• Ankara

    4 giugno, Turchia ⋅ ⛅ 27 °C

    Arnd:
    Den Footprint über die lange Reise aus Kars haben wir noch im Zug abgeschlossen. Deshalb hier noch ein paar späte Fotos. Ich habe morgens auch kaum noch aus dem Fenster geschaut, während Hea-Jee ganz begeistert über die Landschaft war und etliche Fotos gemacht hat.

    Wir kamen so 13:30 mit 3 Stunden Verspätung an. Das hatte den Vorteil, dass wir gleich im Hotel einchecken konnten. Wir hatten dasselbe Hotel genommen, wie bei unserem zweiten Besuch in Ankara, noch auf der Hinfahrt. Unser erstes Hotel in Ankara roch ziemlich verraucht, weshalb wir uns beim zweiten Mal ein teureres gesucht hatten. Wir waren auch zufrieden, sonst hätten wir es diesmal nicht wieder gebucht. Aber diesmal roch unser Zimmer auch leicht verraucht.

    Die Türkei gehört zu diesen aufsteigenden Ländern, die die Unsitte des Rauchens in öffentlichen Räumen noch nicht in den Griff bekommen haben. Auch in unserem Zug gestern roch es hin und wieder, wenn die Herren im übernächsten Abteil ihre Rauchrunde abhielten. Ich glaube, der Zugmanager hat sie überredet, wenigsten die Tür zuzumachen. Längere Pausen in Bahnhöfen wurden angekündigt, dann konnten die Raucher auf dem Bahnsteig rauchen. Ich habe aber auch ein paar Frauen, gerade auch ältere gesehen, die rauchen. Es ist nicht ein reines Männerproblem.

    Nachdem wir im Restaurant nebenan ein vegetarisches Mahl eingenommen hatten (das gibt es in der Türkei!), war unser einziger Plan, ein Museum für moderne Kunst zu besuchen, dass ich auf meiner Karte entdeckt hatte, cermodern. Dahin mussten wir wieder eine Station mit der U-Bahn fahren, oder 1,5km laufen.

    Es ist gut, dass auch Ankara eine U-Bahn hat. Aber sie hat so ihre Probleme. Ganz akut scheint sie von einer Fahrstuhl- und Rolltreppenepidemie heimgesucht zu werden. Am Bahnhof gibt es eine Station. Um dahin zu kommen, muss man den Bahnhof erstmal verlassen, 30m ohne Überdachung laufen und könnte dann per Rolltreppe oder Fahrstuhl zur U-Bahn runterfahren. Beides ganz moderne Gebäude! Leider sind aber die Rolltreppe und der Fahrstuhl defekt und auch die parallele Treppe ist gesperrt. Also nochmal 50m weiter laufen und da gibt es nur eine schmale Treppe. Vorm Bahnhof, wo viele Leute mit Gepäck ankommen! In der U-Bahnstation bei unserem Hotel war zeitweise auch eine lange Rolltreppe defekt und in der Station beim Museum war auch einiges kaputt.

    Das andere Problem dieser U-Bahn ist die klägliche Beschilderung. Wir sind teilweise auf Verdacht irgendwo rausgegangen, weil es nicht möglich war, den besten Ausgang zu finden. Vielleicht hätte man einfach irgendwo eine Karte der Umgebung aufhängen können? Und damit zu unserem Museum.

    Auf dem Weg zum Museum kamen wir an diesen riesigen modernen Gebäude vorbei und dachten erst: Tolles Museum. Aber das war das Konzerthaus.

    Ich vermute, dieses Museum is privat betrieben, die Website sagt dazu leider nichts. Nach der Kasse gingen wir in einen großen Raum mit einer Einzelausstellung eines lebenden türkischen Künstlers, Hakan Esmer, der aus Trabzon an der Schwarzmeerküste stammt. Dort sind wir ja auch zweimal durchgefahren. Direkt an dieser Küste beginnen gleich recht hohe und steile Berge. Die Winter sind kalt und lang. Landwirtschaft ist schwierig und das Leben dort deshalb hart. Der Künstler ist wohl früh weggezogen, hat aber durch seinen Vater die Beziehung dorthin aufrechterhalten.

