• Istanbul

    6. juni, Tyrkiet ⋅ ☀️ 27 °C

    Arnd:
    Zurück in Istanbul. Auf der Hinreise hatten wir hier das Gefühl, dass unsere Reise jetzt anfängt, das erste Land aus einem etwas anderen Kulturkreis. Auf der Hinfahrt waren wir recht lange hier, und deshalb fällt uns nicht mehr so viel ein, was wir noch anschauen könnten.

    Die Fahrt von Ankara hatten wir mit dem türkischen Hochgeschwindigkeitszug gemacht. Es hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit den Zügen in Deutschland. Auf Teilstrecken war er schnell, aber auf anderen Strecken war er sehr langsam, insbesondere auf der Einfahrt nach Istanbul rein, und die zieht sich über 50km.

    Am Ankunftstag haben wir uns ausgeruht und haben uns dann abends auf den Sultan Ahmet Platz gesetzt und uns das Treiben dort angeschaut.

    Am nächsten Tag sind wir dann mal wieder ins Museum gegangen. Ich hatte zwei Museen für moderne Kunst gefunden, und heute war das dran, das morgens eher öffnet, Istanbul Modern.

    Auch in Museen muss man in der Türkei zunächst mal durch eine Sicherheitskontrolle mit Röntgen-Gepäckscanner. Wie immer so lieblos durchgeführt, dass jeder Terrorist nur lachen kann. Danach ging es über einen großen Vorplatz, auf dem gerade eine Sportveranstaltung stattfand. Der Sport heißt wohl Parkour. Es wurde hier als Wettrennen veranstaltet und es geht darum, möglichst schnell über oftmals größere Hindernis hinwegzukommen. Das ist was für junge Männer. Es war schon beeindruckend.

    Im Museum gab es tatsächlich eine äußerst umfangreiche Präsentation von Künstlern der zweiten Hälfte des 20. Jhds. Bis in neuere Zeit. Es gab einige Dinge, die uns sehr gefallen haben.

    Danach wollten wir erst in einen, den letzten, Palast der letzten osmanischen Sultane. Wieder Sicherheitskontrolle und dann Ticketschalter. 40€ pro Person. So interessiert waren wir dann doch nicht am Prunk aus dem 19. Jhdt.

    Plan B war ein Volkspark, der nicht weit entfernt war. Hea-Jee wünschte sich eine Bank im Schatten. Bänke gab es viele, sogar mit Tisch, aber überall saßen Gruppen oder Familien, eine Tischdecke über dem Tisch und sie genossen das beginnende Wochenende. Der Park lag am Hang und ich dachte, wir können nach oben raus. Aber da war noch ein Palast mit Mauer und wir bemerkten leider erst oben, dass wir da einen ziemlichen Umweg an einer Straße entlang laufen mussten. Also wieder runter zum selben Eingang, durch den wir gekommen waren.

    Plan C war zurück per Schiff zu fahren. Darauf mussten wir 25 Minuten warten, aber dann war es ganz nett.

    Tag 2. Heute wollten wir in das andere Museum für moderne Kunst. Wir haben aber erstmal das Hotel bis kurz vor 12:00 ausgenutzt und sind dann los. Erstmal zum Taksimplatz, wo ich auf der Hinreise eine beeindruckende Batterie von Dönerspießen fotografiert hatte. Die haben wir diesmal verkostet. Döner ist in Deutschland besser!

    Das Museum ARTER hatte ein beeindruckendes Gebäude. Hier gab es Ausstellungen von zeitgenössichen Künstlern. Ausstellung 1: Ein Raum mit einer großen verschlossenen Ganzglastür. Dahinter ein weißes aufblasbares Kissen, das den ganzen Raum ausfüllte und ein Video, das die Künstlerin zeigte, wie sie es mit dem Mund aufgeblasen hat.

    Ausstellung 2 war noch eine Einzelausstellung eines Künstlers. Wir konnten nichts damit anfangen.

    Im Keller gab es auch noch ein paar Objekte, aber erst im Erdgeschoss fanden wir ein paar Dinge, die uns was sagten, insbesondere die weißen Grammophone.

    Danach sind wir erst über einen Sonntagsmarkt spaziert, der sich an einer schmalen Straße entlang zog. Schließlich sind wir nochmal durch die Istiglal Caddesi gezogen, eine westlich wirkende Einkaufsstraße.

    Zum Schluss nochmal zum Sultan Ahmet Platz zum ausruhen. Unser Bus nach Bukarest fährt um 22:00 und wir müssen die Zeit totschlagen. Auf dem Platz wurden wir von einem Mann mit Sohn angesprochen, wo wir herkämen. Er fragte dann, ob wir ein kurzes Interview mit seinem Sohn machen könnten. Der hatte die Hausaufgabe, einem Touristen auf Englisch 5 Fragen zu stellen. Papa hat es gefilmt, der Film war weitaus wichtiger, als das Interview.

