• Tiflis

    May 28 in Georgia ⋅ ☁️ 24 °C

    Arnd:
    Von Almaty nach Tiflis ist ein großer Sprung. Davon hätten wir schon noch Teile per Bahn fahren können, aber das wäre sehr unbequem geworden. Wir haben uns deshalb entschlossen, diese Teilstrecke zu fliegen.

    Die Ankunft war abends im dunkeln. Da wir auch in Tiflis nichts mehr anschauen wollen, fahren wir am nächsten Tag um 17:10 weiter nach Batumi. Wir hatten also nicht viel Zeit und sind einfach ein bisschen spazieren gegangen. Die Stadt bietet mit ihren halb verfallenen Gebäuden aber reichlich Gelegenheit zum Fotografieren.

    Morgens gab es ein schönes Frühstück. Es war das erste Frühstück, wo man wieder das Gefühl hatte, in der westlichen Hemisphäre angekommen zu sein. Das Frühstück in Almaty war ein etwas liebloser Zimmerservice mit Bestellung am Vortag im Einweggeschirr.

    Bei unserem ersten Aufenthalt hier waren wir, noch bevor wir unsere Unterkunft hatten, in einem Restaurant im Außenbereich direkt an einer großen Straße essen gegangen und haben zum ersten Mal Kinkali gegessen, die Georgischen gefüllten Nudeln, und zwar vor allem die mit Pilzfüllung. Wir hatten die dann in den nächsten Tagen auch noch anderswo gegessen, aber die vom ersten Tag waren am besten. Deshalb sind wir heute nochmal genau in dieses Restaurant gegangen.

    Hea-Jee:
    Durch den Flug konnten wir gestern eine lange Strecke bequem zurücklegen. Es war sehr nett von Arnd, statt der kürzesten Flugverbindung eine etwas längere Route von Almaty nach Tiflis zu buchen. Dadurch mussten wir keine fünfzigstündige Zugfahrt am Stück auf uns nehmen. Erst nach unserer Ankunft in Tiflis erfuhr ich, dass Arnd diese Entscheidung getroffen hatte, weil er dachte, eine solche Reise würde mich überfordern.

    Während wir durch die Altstadt von Tiflis spazierten, schauten wir uns die reizvollen Wohnviertel an. Überall lag ein deutlich europäisches Flair in der Luft. Im Gegensatz zu den umliegenden islamisch geprägten Ländern schien mir Georgiens christlich-orthodoxe Tradition das Band zu sein, das das Land fest mit der europäischen Kultur verbindet. Die niedrigen alten Häuser waren oft stark verfallen, doch die Bewohner hatten Blumen gepflanzt und Dekorationen aufgehängt und ihre Häuser liebevoll gestaltet. Wenn ich so etwas sehe, stärkt das immer meinen Glauben an die Menschen. Arnd sagte: „Hier fehlt es vielleicht an Geld und Materiellen, aber nicht am Wille zur Gestaltung.“ Dem konnte ich sofort zustimmen.

    Endlich aßen wir wieder Chinkali, die georgischen Teigtaschen. Wir waren schon im vergangenen Jahr in diesem Restaurant gewesen und hatten es wegen des guten Essens diesmal erneut aufgesucht. Es musste ein recht bekanntes Restaurant sein, denn als ich auf dem Weg zur Toilette durch den Innenraum ging, fiel mir dessen prunkvolle Einrichtung auf. Trotzdem setzten wir uns wie beim letzten Mal auf die Terrasse an der Straße. Dort war es zwar laut und voller Autoabgase, aber drinnen standen überall Sofas, auf denen das Essen vermutlich weniger bequem gewesen wäre.

    Chinkali sind eine traditionelle Speise. Der Teig wird etwas dicker ausgerollt, mit einer Füllung versehen und zusätzlich mit reichlich Brühe gefüllt, bevor die Teigtaschen gedämpft werden. Entscheidend ist, die Teigtasche am Zipfel festzuhalten oder mit der Gabel anzustechen und die Brühe mit herauszusaugen, ohne auch nur einen Tropfen zu verschütten. Arnd schnitt seine Chinkali jedoch mit Messer und Gabel auf, sodass die wertvolle Brühe vollständig auf den Teller lief. Anschließend beschwerte er sich scherzhaft, dass nun Brot fehle, um die Brühe aufzutunken. Sogar die Teigzipfel aß er mit. Die Einheimischen lassen diese normalerweise liegen, weil sie aus einer dicken, oft nicht ganz durchgegarten Teigmasse bestehen und nicht besonders gut schmecken.

    Wir bestellten einen Teller mit Fleischfüllung und einen weiteren mit Pilzen und Koriander. Aus Neugier probierten wir außerdem ein Gericht aus Auberginen und Walnüssen. Es schmeckte gut und sah schön aus. Ich bekam sofort Lust, es nach meiner Rückkehr selbst zuzubereiten und mit Freunden zu teilen.

    Um 17:10 Uhr stiegen wir in den Zug nach Batumi, nahe der türkischen Grenze. Die Landschaft Georgiens, die am Fenster vorbeizog, leuchtete in allen Schattierungen eines hellen Grüns. Kurz nach der Abfahrt aus Tiflis fand ich es faszinierend, dass die Berge fast völlig baumlos waren und wie mit einem grünen Teppich aus Gras überzogen wirkten.

    Je weiter wir nach Westen in Richtung Schwarzes Meer fuhren, desto dichter wurden die Wälder. Da es nicht viel Nadelbäume gab, erschienen die Berge insgesamt in einem hellen Grünton. Die Laub- und Mischwälder zeigten zahlreiche Nuancen von Grün, die sich abwechslungsreich miteinander verbanden. Wenn gelegentlich die Sonne durch die Wolken brach, leuchteten die Hänge beinahe hellgrün auf. Die Berge waren zwar nicht besonders hoch, wirkten aber steil und eindrucksvoll.

    Auf den schmalen Ebenen davor lagen kleine Häusergruppen friedlich vor der Bergkulisse. Manchmal sah man natürlich geschwungene Flüsse, die aussahen, als hätte der Mensch sie nie verändert. Wegen des Regens führten sie braunes Wasser und strömten mit großer Kraft dahin.

    Plötzlich ging die Sonne unter, und draußen wurde es dunkel. Erst nach zehn Uhr abends erreichten wir den Bahnhof von Batumi. Es regnete. Kaum waren wir ausgestiegen, wurden wir von Taxifahrern umringt, die sehr offensiv um Fahrgäste warben. Wir entschieden uns jedoch für ein Yandex-Taxi, weil dort sowohl die Bezahlung als auch die Verständigung unkompliziert und zuverlässig waren.

    Unser Hotel lag in einem Wohnviertel der Altstadt am Schwarzen Meer. Offenbar war es hier noch recht kühl, denn auf dem Bett lag über der Bettdecke noch eine weiche zusätzliche Decke. Allein ihr Anblick vermittelte mir bereits ein Gefühl von Wärme.
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