Bukarest
8 giugno, Romania ⋅ ☁️ 28 °C
Hea-Jee:
Um den Nachtbus nach Rumänien zu nehmen, kamen wir am riesigen Busbahnhof von Istanbul an. Wir beschlossen, das Restaurant wiederzufinden, in dem wir letztes Jahr so gut gegessen hatten, und dort noch einmal dasselbe Gericht zu bestellen. Zwischen den vielen ähnlichen Lokalen konnten wir es jedoch nicht ausfindig machen. Selbst als wir die Fotos vom letzten Jahr hervorholten und verglichen, konnten wir nicht erkennen, ob das Restaurant inzwischen renoviert worden war. Schließlich gingen wir einfach in das Lokal, dessen Mitarbeiter uns freundlich hineinbat.
Dort gab es zwar ein Auberginengericht, das dem vom letzten Jahr ähnelte, doch nachdem wir es auf dieser Reise schon so oft gegessen hatten, reizte es uns nicht besonders. Stattdessen aßen wir eine Linsensuppe, einen Salat und Köfte, kleine, rundlich-flach gegrillte Frikadellen. Alles schmeckte gut.
Die Sitze im Bus, der die ganze Nacht nach Bukarest fuhr, waren äußerst eng. Wenn ich darüber nachdachte, waren eigentlich alle Fernbusse auf dieser Reise ziemlich unbequem gewesen. Deshalb zogen wir auch diesmal wieder gewissenhaft die Kompressionsstrümpfe an, die Uli und Marion uns so nachdrücklich empfohlen hatten. Danke dafür! Egal ob Greyhound oder FlixBus – wirklich bequem war keiner von ihnen. Ironischerweise fand ich die komfortabelsten Reisebusse immer noch in Korea, einem Land, das so klein ist, dass selbst lange Busfahrten meist nach vier Stunden enden. Oft vermisste ich die breiten Sitze, die weichen Polster und die verstellbaren Beinstützen, die es erlauben, sich entspannt zurückzulehnen.
Nachtbusfahrten sind immer anstrengend. Man schläft nur leicht, weil man ständig befürchtet, einen Halt für den Toilettengang zu verpassen. Und selbst wenn man doch einschläft, sorgen die unbequemen Sitze dafür, dass Nacken und Schultern schmerzen. Diesmal kam hinzu, dass wir mehrere Grenzen überqueren mussten und alle aussteigen und die Ein- beziehungsweise Ausreisekontrollen passieren mussten.
Interessanterweise wurde an der türkischen Grenze beim Verlassen des Landes das Gepäck durchleuchtet. An der Grenze zu Bulgarien, also beim Eintritt in die EU, wurden hingegen lediglich die Pässe kontrolliert; eine Gepäckkontrolle fand nicht statt. Stattdessen leuchteten die Beamten mit Taschenlampen in den Gepäckraum des Busses. Arnd meinte, dass es an den EU-Außengrenzen wohl vor allem darum gehe zu verhindern, dass sich Menschen heimlich im Bus verstecken. An der Grenze zwischen Bulgarien und Rumänien stieg ein Polizist in den Bus und führten lediglich eine kurze Passkontrolle durch.
Beiderseits der Straßen Bulgariens und Rumäniens erstreckten sich weite, fruchtbare Felder. Die Äcker waren grün, Wasser schien reichlich vorhanden zu sein, und es wirkte, als müsse man sich um die Lebensmittelversorgung keine Sorgen machen. Auch die gelegentlich sichtbaren Bauernhöfe machten keinen armen Eindruck.
In Rumänien fielen mir hier und da große Felder mit Solarpaneelen auf, die mitten in der Ebene installiert worden waren. Rückblickend hatte ich solche Anlagen in der Türkei deutlich seltener gesehen. Dafür waren dort auf den Hausdächern häufig solarthermische Warmwasseranlagen zu erkennen.
Schließlich kamen wir in Bukarest an. In Rumänien ist Kartenzahlung weit verbreitet, sodass man sogar die öffentlichen Verkehrsmittel bequem mit Apple Pay nutzen kann. Dank Arnds erstaunlichem Gedächtnis bewegten wir uns mühelos mit U-Bahn und Bus durch die Stadt. Als wir lange vor der eigentlichen Check-in-Zeit lediglich unser Gepäck im Hotel abgeben wollten, teilte man uns überraschend mit, dass unser Zimmer bereits fertig sei. Solch eine Freundlichkeit haben wir auf dieser Reise eher selten erlebt.
