Der Tag danach
20 Ogos 2025, Perancis ⋅ 🌧 21 °C
"Heute ist ein mäßig guter Tag zum Angeln", sagt Miron's GPS. "Ein Baguette ist nicht regenfest, drei Baguettes sind es auch nicht." Gleich zwei wichtige Erkenntnisse am frühen Morgen. Wir hatten Regen bestellt, heute wird er geliefert. Wohl mit dem Ziel, die Spuren der Nacht etwas zu verwässern. Das ist durchaus in aller Sinne, dennoch fällt es mit dem Prasseln aufs Zeltdach nicht gerade einfach, sich aus den Schlafsäcken zu pellen. Generell ist nach der misslungenen Nacht nicht viel Steuerkapazität des Gehirns vorhanden, wir laufen quasi im Stammhirnmodus. Zusammenpacken, laufen, anhalten, weiterlaufen. Der Weg führt größtenteils auf geraden Waldwegen parallel zur Landstraße, monoton und langweilig, gerade passend für Beine im Selbstläufermodus. Da keiner von uns Appetit hat und zwei Drittel der Reisegruppe sowieso die wertvollen Kalorien nur wieder dem Wald schenken würden, laufen wir zudem auf Speckreserve. Zusammen ergibt dies nicht unbedingt ein sehr dynamisches Bild, wir schlurpsen durch die wassertriefende Landschaft, wortkarg. Als wir auf der Hälfte der Strecke eine stark befahrene Schnellstraße überqueren müssen, malen wir uns nicht allzu große Überlebenschancen aus. Wir verabschieden uns höflich voneinander, danken einander für die angenehme Lebenszeit zusammen und stellen uns auf zum letzten Sprint. Überglücklich und etwas ungläubig fallen wir uns auf der anderen Straßenseite wieder in die Arme, es geht doch noch gemeinsam weiter. Jetzt sind es auch nur noch 5 km bis nach Saverne, das kriegen unsere Beine ohne uns hin. Also verdösen wir den kurzen Adrenalinstoß und lassen uns tragen, vorbei an hübschen Felsen und einer geheimnisvollen Grotte, die uns jedoch nur kaum interessieren. Der Stammhirnmodus erlaubt nur Atmen, Essen, Laufen und Schlafen. Da Nr. 2 keinen Sinn macht, Nr. 4 nicht sachdienlich ist, um vorwärts zu kommen, geht die ganze Energie auf Nr. 1 und 3 drauf. Und dann stehen wir endlich in Saverne vor einem Riesengebäude, einem ehemaligen Schloss im Stadtzentrum. Hier soll irgendwo die Jugendherberge sein, die wir reserviert haben, aber es gibt keinen Eingang. Sicher sind wir im falschen Ort, hier ist nix. Doch! Es gibt ein ausgeblichenes Schild an der Seite des Backsteinbaus mit der Aufschrift "Auberge de Jeunesse. Please ring the bell before climbing the stairs". Ein Summen ertönt, die schwere Tür lässt sich öffnen und wir stehen in einem Treppenhaus ohne Ende nach oben. Uns bleibt nichts anderes übrig als uns an den Aufstieg zu machen und nach drei bis vier Tagen Treppensteigen kommen wir an einer weiteren geöffneten Tür an. Wir betreten einen dunklen Flur, in dessen Mitte ein kleines Pförtnerzimmer sitzt, mit Licht und einem Menschen hinter der Glasscheibe. Er nuschelt vor sich hin, ich fülle Zettel über Zettel aus und bekomme den Schlüssel von Zimmer Nummer Eins in die Hand gedrückt. Wir tasten uns zu unserem Zimmer vor, weitere dunkle Gänge entlang. Wir sind offenbar die einzigen Gäste. Der Pförtner schließt Licht und Tür seines Häuschens und geht, sein Tagewerk ist vollendet. Uns beschleicht ein etwas mulmiges Gefühl, vor dem Fenster sind teilweise Gitter angebracht, wir kleben in einem Kämmerchen unter dem Dach des Schlosses, in dem noch ein Museum und eine geschlossene Grundschule untergebracht sind. Viel Denken ist heute nicht drin, daher plumpsen wir in die Betten und schalten unsere Gehirne ganz aus.Baca lagi




















PengembaraIch liebe deinen Schreibstil! Könnte ewig weiterlesen :)
Pengembara❤️