ich jedoch etwas gelernt: Die Bilder, die mir gefallen, sind gute Bilder. Zumindest für mich. Ob andere das genauso sehen, ist nicht meine Sache.

    Wenn ich darüber nachdenke, könnte es sein, dass Arnd einen Einfluss auf diese neue Sichtweise im Museum hatte. Immer wenn wir gemeinsam Kunst betrachtet haben, fragte er mich sehr oft: „Welches Bild magst du?“ Er wollte nie eine objektive Bewertung hören, sondern immer meine ganz persönliche Meinung. Vielleicht hat gerade das meine heutige Haltung zur Kunst geprägt.
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