Schon beim ersten Blick auf die Innenstadt wurde deutlich, dass wir nun wieder mitten in Europa waren. Stadtplanung und Architektur unterschieden sich kaum von denen anderer westeuropäischer Städte. Besonders schmerzlich war es jedoch zu sehen, wie viele kleine historische Gebäude, die einst an Straßen entlang hübsch und würdevoll aneinander gereiht hatten, inzwischen nahezu verlassen und dem Verfall preisgegeben waren.
Arnd seufzte und meinte, weder der Kommunismus noch der Kapitalismus hätten das städtische Erbe retten können. Als ich darüber nachdachte, kam mir ein anderer Gedanke: Vielleicht existieren diese Gebäude gerade deshalb noch, weil die Menschen sowohl unter dem Kommunismus als auch unter dem Kapitalismus oft genug mit dem täglichen Leben beschäftigt waren und kein Geld hatten, sie abzureißen. Dieser Gedanke erschien mir beinahe tröstlich. Ich hoffte nur inständig, dass man diese schönen Kulturdenkmäler nicht eines Tages niederreißen würde, sobald ausreichend Geld vorhanden wäre, um stattdessen moderne Neubauten zu errichten.
Der Tag der Heimreise rückte näher; nur noch eine Woche blieb bis zu unserer Rückkehr. Die Sehnsucht nach dem Alltag zu Hause in Deutschland und das Gefühl seiner Eintönigkeit wechselten sich seltsam miteinander ab.
Arnd:
Wir hatten in Bukarest eine Übernachtung. Da wir mittags ankamen und erst nachmittags weiterfuhren, hatten wir einige Zeit was zu unternehmen. Wir gehen dann ja gern ins Museum. Aber in Bukarest haben viele Museen, vielleicht sind es alle staatlichen Museen, montags und dienstags geschlossen und wir waren Montag und Dienstag da.
Für andere Museen ist das natürlich eine Chance, auch mal ein paar Besucher abzubekommen. So waren wir am Montag in einem Museum, in dem Kunstwerke präsentiert wurden, die der Stadt von Privatleuten gespendet worden waren, dem Muzeul Colecțiilor de Artă. Mir kam dann der Gedanke, dass es hierbei wohl um Nachlässe von weniger bekannten Künstlern ging, die so ein würdiges Weiterleben bekamen. Es waren viele schöne Werke dabei, das Gebäude war alt und vornehm und alle Bilder hatten einen goldenen Rahmen.
Am Dienstag Nachmittag wollte ich eigentlich mal wieder in eine Museum für moderne Kunst gehen. Aber ich hatte nicht aufgepasst, das Museum hatte zwar montags geöffnet, aber dienstags nicht. Mist. Als Ersatz diente dann eine private Sammlung von diversen technischen Gerätschaften, vor allem aus dem zwanzigsten Jahrhundert, das Museum of Romanian Records.
Dort gab es Fotoapparate, Filmkameras, Schreibmaschinen, Musikinstrumente, Mikroskope, usw. und in einem anderen Stockwerk die weltweit größte Sammlung von Bügeleisen (Guiness Rekord!). Von allem gab es eine ungeheure Anzahl verschiedenartiger Objekte, sorgfältig in blitzsauberen Glasvitrinen aneinandergereiht. Ich habe eine Frau gesehen, die gerade eine Vitrine innen putzte, das ist wahrscheinlich eine Dauerbeschäftigung.
Auf dem Rückweg zum Hotel kamen wir in einen Wolkenbruch, konnten uns aber an einer Bushaltestelle unterstellen. Irgendwann mussten wir dann aber los, weil wir unseren Zug nach Wien ja nicht verpassen wollten. Nachdem später der Zug losgefahren war, gab es nochmal einen so heftigen Wolkenbruch, dass das Wasser innen am Fenstergriff runter tropfte und es kam auf den Smartphones eine offizielle Warnmeldung wegen Überschwemmungen.Leggi altro
















Viaggiatore🙂
ViaggiatoreWillkommen zu Hause! Wir hoffen, ihr findet euch noch zurecht!
ViaggiatoreDanke lieber Reiner, wir finden uns gerade noch zurecht! Am Anfang mussten wir kurz überlegen, wo unsere Küchenmesser oder Suppenkelle sind.