Mountain Rescue Team
15. juli, Bosnien-Hercegovina ⋅ ☁️ 25 °C
Vorab: Uns gehts gut, wir sind unverletzt, alle sind lebend rausgekommen.
Nun zum Abenteuer, das wir hoffentlich nie mehr erleben werden:
Wir gehen weiter und plötzlich hören wir ein knacken. Wir schauen nach hinten und sehen, wir der Holländer reglos fällt und einige Meter rollt. Sofort sind wir alle bei ihm. Er atmet, ist aber bewusstlos. Wir sichern ihn mit Rucksäcken und unseren Körpern am Hang. Und dann hat jeder seinen Job. Sein Freund Michel spricht mit ihm. Vanessa gibt ihm Mut und überwacht seinen Puls, Jan kümmert sich darum, dass der Guide Hilfe organisiert und holt den zweiten Guide. Tom sorgt für Schatten und händigt Wasser, Schal etc. aus dem Rucksack. Ich halte seinen Kopf und ermutige Michel mit ihm zu sprechen.
Wir versuchen ihn aufzuwecken indem wir Wasser über seinen Kopf leeren, der Kräuter-Peter, wie ihn Jenny nennt, findet Bärlauch und Knoblauchzehen, die wir ihm unter die Nasen halten. Leider wacht er nicht auf. Es ist jeder von Bedeutung. Der Guide meint, dass in einer Stunde die Bergrettung kommt, wir ihn aber sicher bis zum Auto schleppen müssen.
Ein weiteres Pärchen und 3 Guides aus dem Camp sind nun ebenfalls eingetroffen. Leider keine medizinische Fachperson. Unterdessen reagiert er mit Händerdruck auf beiden Seiten, also kein Schlaganfall, auf Michel's Stimme. Einer der Guides hat eine Cola mitgebracht, die wir ihm nun Schlückchen für Schlückchen aus einem Getränkedeckel in den Mund leeren. Ein bisschen schlucken kann er.
Die Guides haben zwei Bäume gefällt und mit Spannset eine Trage errichtet. Bergrettung wie 1900. Wir und die Deutschen könnens kaum glauben.
Wir hiefen den 90kg Mann auf die Trage. Jens montiert ihm seine Pulsuhr zur Überwachung. Und dann wirds richtig ungemütlich. Die Männer tragen den Mann zu diesem Wald raus. Über eine Stunde dauert der steile und harte Aufstieg. Die Frauen haben die Rucksäcke, tragen Wasser händigen Sachen aus. Jenny nimmt Michel an die Hand. Der muss ja nicht auch noch irgendwo abstürzen. Immer wieder müssen wir Erkijan ablegen, den Puls kontrollieren, ihm gut zureden, die Träger mit Wasser und den Patienten mit Cola versorgen. Wir sind ein gutes Team. Ihr erinnert euch an die Bäume, die man hier nicht wegräumen darf. Der Kräuter-Peter gibt alles. Er rennt immer wieder voraus und dann hört man es knacken. Er reisst alles zur Seite, was er kann.
Die starken Männer wechseln sich ab. Sie sind mit allen eingerechnet zu acht. Über die grossen Baumstämme ist es besonders kräfteraubend. In «flacheren« Teilen nehjen sie die Baumstämme auf die Schultern. Bei jedem Stopp sind alle massivst nassgeschwitzt. Und dennoch heisst es keine Zeit zu verlieren, noch atmet er und der Puls ist stabil.
Nach über einer Stunde trifft uns das Mountain Rescue Team im Wald. Ein Kind, zwei Männer in Turnschuhen und eine Trage mit einem Rad in der Mitte. Michel wird immer nervöser und wir könnens kaum glauben.
Der Patient wird verlagert und dann mit dieser Trage die letzten Hundert Meter geschoben. Immer wieder muss man die Trage über einen Baumstamm heben. Die Männer sind ebenfalls am Limit. Michel mit den Nerven am Ende.
Es beginnt zu regnen und endlich erreichen wir den Parkplatz und da steht ein Krankenwagen. Es wird eine Infusion gelegt, die Ärztin erkundigt sich nach Informationen und dann fährt der Rettungswagen ab. Michel darf nicht mit.
Wir werden zurück ins Camp gebracht. Wir sitzen in die Bar. Alle werden mit Flüssigem versorgt. Die letzten 3 Stunden waren hart. Jenny holt alles was es noch im Kühlschrank hat. Zusammen mit Michel, Jens und Vanessa lassen wir den Nachmittag revue passieren. Michel erzählt, dass sein Freund vor zwei Wochen seinen Vater verloren hat und diese Reise als Ablenkung gedacht war. Wir reden, essen und ermutigen Michel. Nicht auszumahlen, was er gerade durchmacht.
Es dauert eine Stunde, bis der Anruf aus dem Krankenhaus kommt. Good News: Er spricht, er ist wach und ansprechbar. Alle einschliesslich aller Guides sind bis zur Entwarnung geblieben. Wir freuen uns mit Michel. Er wird ins Spital begleitet. Wir wünschen ihnen alles Gute.
Vanessa und Jens machen sich ebenfalls auf den Nachhauseweg, wir springen unter die Dusche und machen ein Nickerchen. Dann essen wir in der Bar und schauen das Fussballspiel. Was für ein Tag. Auf solche Abenteuer könnten wir verzichten. Und wie viel Glück er hatte. Er hätte auf einem der grossen Felsbrocken aufschlagen können oder gar schlimmer.
Und dann kommen Michel und Erkijan zur Tür rein. Wow er sieht super aus! Er bedankt sich bei allen und setzt sich dann zu uns. Michel, sichtlich fertig, trinkt mit uns ein Bier. Er habe alle Szenarien in seinem Kopf gehabt, aber nicht dieses. Wir sind alle heilfroh.
Grüsse gehen ans Mountain Camp Outdoor Tara Team 🇧🇦, nach Nürrnberg 🇩🇪, nach Katowice 🇵🇱 und natürlich nach Holland 🇳🇱. Stay safe!Læs mere








RejsendePuuhhh zum Glück ist alles gut gegangen! Schön zu lesen, dass jeder ohne zu zögern geholfen hat, ist ja heute leider nicht mehr selbstverständlich. Das ist noch echter Teamgeist ❤️ Grossen Respekt an alle!