    Das war durchaus schön und interessant. Aber wir hatten irgendwie die Erwartung an ein Museum, das uns einen Überblick verschafft über neuere Kunst in der Türkei. Erst später wurde mir klar, dass das gar nicht selbstverständlich ist. In der Türkei ist das muslimische Bilderverbot lange und gründlich befolgt worden. Deshalb haben sie einfach keine künstlerische Tradition außer im Bereich Kaligraphie und abstrakte Ornamentik. Mir kam sogar der Gedanke, ob die fehlende Umgebungskarte in den U-Bahnstationen darauf zurückzuführen ist. Wir werden das in Istanbul weiter verfolgen.

    Wie ich später auf der Website gesehen habe, hätte es noch zwei weitere Ausstellungen gegeben. Wir haben vor Ort aber keinerlei Hinweise darauf gesehen und haben das deshalb verpasst. Schlechte Beschilderung.

    Danach wollte ich noch Atatürk einen Besuch abstatten. Sein Mausoleum war nicht weit entfernt. Aber als wir vorm Eingang des Parks standen, in dem es sich befindet, sahen wir, dass er nachts geschlossen wird. Man sieht im Land doch recht häufig Bilder von ihm, z.B. in Kars im modernen Café. Ich denke, dass er von vielen Türken immer noch hoch geschätzt wird.

    Zum Schluss noch zur Entlastung unseres Hotels: Das Frühstück dort war sehr schön. Auf dem Foto von der Teemaschine kann man hinter dem Besteck noch ein bisschen Kaffeemaschine mit zwei Kännchen erspähen. Die macht natürlich türkischen Mokka. Nur weiß niemand, wie man sie bedient, jedenfalls war ich der einzige, der so einen Kaffe getrunken hat. Mein Trick: Es gab dort eine Mitarbeiterin, die alles in Ordnung hielt und die hat mir gern mit der Maschine einen Kaffee gekocht.

    Unser Frühstücksteller sieht pflanzenbet aus. Aber nicht alle Türken essen so. Es gab auch Pommes Frites im Angebot und mancher Gast hatte davon einen ziemlichen Berg auf dem Teller.

    Hea-Jee:
    Ich hatte einen guten Eindruck von der Innenstadt von Ankara, die wir im vergangenen Jahr zuletzt besucht hatten. Auch diesmal wirkte die Innenstadt lebendig. Große und kleine Geschäfte, Restaurants und Cafés reihten sich aneinander, und Menschen aller Altersgruppen flanierten durch die Fußgängerzone.

    In Kars hatte ich kaum Frauen mit Hijab gesehen, und in Ankara war es ähnlich. Die meisten jungen Frauen trugen ihr Haar frei, manche hatten es sogar blau gefärbt, und bewegten sich ganz ungezwungen in leichter Kleidung, etwa bauchfreien Tops, durch die Stadt. Auf den gepflegten Rasenflächen der Parks saßen junge Leute in kleinen Gruppen zusammen und vertrieben sich die Zeit.

    Wir hatten uns fest vorgenommen, wieder Lahmacun zu essen, den wir beim letzten Mal vor unserem Hotel gegessen hatten. Diese türkische Pizza besteht aus einem dünnen Teigfladen, der mit gewürztem Hackfleisch bestrichen wird; frisch aus dem großen Ofen gebacken schmeckt sie herrlich knusprig. Auch der Preis war erstaunlich günstig: Zwei Lahmacun und ein Getränk kosteten nur 136 Türkische Lira (2,50 Euro). Wir freuten uns, dass das Restaurant noch immer existierte, und wollten dort am Abend essen gehen. Doch da unser spätes Mittagessen uns bis zum Abend noch schwer im Magen lag, aßen wir am Ende gar nichts mehr und schliefen einfach ein.
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