Kilometer schruppen
7 Mart, Yeni Zelanda ⋅ ☁️ 16 °C
Der Weg war heute das Ziel.
Die Hochebene flachte ins Tal ab, das sich in Richtung Mossburn öffnete.
Morgens bei Abfahrt standen sich noch Mond und Sonne über den Bergen gegenüber. Bis zum Mittag verdichteten sich die Wolken und die gravelroad nach Mossburn wollte und wollte mit ihren 80 km nicht enden.
Nach dem obligatorischen Brownie mit Coke ging alles viel besser!
Es war jetzt eine richtige Straße - schnurgerade mit Wind aus Südosten.
Heute hieß es einfach: Kilometer schruppen!
Aber der Gedanke, das Ziel so nah erreicht zu haben, schien zu beflügeln. Und:
Ich traf Elisabeth und Alexander wieder!
Für einige Kilometer fuhren wir gemeinsam und durch das schöne Erzählen war die Strecke nicht spürbar.
Die Wolken hingen tief.
Ich fuhr noch bis Winton. Ein sehr nettes Städtchen, wohl eines der ältesten in Southland. Vereinzelte schöne Häuser stehen noch: die Post, Hotel, Bahnhof, Bank.
Irgendwie hatte ich keine Lust mehr, nach einem Schlafplatz zu suchen. Regen war angekündigt. Es war kalt und in der Kneipe spielte so nette Live-Musik. Ich fragte, ob ich ein Zimmer bekommen könne: total easy!
So blieb ich ohne Zelt aufzubauen, eine Nacht vor dem Ziel...
...im warmen Motel bei lustiger Musik mit noch lustigeren Einheimischen in Winton!
...ein wenig als die Fremde fühlte ich mich schon, aber das gehört ja dazu bei einem so kleinen Städtchen...
Als sich der Kreis plötzlich öffnete und sich einer traute, mich zu fragen, was ich hier mache. Und schon stand ein weiteres Getränk vor mir und alle konnten kaum glauben, dass ich den ganzen Weg von Cape Reinga hier her geradelt bin. Es wurde eine Weile zum Gespräch, wie der Weg führte, warum man so etwas überhaupt mache und warum Marcel nicht dabei sei. Sie würden das niemals machen- und schon gar nicht alleine!
Ich bekam noch viele gute Tipps für die besten Meeresfrüchte in Bluff und wir sangen gemeinsam die Oldies bis zum bitteren Ende um 23:00 Uhr- es war ja schließlich Wochenenden ;)Okumaya devam et
Yes, I did it !
9 Mart, Yeni Zelanda ⋅ ⛅ 12 °C
Die letzte Etappe des Te Aotearoa führte mich von Winton nach Bluff. Theoretisch schnurgerade durch die Tiefebene nach Süden ans Meer.
Wenn da nicht die Straßensperrungen und wenig Brücken gewesen wären.
Aber ich war nach dem richtigen Bett und dem ausgiebigen Frühstück gestärkt und ausgeruht und habe alle Umleitungen irgendwie gefunden. - Da sind wir in Deutschland mit unserem Schilderwald doch etwas verwöhnt.
Der ganze Tag war durchtränkt von schüttendem Regen. Als es das letzte Mal so geschüttet hat, habe ich im Trockenen Madeleines Küche geputzt.
In Cargavill machte ich Pause, nachdem ich zufällig Elisabeth und Alexander nochmal kurz getroffen hatte.
Mit war eiskalt, sobald ich weniger Minuten stand. Die Pause war kalt und nass bei heißer Schokolade und natürlich... Burger...!
Landschaftlich ging es wieder ans Meer - alles brettl-eben, um nicht zu sagen: langweilig!
Deshalb hieß es einfach fahren!
Am Spätnachmittag kam ich in Bluff an. Fand sofort ein Quartier in einem alten Postgebäude mit einer sehr emsig und lieben Vermieterin. Ihr war wichtig, dass sich alle hier bei Namen kennen und gut unterhalten. Deshalb würde ich durch alle Räume geführt und allen vorgestellt.
Tatsächlich war hier ein Sammelpunkt für alle TA-ler. Ob sie gefinished haben oder starten. Das war natürlich schon schön! Diese Stimmung: voller Erwartung oder voller Erlebnisse und Emotionen!