    Eine Woche später hätte es einen Zug mit Schlafwagen nach Bukarest gegeben. Jetzt ist leider nur der Bus praktikabel. Wir sind dann recht früh zum riesigen Busbahnhof gefahren, haben dort noch zu Abend gegessen und anschließend die Abfahrtbucht unseres Busses gesucht. Die sind durchnummeriert und die Nummern gehen bis 120. Dazu gehörte ein Raum mit Sitzplätzen zum warten und ein Tresen, hinter dem drei Mitarbeiter saßen, und oben drauf eine Katze.

    Hea-Jee:
    Als wir wieder in Istanbul ankamen, erinnerte Arnd sich an vieles. Er fand problemlos den Weg und kam auch mit den komplizierten öffentlichen Verkehrsmitteln bestens zurecht. Ich hingegen betrachtete ich die Stadt mit Staunen und Bewunderung, als würde ich sie zum ersten Mal sehen. Besonders gefiel mir unser Hotel in einer hübschen kleinen Gasse. Es war sauber, praktisch und der Besitzer war sehr freundlich. Deshalb fand ich es schade, dass wir an diesem schönen Ort nur zwei Nächte bleiben würden.

    Von unserem Hotelzimmer aus konnten wir auf ein hübsches Restaurant hinunterblicken. Auf dem Schild standen „Fisch“ und „Kebab“, also gingen wir dort zum Abendessen hin. Es war amüsant zu beobachten, wie der Besitzer mit viel Humor versuchte, vorbeigehende Gäste hereinzulocken. Der Fisch war frisch, und auch das gegrillte Gemüse war sehr lecker. Nach dem Essen wurden uns noch Tee und Gebäck aufs Haus serviert. Obwohl es keine besonders gehobene Küche war, war das Essen erstaunlich teuer.

    Nachdem wir während der zwei Tage noch einige weitere Mahlzeiten gegessen hatten, entstand bei mir der Eindruck, dass die meisten Restaurants in dieser Gegend praktisch dieselben Gerichte anboten. Aussehen und Geschmack der Speisen waren überall sehr ähnlich. Ich begann mich sogar zu fragen, ob es sich vielleicht um industriell vorgefertigte Halbfertigprodukte handeln könnte. Anders ließ sich kaum erklären, wie ein einzelnes Restaurant so viele verschiedene Gerichte gleichzeitig anbieten konnte. Überall bekam man ähnliche Speisen zu ähnlich hohen Preisen, und allmählich wurde es etwas eintönig.

    Arnd meinte, dass es in koreanischen Restaurants deutlich besser schmeckte und zudem günstiger sei als in der Türkei. Wahrscheinlich liegt das daran, dass es in Korea viele spezialisierte Restaurants gibt, die nur einige wenige Gerichte besonders gut zubereiten. Sie müssen nur wenige Zutaten vorrätig halten und können die Speisen jeweils frisch zubereiten. Dadurch schmeckt das Essen besser und ist gleichzeitig günstiger. In Ankara hatten wir ein Restaurant gefunden, das ausschließlich Lahmacun aus einem großen Ofen verkaufte, und das gefiel uns sehr. In dem angesagten Touristengebiet, in dem wir nun wohnten, konnten wir jedoch nichts Vergleichbares finden.

    Die Menschen in Istanbul scheinen Katzen ebenfalls sehr zu lieben. Es gab viele Straßenkatzen mit einer abgeschnittenen Ohrspitze als Zeichen dafür, dass sie kastriert worden waren. Außerdem sah man zahlreiche Menschen, die sich liebevoll um die Tiere kümmerten und sie fütterten. Am ersten Abend wartete sogar eine Katze direkt an meinen Füßen. Da ich nicht wusste, ob man einer Katze einen Fischkopf geben darf, habe ich ihn ihr nicht gegeben.

    In der U-Bahn sah man nur selten junge Leute, die älteren Menschen oder Müttern mit kleinen Kindern ihren Platz überließen. War das in Deutschland eigentlich auch so? Als ich Arnd darauf ansprach, meinte er, das sei ein Zeichen dafür, dass wir in wohlhabenden Ländern angekommen seien. Ich erwiderte, dass es für mich eher ein Zeichen dafür sei, dass wir uns immer weiter Richtung Westen bewegten. Schließlich sind Südkorea und Singapur noch wohlhabender, und dort machen die Menschen bereitwillig Platz.

    Auch in der Türkei gab es Ermäßigungen für Senioren in Museen. An manchen Orten fragte man nicht einmal nach dem Alter, sondern gab uns allein aufgrund unseres Aussehens direkt die vergünstigten Eintrittskarten.

    Vielleicht war es einfach Zeit, nach Hause zurückzukehren. Die Neugier auf Neues war etwas verblasst, und auch die Energie fürs Reisen ließ nach. Als wir Istanbul zwei Tage später verließen, verspürte ich kaum Wehmut. Trotzdem weiß ich genau: Die Türkei ist ein Land, in dem ich gerne leben würde.
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