Mit dem Doğu Ekspresi nach Ankara
3. juni, Tyrkiet ⋅ ☁️ 26 °C
Arnd:
Jeden Tag fährt ein Zug von Kars, ganz im Nordosten der Türkei, nach Ankara. Geplante Fahrzeit 26 Stunden, typischerweise braucht er 29. Luftlinie sind es 870Km bis Ankara. In China wäre das eine 3-4 stündige Fahrt, aber von der Schönheit des Weges würde man nicht viel zu sehen bekommen. Diesen Zug fährt man nicht, um schnell vorwärts zu kommen. Von Kars nach Ankara startet der Zug um 8:00, von Ankara nach Kars spät abends. Der Grund dafür dürfte sein, dass die Landschaft im Osten wirklich spektakulär ist, während die Landschaft im westlichen Teil vergleichsweise weniger her macht. Also hat man die Fahrzeiten so gelegt, dass der Teil der Fahrt während der Nacht im Westen liegt.
Der Zug hat einen Wagen mit 4er Liegewagenabteilen. Beim Buchen im Internet kann man sich seine Plätze aussuchen und muss dabei angeben, ob der Platz für eine Frau oder einen Mann ist. Gemischte Belegungen sind nicht erlaubt, es sei denn, man bucht alle vier Plätze eines Abteils. Und das haben wir gemacht. Es war trotzdem nicht sehr teuer und wir haben auch niemandem etwas weggenommen, denn es gab noch freie Abteile. In die andere Richtung, Ankara nach Kars, ist er typischerweise ausgebucht. Auch im Winter ist er voller, denn Kars ist Wintersportort und die Landschaft dort ist im Winter besonders schön. Die anderen Wagen sind ziemlich leer und dienen wohl eher dem lokalen Verkehr.
Abfahrt 8:00, Frühstück im Hotel auch 8:00. Aber sie waren so nett, uns Brot und Käse am Abend vorher vorzubereiten, so dass wir was zum Frühstück hatten. Wir waren sehr früh am Bahnhof und dort lief alles ganz entspannt. Z.B. gibt es in der Türkei bei der Bahn auch eine Sicherheitskontrolle mit Röntgencheck des Gepäcks. Als wir den Bahnhof betraten, war das aber noch nicht in Betrieb. Wir konnten also so reingehen und der zuständige Mann hat nachher auch niemanden gebeten, den Check nachzuholen.
Wir wussten, dass es einen Speisewagen gab, aber die Berichte über das Essen waren uneinheitlich. Deshalb hatten wir auch etwas zu Essen selbst mitgebracht. Im Speisewagen saß man ganz schön und es war auch nicht voll. Man kann da beliebig lange sitzen bleiben. Da man nicht nur ein Fenster hat, ist die Aussicht dort besser. Unser erstes Mittagessen haben wir dort eingenommen. Unsere Wahl war ein aufgewärmtes Fertiggericht, aber mit frischem Salat. Salat gehört in der Türkei zu jedem Essen. Am nächsten Tag haben wir dort noch gefrühstückt. Es war alles ok, der Kaffee war ein Filterkaffee aus einem Drip Coffee Bag. Der war sogar ganz gut.
An der Wagentür wurden wir von einem sehr freundlichen Englisch sprechenden Mitarbeiter in Empfang genommen. Er hat sich während der Fahrt auch um alles gekümmert.
Der Zug hatte eine normale Geschwindigkeit von 80Km/h. Häufig waren die Autos auf einer benachbarten Straße etwas schneller. An schwierigen Stellen wurde die Geschwindigkeit aber auf 50Km/h reduziert. Der Zug war zwar nicht modern, aber ganz ordentlich gemacht. Die Strecke ist eingleisig und die Lokomotive ist eine Diesellok, die dreckigen Rauch ausstößt.
Die Landschaft begann in der weiten Hochebene von Kars. Dann wurde es langsam immer bergiger. Die höchsten Berge waren alle noch schneebedeckt. Manchmal habe ich auf meiner Karte geschaut, wie hoch die Berge sind. Die höchste Höhe, die ich gefunden habe war 3450m.
Wir fuhren fast immer entlang von kleinen bis mittleren Flüssen, die sehr viel Wasser führten, vermutlich noch von der Schneeschmelze oben in den Bergen. Die Flüsse waren nicht reguliert und Hea-Jee war immer wieder begeistert, wie schön sie mäandrierten. Die Innenseite der Kurven waren häufig mit Sträuchern bewachsen, weil dort Sediment abgelagert wird, die Außenseite war unbewachsen, weil sie erodierte. Alles wie im Lehrbuch.
Dort wo es einigermaßen flache Flächen in der Nähe von Ortschaften gab, wurde Ackerbau betrieben. Wir konnten allerdings nicht sehen, was dort angebaut wird, weil wir quasi im Frühling da waren und gerade erst gesäht worden war. Wir konnten aber überall auch Viehherden sehen, die die Landschaft abgrasten. Sie waren nicht eingezäunt, sondern es waren Viehhirten dabei.
Abends kurz vor Sonnenuntergang kamen wir noch durch eine spektakuläre Schlucht. Leider konnte man das nicht mehr gut fotografieren. Das Licht war schon etwas dunkel und weil die Schlucht so eng war, hätte man sehr schräg durch die Fenster fotografieren müssen, was nicht gut geht.
Als es dunkel war, haben wir unsere Betten gemacht und uns hin gelegt. Ich wollte noch ein paar Podcasts hören, bin aber bald eingeschlafen und habe auch ganz gut geschlafen.
Morgens im Speisewagen wurden wir gleich von unserem Betreuer angesprochen. Wir hatten schon 3 Stunden Verspätung, aber damit hatte ich ja gerechnet.Læs mere

