Ansonsten ist in Bluff wirklich nicht viel los. Es befindet sich am südlichsten Punkt Neuseelands und ist berühmt für seine Austernfischerei.
Heute war die heiße Dusche einfach nur wohltuend! Die Temperaturen fühlen sich wirklich an, wie nahe am Südpol.Okumaya devam et
Und jetzt ???
9 Mart, Yeni Zelanda ⋅ ☀️ 12 °C
Kilometerstand in Bluff: 3.287 km
Höhenmeter gesamt: 81.334 hm
Der Tag begann mit Sonnenschein!
Sollte ich diesen wundervollen Te Araroa Trail mit diesem heftigen Regentag gestern und dieser nicht sonderlich hübschen letzten Etappe beenden???
Ich hatte gut Zeitpuffer eingeplant, den ich jetzt noch zur Verfügung habe.
Ich beschloss, noch an der Ostküste entlang ein Stück nach Norden zu fahren.
Nach Dunedin sind es um die 300 km..
Diese Entscheidung stellte sich als eine sehr gute heraus!
Andere Radler hatten herausgefunden, dass es nicht so einfach würde, per Bus und Fahrrad in die nächste größere Stadt zu kommen. So sparte ich mir diese Geschichten und :
Das Land an der Küste ist ein absoluter Traum!
Ich fuhr durch die Catlins, eine liebliche Hügellandschaft entlang der Küste.
Mit dem Wind war es den ganzen Tag ein Spiel: die Straßen verliefen zick-zack, der Wind drehte von S/W nach S/O.
So war jede Biegung der Straße spannend, wie es danach weiter gehen würde ;)
Endlich, am Ende meiner Reise bin ich zu den riesigen Schafherden gekommen, von denen ich immer gehört, sie aber nie wirklich so angetroffen habe, wie hier!
So gefiel mir das: rechts der blaue Pazifik, links die Hügel voller Schafe!
Ich machte einen Abstecher auf einer wunderschön welligen Straße zum Slope Point. Hier war ich dem Südpol näher als dem Äquator! Der eisige Wind ließ es mich spüren. Die Bäume waren alle windschief gewachsen.
Im Abendlicht ging es bis zur Curio Bay. Eine Steilküste, wo sich die kleinen gelbäugigen Pinguine zum brüten treffen und Seehunde in der Sonne wärmen. Natürlich wartete auch ich in der Abenddämmerung mit all den anderen Touristen auf den Pinguin-Marsch: außer eiskalte Füße und eine schöne Abendstimmung sahen wir aber nichts!
Was an dem Ort aber noch besonders ist: hier ist ein versteinerter Wald am Strand. Und das habe ich noch nie gehört: dass Holz versteinert! Das ging damals wohl nur so, weil das Holz in einem Asche-Bad konserviert und dann über Millionen von Jahren versteinerte.
Die Nacht war so kalt, dass ich meine Trinkflaschen vom Fahrrad als Wärmflaschen verwendete.Okumaya devam et

Zuschlag - bravo. Ich habe damals in Papatowai im YouthHostel übernachtet. Da müsstest Du auch durchkommen. [Peter]
Durch die Catlins -gegen den Wind
10 Mart, Yeni Zelanda ⋅ ☁️ 13 °C
Der heutige Radltag wurde nach den 130 km gestern mit gerade mal 74 km total unterschätzt. Bin spät los gefahren.
Es war eine einzige Herausforderung.
Die Catlins sind bekannt für ihre steilen Klippen und die relativ hohen Berge und den unberührt erscheinenden Wald, angrenzend an den Pazifik.
Der Wind kam von Osten bzw S/O und ist eisig kalt.
Die Landschaft konnte mich oft gut ablenken, aber es war heute harte Arbeit, vorwärts zu kommen. Um einmal Pause von Wind zu haben, machte ich eine kleine Wanderung durch den dichten Wald ans Meer. Die Ruhe tat so gut!
Früher als sonst musste ich was essen.
Ein wenig enttäuscht bin ich ja doch, dass die Bilder die echte Landschaft nicht rüber bringen können. Aber sie helfen mir, mich zu erinnern;)
Etwa zwei Kilometer vor meinem Ziel in Owaka steht am Straßenrand ein Auto. Eine Frau steht am Kofferraum. Ich denke mir nichts und will vorbei fahren, als sie mich anhält. Erster Gedanke: sie braucht Hilfe!
