• Tag 3: Heute ist Wien-Tag

    April 18 in Austria ⋅ ☁️ 20 °C

    Heute ist Wien-Tag – und endlich auch ein Moment, um einmal durchzuatmen: Sachen ordnen, zurückschauen, und überlegen, was noch vor uns liegt.
    In der Nacht hatte die Donau noch einmal ihre ganz eigene Arbeit getan. Während wir schliefen – oder auch nicht – ging es durch mehrere Schleusen. Ich wurde davon wach. Dieses leise Gleiten, ein kaum hörbares Dröhnen, dann Stillstand. Und irgendwann merkte man: Wir bewegen uns, aber nicht vorwärts – sondern nach oben oder unten.
    Besonders eindrücklich war die Schleuse am Donaukraftwerk Jochenstein. Eine der größten auf dieser Strecke. Bis zu zwanzig Meter Höhenunterschied werden hier überwunden – eigentlich unvorstellbar, wenn man es nicht selbst erlebt.
    Mitten in der Nacht fühlte sich das an, als würde das Schiff ein Stockwerk nach dem anderen wechseln. Ganz ruhig, fast unmerklich – und doch mit einer Kraft dahinter, die man eher ahnt als sieht.
    Am Morgen war davon nichts mehr zu spüren. Die Donau lag wieder ruhig da, als wäre nichts gewesen..
    Nach jeder Schleuse wirkt das Wasser erst einmal unruhig, fast aufgewühlt. Ganz langsam fährt das Schiff an, dann beschleunigt es vorsichtig – und sobald wir wieder frei auf der Donau sind, geht es mit spürbar mehr Kraft weiter. Die meisten Gäste bekommen davon nichts mit. Sie schlafen. Ich nicht. Mir ist das viel zu spannend: die Lichter, die sich im Wasser spiegeln, entgegenkommende Schiffe, die Schleusen selbst – und diese dichte, dunkle Nacht, in der man das Ufer nur erahnen kann.
    Bisher hat uns der Kapitän sicher durch alle Windungen der Donau geführt.
    Nach einem reichhaltigen Frühstück erreichten wir gegen Mittag Wien. Der erste Eindruck war ehrlich gesagt ernüchternd. So hatte ich mir Wien nicht vorgestellt – es wirkte auf mich eher wie ein kleineres Frankfurt, mit Hochhäusern und wenig Charme.
    Doch um 14 Uhr begann unsere Bustour – und damit änderte sich das Bild. Nach und nach lernten wir auch die schönen Seiten von Wien kennen: die alten Gebäude, die großzügigen Straßen, die klassische Atmosphäre.
    Den geplanten einstündigen Fußmarsch zum Stephansdom habe ich mir erspart. wir setzten uns stattdessen in ein kleines Café. Eine Wiener Melange, dazu ein süßes Gebäck – das hatte seinen ganz eigenen Reiz. Manfred ist liebevoll bei mir geblieben – zumindest zunächst. Aber meine Beine machen einen längeren Weg nicht mehr mit. Ich kann mich zwar gut am Rolli festhalten, doch durch die dichten Touristenströme hatte ich schlicht keine Lust, mich hindurchzuschieben. Diese Gruppen mit ihren grünen Touristen-Schlüsselanhängern und den farblich passenden Rucksäcken – das ist einfach nicht meine Art zu reisen.
    Ein kleines Stück den Berg hinauf, nach der Wiener Melange und dem Kringel, bin ich dann doch noch gegangen. Manfred ist weiter bis zum Stephansdom.
    Ich dagegen habe mir Zeit genommen für die Schaufenster. Die Auslagen waren schön und aufschlussreich – allerdings auch die Preise, und die hatten es zum Teil in sich. Die Geschäfte waren trotz der hohen Preise dafür erstaunlich voll.
    Auf dem Rückweg zum Bus begegnete uns sogar ein Fiaker – dieses typische Wien-Bild, das man im Kopf hat. Um 17 Uhr waren wir zurück auf dem Schiff und nun lassen den Abend ruhig ausklingen.
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