• "Wenn nichts unvorhergesehenes passiert",...

    August 16 in Austria ⋅ ☀️ 22 °C

    "Wenn nichts unvorhergesehenes passiert",...

    ...schrieb Julian heute in einer WhatsApp und ahnte nicht, dass dann noch allerhand Unvorhergesehenes passieren würde.

    Eigentlich wollten wir einen Vormittagsausflug machen und pünktlich gegen 15 Uhr zurück sein, da es regnen sollte und Mama und Papa Pfeilsticker krankheitsbedingt in der Ferienwohnung blieben und ihren Kindern einen Pausentag gönnten, weshalb Marlene aber natürlich möglichst schnell wieder zurück wollte, um mit Noah und Jara zu spielen.
    Auserkoren hatten wir als Ziel die Ursprungsalm und die Gieglachseen, wo Ende der 80er eine Heidiverfilmung gedreht wurde und die traumhaft gelegen sind. Marlene war zunächst nicht begeistert, aber nachdem unsere kleine Rakete ihren Motor gezündet hatte, stieg sie wie eine echte Rakete den Steilen Anstieg von der Ursprungsalm zu den Seen und zur Ignaz Mattis Hütte hoch. Vielleicht half eine meiner Wandergeschichten über den kleinen Waldwichtel Gustav oder der tolle Kinderweg mit etlichen Stationen oder die drei Murmeltiere auf unserem Weg - wer weiß es schon, Hauptsache die Rakete entfachte ihr starkes Feuer.
    Es war auf jeden Fall ein genialer Aufstieg mit tollen Blicken auf die Gieglachseen, die uns ein wenig ans Schottische Hochmoor erinnerten. Das da dann auch noch Pferde grasten, machte es natürlich perfekt.
    An der Ignaz Mattis Hütte legten wir dann eine kurze Rast ein, wo Luise dann mit ihrer geliebten weißen Tasche spielte und plötzlich MEINEN Personalausweis herausholte, den Julian dann in seiner Seitentasche verstaute - Merkt euch diesen Moment, er wird noch wichtig sein.
    Nach unserer Rast stiegen wir wieder hinab zur Ursprungsalm und bekamen außer ein paar Tropfen keinen Regen ab. Stattdessen genossen wir blauen Himmel und sanfte Sonnenstrahlen.
    In der Ursprungsalm tranken wir noch etwas und beobachteten ein paar lustige Hühner, die es vor allem Luise angetan hatten. Dann schrieb Julian Lena, dass wir in guten 40-60 Minuten an der Ferienwohnung wären, "wenn nichts unvorhergesehenes passiert". Kaum waren wir am Parkplatz angekommen, bemerkte Julian allerdings, dass mein Personalausweis verschwunden war. Er musste aus der Tasche gefallen sein, als er sein Handy herausgeholt hatte. Allerdings war nicht klar, wo.
    Also, bat ich Julian, die anderen zur Ferienwohnung zu bringen, während ich nochmal den Weg nach oben lief. Wir trennten uns also.
    Fast wie eine Trailrunnerin düste ich den Berg hoch und fragte jeden, ob mein Perso gefunden worden sei. Und tatsächlich hatte ich nach 15 Minuten wahnsinniges Glück - ein Pärchen hatte ihn gefunden. Sofort rief ich Julian an und er machte kehrt, fuhr die Serpentinen erneut mit allen Passagieren hoch und holte mich ab.
    Nun könnte man denken, das sei genug unvorhergesehenes, aber auf dem Weg runter, fing Luise plötzlich an zu jammern. Ehe ich mich versah, spuckte sie im hohen Bogen ihren gesamten Mageninhalt über sich und den Kindersitz und mich. Wir mussten also an einer dritten Alm halten, um sie dort komplett umzuziehen und notdürftig den Sitz zu reinigen. Danach war sie übrigens top gelaunt, lachte und sang.
    Letztlich kamen wir nicht, wie gedacht nach 60 Minuten an, sondern nach guten 150 Minuten.
    In der Ferienwohnung duschten wir den gesamten Sitz ab und wuschen Luises Kleidung. Und während wir das so machten, stopfte sie sich den Bauch voll mit Pizza, Brötchen und Saft - das Kind hatte schließlich Hunger.
    Und obwohl der Tag viel Unvorhergesehenes bereithielt, war es ein wirklich unvergesslicher Tag!
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