• Tag 17: New Mexico

    April 19 in the United States ⋅ ☁️ 14 °C

    Bevor es am Abend dunkel wird liege ich in meinem Zelt oft einfach nur so da und starre an die Decke. Manchmal denke ich über Sachen von früher oder über den Wandertag nach. Es kommt auch vor, dass ich mich in diesem Moment frage, was ich hier eigentlich genau mache und wieso ich mir diese Strapazen antue. Meistens höre ich jedoch nur aufmerksam den Geräuschen um mich herum zu. Hier im Wald zum Beispiel den zwitschernden Vögeln oder dem verspielten Wind in den Baumwipfeln. Das schöne daran ist, dass ich überhaupt keinen Druck verspüre, etwas anderes zu tun. Da ist nichts. Da ist einfach nichts…

    Als ich heute so dalag, habe ich realisiert, dass ich mich seit drei Tagen nicht mehr im Spiegel angeschaut habe. Könnt ihr euch das vorstellen? Ich? Klar werde ich mich wieder hübsch machen, wenn ich unter Menschen komme, aber bis dahin interessiert hier mein Aussehen niemand. Das ist sehr befreiend.

    In der Ferne habe ich soeben wilde Truthähne gackern gehört. 🦃 Bis vor ein paar Tagen wusste ich noch nicht, dass es diese Tiere in der freien Wildbahn überhaupt gibt. Das hat mir nämlich ein Jäger erzählt, der mir auf der Wanderung begegnet ist. Er sass mit einer grossen Flinte auf einem Baumstamm am Wegesrand und trank aus einer roten Blechdose Cola. Dank ihm weiss ich auch, dass die Jagdtsaison für Truthähne vor vier Tagen offiziell eröffnet wurde. Spannend, nicht?

    Übrigens waren heute morgen nicht nur meine Schuhe, sondern das ganze Zelt von oben bis unten gefroren. Ich hoffe inständig , dass der Höhepunkt der Kälte damit erreicht ist. Langsam aber sicher habe ich es satt, zitternd und bibbernd aufzustehen.
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