Dann reicht mir die kleine Japanerin etwas und sagt, sie habe mich heute schon dreimal überholt und findet es unglaublich dass ich Fahrrad fahre. Sie möchte mir etwas schenken. Ich bekomme eine Tüte salzige Stix. Kann nicht lesen, was drauf steht, schmecken aber gut, so ausgekühlt ich bin!
Wir ratschen am Straßenrand und tauschen Nummern aus. Nozomi reist alleine in ihrem kleinen Auto. Wir wollen uns in Dunedin treffen.
Sehr unkompliziert bekomme ich eine Unterkunft. Hier wurde ein Krankenhaus aus dem frühen 19.Jhd. umfunktioniert und in der großen Küche wird heiter zusammen gekocht. So komme ich zu einem leckeren Chardonnay, Kürbissuppe, und Nachspeise. Die Suppe steuere ich bei ;)
Bei 7°C bleibe ich gerne gesellig sitzen und lasse die Sonne heute ohne mich untergehen.Okumaya devam et
Jedes Abenteuer hat ein Ende
11 Mart, Yeni Zelanda ⋅ ☁️ 14 °C
Ich bin die 122 km heute doch bis Dunedin gefahren.
Es war ein herrlicher Tag zum Radfahren und die Landschaft wieder mal wunderbar!
Die Ausläufer der Catlins hielten noch einige Höhenmeter für mich bereit, aber es machte durchwegs Spaß, sie zu fahren!
Die letzten drei Tage fuhr ich nach Empfehlung von KI.... Und es klappte alles perfekt!
Nur die Insta-Hotspots ließ ich aus.
Ich entschied, heute mit den letzten drei wundervollen Tagen das lange Radfahren in Dunedin zu beenden!
Damit gingen so viele Bilder und Erlebnisse der letzten Wochen durch meinen Kopf, dass jeder der Kilometer bunt gefüllt war.
Ich genoss einfach das Fahren, den Weg, die Landschaft und das freundliche Winken oder leichte Hupen der locals!
Fotografiert wurde alles längst und schon so oft- im Herzen muss es bleiben, mit aller Perspektive, den Geräuschen, den Gerüchen, Eindrücken und der Stimmung!
Durchgefroren kam ich gegen 20:00 in Dunedin an. Die Stadt richtete sich schon auf Nachtruhe ein.
Ab morgen freue ich mich, eine Woche - die letzte in NZ -, einfach als Touri Dunedin und Christchurch zu entdecken. Und alles zu konsumieren, was man Touris halt so anbietet ;)
Kilometerstand Cape Reinga - Dunedin: 3.540 km
Höhenmeter: 82.809 hmOkumaya devam et

GezginDanke, hätte aber jeder geschafft- war nur der richtige Moment für mich :)
Dunedin
12 Mart, Yeni Zelanda ⋅ ☁️ 20 °C
Drei Tage im neuseeländischen Edinburgh. Ich merkte, dass körperliche Erholung nötig war.
Dennoch kam ich mehr oder weniger per Zufall an der Baldwin Street vorbei.
Ja genau!
Die steilste Straße der Welt!
...und wer musste da per Rad hoch fahren...? 🤣
Die Baldwin Street hat eine maximale Steigung von 21 Grad (ca. 35 % Steigung). Auf dem steilsten Abschnitt steigt der Boden auf 2,86 Meter horizontaler Länge um einen Meter. Das ist echt ein bisschen heftig. Aber alle haben sich mit mir gefreut und jetzt bin ich auf ziemlich vielen asiatischen Kameras - ein Jammer dass ich nicht fotogen bin!
Die Stadt tut ziemlich gut mit ihren stabilen, schottischen Gebäuden aus der viktorianischen Zeit. Hier pulsiert das Leben. Kultur, Kunst und Studierende prägen jeden Schritt. Die Uni wie auch die Kirche sind die ältesten Neuseelands.
Sie haben damals mächtig in ihren Bahnhof investiert, sodass er ein echtes Schmuckstück ist - es ist kein Schloss auf den Bildern: es ist der Bahnhof!
Ich genoss das Settlement-Museum, das sie sehr gut aufbereitet hatten, um zu verstehen, was es damals bedeutete, aus Europa hier her auszuwandern.
