• Tag 5 – Orléans

    September 8 in France ⋅ ☁️ 20 °C

    ... und eine gewisse Jeanne d’Arc

    Heute lassen wir es etwas gemütlicher angehen und starten erst nach 10 Uhr. Das Wetter allerdings scheint davon wenig beeindruckt und begleitet uns die ganze Fahrt mit Nieselregen und einer ziemlich hartnäckigen Wolkendecke. Beste Voraussetzungen also für einen Ausflug in die Stadt, wenn man Regenjacken für eine kulturelle Sehenswürdigkeit hält. 😉

    In Orléans angekommen, fahren wir erst einmal ins Parkhaus. Und dann passiert etwas, womit wir schon fast nicht mehr gerechnet haben: Kaum kommen wir wieder ans Tageslicht, blauer Himmel! Als hätte der liebe Gott tatsächlich ein Einsehen mit uns. Wir nehmen das Geschenk natürlich dankbar an und machen uns auf den Weg.

    Wer ist eigentlich diese Jeanne d’Arc?...

    Eine Frau begegnet uns in Orléans praktisch auf Schritt und Tritt: Jeanne d’Arc. Auf Statuen, Bildern und an historischen Orten ist sie allgegenwärtig.

    Die junge Französin wurde im 15. Jahrhundert zur berühmtesten Heldin der Stadt. Gerade einmal 17 Jahre alt, überzeugte sie den französischen Thronfolger Karl VII., ihr zu vertrauen und sie im Kampf gegen die Engländer einzusetzen. 1429 kam sie nach Orléans, das damals von den Engländern belagert wurde. Ihr Auftreten gab den französischen Truppen neuen Mut und tatsächlich gelang es, die Belagerung zu durchbrechen.

    Jeanne d’Arc wurde damit zur Symbolfigur des französischen Widerstands. Ihr eigenes Schicksal nahm allerdings ein tragisches Ende: Sie wurde gefangen genommen, als Ketzerin verurteilt und 1431 in Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Erst viele Jahre später wurde ihr Urteil offiziell aufgehoben. Heute ist sie Nationalheldin Frankreichs und sogar Heilige.

    In Orléans ist sie natürlich besonders präsent, schließlich hat sie hier einen ziemlich entscheidenden Teil ihrer kurzen, aber außergewöhnlichen Geschichte geschrieben.

    Wir besuchen ihre Statue und schauen uns auch das Haus an, in dem sie während ihres Aufenthalts in Orléans gewohnt haben soll. Wobei „Haus von Jeanne d’Arc“ natürlich deutlich imposanter klingt als „hier hat die junge Dame mal ein paar Tage gewohnt“. 😉

    Die Kathedrale Sainte-Croix

    Von dort geht es weiter zur Cathédrale Sainte-Croix, einem der Wahrzeichen von Orléans. Schon von außen ist sie mit ihren beiden mächtigen Türmen und der beeindruckenden Fassade kaum zu übersehen.

    Auch von innen macht sie ordentlich Eindruck: hohe Gewölbe, lange Fensterreihen und viel Licht lassen den gewaltigen Kirchenraum erstaunlich leicht wirken. Einige Bereiche werden derzeit restauriert, was den Gesamteindruck zwar ein wenig einschränkt, aber gleichzeitig zeigt, wie viel Aufwand betrieben wird, um dieses historische Bauwerk zu erhalten.

    Und natürlich begegnet uns auch hier wieder Jeanne d’Arc, ihre Geschichte ist mit der Kathedrale und der Stadt einfach untrennbar verbunden.

    Hôtel Groslot

    Anschließend schauen wir beim Hôtel Groslot vorbei. Das ehemalige Rathaus stammt aus dem 16. Jahrhundert und war ursprünglich das Stadthaus der wohlhabenden Familie Groslot. Später wurde es zum Rathaus von Orléans.

    Besonders interessant: König Franz II. starb hier 1560, gerade einmal 16 Jahre alt. Auch seine junge Frau Maria Stuart hielt sich zu dieser Zeit in Orléans auf. Ein Haus also, das in seiner hübschen Renaissance-Fassade deutlich harmloser aussieht, als es die Geschichte vermuten lässt.

    Danach schlendern wir noch ein wenig durch Orléans, schauen hier und da in die Straßen und lassen die Stadt auf uns wirken. Doch der blaue Himmel hat leider nur einen kurzen Gastauftritt. Schon zieht es wieder zu und die ersten Tropfen fallen.

    Bevor aus unserem Stadtbummel noch eine unfreiwillige Kneippkur wird, beschließen wir, den Besuch lieber zu beenden und fahren zurück nach Blois.

    Dort lassen wir den Tag ganz gemütlich ausklingen. Schließlich wartet morgen schon die nächste Station auf uns: Saumur.

    Und wer weiß, vielleicht hat der liebe Gott dort ja inzwischen gelernt, dass wir gegen ein bisschen mehr Sonnenschein überhaupt nichts einzuwenden hätten. 😄
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