• Zwischen Geschichte und Gegenwart

    September 5 in Svalbard and Jan Mayen ⋅ ☁️ 2 °C

    Spitzbergen ist nicht nur eine faszinierende Welt aus Eis, Bergen und unberührter Natur. Die Inselgruppe ist auch politisch ein ganz besonderer Ort.
    Grundlage dafür ist der Spitzbergenvertrag von 1920. Er erkennt die Souveränität Norwegens über Spitzbergen an, garantiert aber gleichzeitig den Bürgern der Vertragsstaaten gleiche Rechte bei bestimmten wirtschaftlichen Aktivitäten. So entstand hier eine ungewöhnliche Situation: Norwegen verwaltet den Archipel und gleichzeitig gibt es bis heute eine russische Präsenz.
    Das deutlichste Beispiel ist Barentsburg, die russische Siedlung am Grønfjorden. Dort leben noch immer mehrere hundert Menschen. Doch seit dem russischen Angriff auf die Ukraine ist das Verhältnis zwischen Norwegen und Russland auch auf Spitzbergen deutlich angespannter.
    Und ausgerechnet während unserer Reise verschärft sich die Situation weiter: Am 2. September 2026 ließ der Gouverneur ein russisches Expeditionsschiff, die „Professor Molchanov“ im Hafen von Barentsburg beschlagnahmen. Hintergrund ist ein norwegisches Gerichtsurteil zugunsten des ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz. Russland protestiert dagegen heftig.
    Wir selbst bekommen von dieser politischen Spannung allerdings nur wenig mit. Unser Spitzbergen-Erlebnis spielt sich heute ganz woanders ab.
    Mit den Zodiacs geht es nach Eolusneset. An Land entdecken wir Spuren der Vergangenheit, Gräber und historische Überreste, mitten in einer Landschaft, die ansonsten fast menschenleer wirkt.
    Später landen wir bei Crozierpynten. Hier scheint die Landschaft auf den ersten Blick karg und lebensfeindlich. Doch bei genauerem Hinsehen entdecken wir Moose, Flechten und kleine arktische Pflanzen zwischen den Felsen. Auch Rentiere und mit etwas Glück ein Polarfuchs sind hier zu Hause.
    Es ist ein eigenartiges Gefühl: Während sich in Barentsburg gerade internationale Politik und Geschichte zuspitzen, stehen wir wenige Kilometer entfernt in einer scheinbar endlosen Wildnis.
    Spitzbergen zeigt uns einmal mehr, dass die Arktis nicht nur aus Eis besteht, sondern auch aus Geschichte, Politik und einer Gegenwart, die gerade wieder ziemlich spannend wird.
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