Gestern Nachmittag und Abend schloss ich mich einer kleinen netten Gruppe an, um die Otago-Halbinsel zu erkunden. Dort steht das einzige Schloss Neuseelands : Lanarch Castle.
Am nördlichsten Ende der Halbinsel, unterhalb des Leuchtturms, lebt eine Albatross-Kolonie. Ebenso ist dort eine kleine Aufzuchtstation für zu kleine Pinguine wo sie etwa zwei Wochen aufgepeppelt werden, um zurück in die Natur entlassen zu werden. Im Süden Neuseelands leben sechs Arten von Pinguinen.
Und dort leben sehr viele Seelöwen und Robben.
Die mächtigen Königsalbatrosse beeindrucken wirklich!
Sie segelten mit ihrer Flugelspanne von drei Metern über uns im Wind. Sie sind extrem gute Flieger und fliegen bis zu 115km/h und tausend km am Stück. Die Vögel verbringen die ersten 4-6 Lebensjahre auf See und kehren zur Brut an Land, in dem Fall nach Dunedin, zurück.
Wir sahen Pinguine im Meer jagen und einen Gelbaugenpinguin am Strand im Freien.
Und natürlich beobachteten wir die mächtigen Seelöwen, wie sie sich am Strand oder in der Wiese räkeln und einfach chillen. So waren die spielenden Babys echt lustig, die wir zufällig am Weg zur Bucht entdeckten!
Der zweite Abend klang wieder mit Gitarre, singen, essen und lustigem Beisammensein aus.
Nach allen Aussichtspunkten, Kunstgalerien, Museen und Touristen- Hotspots in Dunedin kann es nun per Intercity Bus nach Christchurch gehen. Die Fahrt braucht sieben Stunden. Die Zeit vergeht wie im Flug: dort sitzen drei weitere Wanderer, die den TA gelaufen sind.
Vagabunden- Leben hat schon was. Es gibt sooooo viel zu erzählen!Okumaya devam et
Last but not least
19 Mart, Yeni Zelanda ⋅ ⛅ 14 °C
Zum Abschluss möchte ich mich noch für den tollen Support meiner lieben Rosi bedanken! Sie hat mich immer treu begleitet, wenn es um Ausrüstung, Finanzfragen oder technische Details ging 😊
Auch bei meinem liebsten Marcel, der alle meine Träume und Spinnereien tapfer mit trägt! 😘
Und dann möchte ich mich noch bei euch allen Mitlesenden bedanken, dass Ihr quasi mit mir mit gereist seid.
Das Tagebuch war eigentlich für mich selbst und die engere Familie gedacht-
und es war eine schöne Überraschung, wie viele plötzlich zur Familie gehörten!
Danke, dass Ihr dazu beigetragen habt, dass es eine solch bunte und schöne Reise wurde!
Die Stadt Christchurch hat alles zu bieten, was man sich so wünschen kann. Ich habe alles mitgenommen, was geht in fünf Tagen! Tatsächlich habe ich drei meiner Radl-freunde wieder getroffen, die ich lange verschollen glaubte.
Zwei Wanderungen auf den Cashmere Hills, Antarktis-Center, Stadtgeschichte mit dem Wiederaufbau nach dem Erdbeben 2011, Stadtflair, St. Patrics Day, Museum, Art Gallery, Botanischer Garten, Strand, beinahe alle Pubs und so weiter und so fort...
Nun geht es über den riesigen großen Ozean zurück über San Francisco und Frankfurt nach Unitz!Okumaya devam et

GezginDanke für's mitnehmen. Schön war's und Respekt vor der Leistung 👍🏽. Gute Heimreise 🙋🏽.






















































































Erhole Dich gut für Deine letzte Radetappe Friederike. Ich vermute, Dir ist auch etwas wehmütig ums Herz, diese grandiose Landschaft und herzlichen Menschen zurückzulassen. Aber wir freuen uns, wenn Du wieder hier bist und mit uns in den Bayreuther Frühling radelst. [Peter]