Land & Liebe
January 1, 2025 in India ⋅ ☀️ 19 °C
Am nächsten Morgen starte ich voller Vorfreude, springe in einen Bus und mache mich auf den Weg ins ländliche Indien. Die Fahrt soll zwei Stunden dauern – zumindest in der Theorie. Doch die Busse hier sind eigenwillig. In meinem Fall wird kurzerhand die Strecke geändert, ich verpasse meinen Stopp und statt an meinem geplanten Ziel zu landen, finde ich mich in einer völlig anderen Kleinstadt wieder. Etwas genervt bleibt mir nichts anderes übrig, als den nächsten Bus zurück zu nehmen.
Bitte keine Öffis mehr
Wieder angekommen, entscheide ich mich für Plan B: Ich miete mir einen Roller. "Bist du wahnsinnig? In Indien zu fahren?", höre ich einige von euch vielleicht denken. Und jo, die Straßen hier sind chaotisch, die Regeln? Praktisch nicht existent. Doch wenn man genauer hinschaut, merkt man: Es gibt eine unausgesprochene Ordnung, ein Miteinander, das irgendwie funktioniert. Es ist wie ein Fußballspiel ohne Schiedsrichter – chaotisch, aber alle passen aufeinander auf, damit niemand ernsthaft verletzt wird.
Mit dem Roller - übrigens geliehen mit drei Geldscheinen und per Handschlag - ohne Vertrag oder Übergabeprotokoll - erkunde ich die nächsten zwei Tage das nordöstliche Hinterland von Rajasthan, auch bekannt als Shekhavati. Die Landschaft ist ruhig, das Leben hier entspannt, und die Sehenswürdigkeiten quasi nicht existent. Es gibt einige Havelis, alte Handelshäuser mit beeindruckenden Wandmalereien. Sie wirken wie kleine, in die Jahre gekommene Schlösser – ein Hauch von vergangener Pracht in der ich die letzte Nacht auch verbringe.
Doch das Highlight meiner Reise ist nicht das, was ich sehe, sondern das, was ich erlebe: authentische Begegnungen und das echte Leben jenseits der Stadt. Eine typische Szene, die ich hier immer wieder erlebe, möchte ich euch erzählen.
Begegnungen
Es beginnt stets gleich: Zuerst werde ich von den Menschen fragend angestarrt. Dann laden mich ein paar Männer freundlich ans Feuer ein – die Nächte und Morgen sind hier wirklich kalt – und kaum habe ich mich hingesetzt, halte ich schon eine dampfende Tasse Masala-Chai in den Händen. Einer der Männer kann ein wenig Englisch und stellt die unvermeidlichen Fragen: "Woher kommst du?", "Bist du verheiratet?", "Hast du Kinder?", "Was arbeitest du?". Die Gespräche sind simpel, aber herzlich. Und wenn es nichts mehr zu sagen gibt, bedanke ich mich, verabschiede mich und fahre weiter. Es ist nicht tiefgründig, aber genau das macht es aus: die Freude der Menschen über den kurzen Austausch und das Gefühl, willkommen zu sein.
Eine andere Begegnung bleibt mir besonders im Gedächtnis. Mitten auf der Autobahn halten mich zwei Männer auf einem Motorrad während der Fahrt mit Handzeichen an. Im ersten Moment schießt mir ein negativer Gedanke durch den Kopf: "Was wollen die wohl?" Doch es ist nichts Beunruhigendes, ganz im Gegenteil. Sie wollen nur ein paar Worte wechseln, sich unterhalten, und am Ende wird natürlich ein obligatorisches Selfie gemacht, bevor jeder wieder seiner Wege fährt.
Diese Momente sind wunderbar, auch wenn sie anstrengend sein können. Aber genau dafür bin ich hier. Am Ende werde ich von den Jungs des Rollerverleihs noch zum Bus gefahren.
Und jetzt? Jetzt freue ich mich sehr auf das Meer.Read more















TravelerLieber Daniel, mit riesigem Interesse verfolge ich deinen wunderbaren Reiseblog. Vielen Dank fürs Mitreisen dürfen und weiterhin eine schöne Zeit 🙋🏼♀️liebe Grüße aus dem kalten Überlingen von Bettina
TravelerLiebe Bettina, das freut mich sehr. Bis bald, dann gerne zu wärmen Temperaturen.
Wow liebich richtiger Reise Blogger 🤩🙌 viel Spaß noch und bis bald wieder am See, LG Caro [Emanuel Endres]