• Tag 1

    May 14 in Luxembourg 🌧 10 °C

    An unserem ersten Reisetag ging es ganz entspannt sechs Stunden Richtung Westen. Unser Ziel: Luxembourg City, die Hauptstadt des zweitkleinsten EU-Landes. Trotz ihrer überschaubaren Größe gehört sie zu den wichtigsten Finanzzentren Europas und vereint mittelalterliche Altstadt, moderne Architektur und jede Menge internationale Atmosphäre auf erstaunlich engem Raum.

    Nach unserer Ankunft überquerten wir direkt die beeindruckende Adolphe Bridge. Die Brücke wurde 1903 eröffnet und galt damals als technisches Meisterwerk, weil ihr riesiger Steinbogen zu den größten der Welt gehörte. Heute verbindet sie nicht nur verschiedene Stadtteile, sondern ist auch eines der bekanntesten Wahrzeichen Luxemburgs. Funfact: Obwohl sie über 120 Jahre alt ist, nennen die Luxemburger sie bis heute oft einfach „Neue Brücke“.

    Unsere Unterkunft lag im charmanten Viertel Pfaffenthal, das tief im Tal der Alzette liegt. Früher lebten hier vor allem Handwerker, Müller und Arbeiter, weil direkt am Fluss gearbeitet wurde. Heute ist das Viertel deutlich ruhiger und bekannt für seine kleinen Gassen, historischen Häuser und den besonderen Kontrast zur modernen Oberstadt darüber. In unserem Tiny House fühlten wir uns jedenfalls sofort wohl – auch wenn man beim Kofferöffnen gefühlt erst einen Bauplan studieren musste.

    Lange blieben wir allerdings nicht, denn natürlich wollten wir direkt losziehen. Also ging es zum Panoramaaufzug Pfaffenthal. Der gläserne Aufzug verbindet seit 2016 kostenlos die Ober- und Unterstadt und überwindet dabei rund 70 Höhenmeter. Von oben hat man einen großartigen Blick über das Tal und die alten Festungsanlagen. Besonders praktisch: Der Aufzug erspart einem ungefähr 400 Treppenstufen und damit auch spontane Zweifel an der eigenen Fitness.

    Anschließend liefen wir durch den Stadtpark bis zum Place de la Constitution. Der Platz entstand nach dem Abriss der alten Festungsmauern und ist heute einer der bekanntesten Aussichtspunkte der Stadt. Dort steht auch die „Gëlle Fra“, die goldene Frauenstatue, die an die Luxemburger erinnert, die in den Weltkriegen gekämpft haben. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick auf das Viertel Grund. Das Viertel liegt tief unten im Tal und wirkt mit seinen engen Gassen, alten Häusern und kleinen Cafés fast wie aus einem Märchenfilm. Früher befanden sich dort Werkstätten, Brauereien und Gerbereien, weil die Nähe zum Wasser wichtig war.

    Überhaupt ist die Lage von Luxemburg-Stadt ziemlich außergewöhnlich. Die Stadt wurde auf mehreren Felsplateaus erbaut, während die Alzette tief darunter durch die Täler fließt. Genau diese natürliche Lage machte Luxemburg jahrhundertelang zu einer nahezu uneinnehmbaren Festung. Deshalb bekam die Stadt auch den Spitznamen „Gibraltar des Nordens“. Teile der alten Festungsanlagen und Kasematten gehören heute sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe.

    Danach ging es weiter zur beeindruckenden Notre-Dame Cathedral. Die Kathedrale wurde ursprünglich im 17. Jahrhundert von Jesuiten erbaut und verbindet gotische Elemente mit Renaissance- und Barockstil. Besonders bekannt ist sie für ihre prachtvollen Glasfenster und die Krypta, in der Mitglieder der großherzoglichen Familie begraben sind.

    Nur wenige Schritte entfernt befindet sich der großherzogliche Palast, die offizielle Residenz des Großherzogs von Luxemburg. Das Gebäude stammt ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert und diente früher sogar einmal als Rathaus. Heute finden dort offizielle Empfänge und Staatsbesuche statt.

    Nach dem Besuch des Palasts zog es uns noch auf das moderne Kirchberg-Plateau – den wohl größten Kontrast zur historischen Altstadt, den man sich vorstellen kann. Während unten mittelalterliche Gassen und alte Festungsmauern dominieren, ragen hier Glasfassaden, moderne Architektur und riesige Bürogebäude in den Himmel. Kirchberg gilt als europäisches Viertel Luxemburgs und ist Sitz zahlreicher EU-Institutionen, darunter der Court of Justice of the European Union, die European Investment Bank und Teile des Europäischen Parlaments. Funfact: In Luxemburg arbeiten Menschen aus über 170 Nationen – spätestens auf Kirchberg merkt man, wie international die Stadt tatsächlich ist.

    Auf dem Rückweg folgten wir dem berühmten Wenzel Circular Walk, einem historischen Rundweg durch die Altstadt. Der Weg führt vorbei an alten Festungsmauern, Aussichtspunkten, kleinen Brücken und engen Gassen und gilt als eine der schönsten Möglichkeiten, Luxemburg zu Fuß zu entdecken. Benannt wurde der Rundweg nach Wenzel I., einem Herzog von Luxemburg aus dem 14. Jahrhundert. Während des Spaziergangs hatten wir jedenfalls permanent das Gefühl, versehentlich in ein mittelalterliches Filmset geraten zu sein.

    Da uns das luxemburgische Nieselwetter irgendwann ordentlich eingeweicht hatte, beschlossen wir, uns mit einer großen Portion Ramen aufzuwärmen. Danach durfte natürlich auch ein/zwei/drei lokales Bofferding-Bier nicht fehlen. Die Brauerei existiert bereits seit 1842 und ist die größte Privatbrauerei Luxemburgs. Gut gestärkt und leicht durchgenässt machten wir uns schließlich wieder auf den Rückweg zu unserem Tiny House – bereit für die nächsten Abenteuer.
    Read more