• Titzis on Tour
  • Sabine Titz
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  • Sabine Titz

Eisbären, Walrosse & arktisches Eis

Spitzbergen – vielleicht der letzte Ort wahrer Stille auf Erden, wo mächtige Gletscher ins Meer kalben und Eisbären lautlos durch die endlose arktische Weite ziehen. Read more
  • Trip start
    August 31, 2026

    Prolog

    August 31 in Germany ⋅ 🌬 21 °C

    Du musst dir schon selbst Konfetti ins Leben pusten.
    Nur manchmal ist dieses Konfetti allerdings nicht bunt, sondern weiß. Es knirscht unter den Stiefeln, fällt als Schnee vom Himmel und bringt Temperaturen mit sich, bei denen man sich fragt, warum man freiwillig das Warme verlässt.

    Genau so erfüllen wir uns einen Traum, der schon lange in uns gereift ist. Uns haben nie Orte mit Liegestühlen in Reih und Glied gereizt. Es sind die rauen, ursprünglichen Landschaften, in denen die Natur die Hauptrolle spielt.

    Für Sabine gibt es dabei einen besonderen Herzenswunsch: Eisbären in freier Wildbahn zu sehen und zwar dort, wo sie zu Hause sind und wir nur Gäste auf Zeit.

    Natürlich begann alles mit dem berühmten Satz: „Wir schauen einfach mal.“ Aus ein bisschen stöbern wurden Abende voller Karten und Recherchen und die Sehnsucht wurde immer größer.
    Also starten wir zu einer Expedition rund um Spitzbergen und hoffen auf Wale, Robben, Polarfüchse, sowie natürlich auf den König der Arktis. Und wenn der Eisbär gerade woanders unterwegs ist, bleibt immer noch eine Landschaft, die wir nicht einfach besuchen, sondern erleben wollen.
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  • Und plötzlich ist Schluss mit Fliegen

    August 31 in Germany ⋅ ☁️ 21 °C

    Eigentlich sollte heute unser Abenteuer beginnen.
    Vier Stunden Flug von Hannover nach Spitzbergen, Landung in Longyearbyen und dann endlich raus in die Arktis.
    Doch Spitzbergen hat offenbar andere Pläne. Wegen des schlechten Wetters können wir nicht landen und sitzen nun wieder in Hannover fest.
    Das heißt warten im Flughafenhotel.
    Auch das Krisenmanagement von Hapag-Lloyd macht die Situation nicht gerade besser – Informationen kommen eher spärlich und vieles bleibt unklar.
    Wir hoffen auf den nächsten Versuch morgen früh.
    Noch sind wir zuversichtlich.
    Aber eines ist klar: So hatten wir uns den Start nicht vorgestellt.
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  • Longyearbyen

    September 1 in Svalbard and Jan Mayen ⋅ 🌫 8 °C

    Gestern um 22:13 Uhr fiel die Entscheidung, wir fliegen.
    Also heute alles auf Anfang: gleiche Maschine, gleicher Sitz, gleiche Zeit. Da der Wetterforecast unverändert ist, bleibt der Grund für die gestrige Verzögerung für uns völlig unklar.
    Doch dann, nach 31/2 Stunden Flugzeit, liegt Spitzbergen plötzlich unter uns. In Wolken verhüllt, grau, regnerisch und irgendwie unwirklich landen wir auf dem 78. Breitengrad.
    Wir sind angekommen in Longyearbyen, dem Tor zu einer Welt, das wir bisher vor allem aus Dokumentationen und Büchern kennen.
    Wir sehen steile, karge Berge, und eine Landschaft, die komplett in Watte gehüllt ist. Selbst die bunten Häuser setzen bei dem Wetter keine Farbtupfer. Überall erinnern alte Förderanlagen und Seilbahnmasten an die Zeit des Kohlebergbaus.
    Natürlich fahren wir auch am Global Seed Vault vorbei. Tief im Berg lagern Samen aus aller Welt – eine Art Sicherheitskopie für die Zukunft.
    Doch außerhalb von Longyearbyen gelten andere Regeln. Hier sind wir Gäste in einer Welt, in der der Eisbär ganz oben in der Nahrungskette steht. Warnschilder erinnern uns daran: Ohne bewaffneten Guide geht hier draußen niemand spazieren.
    Longyearbyen ist für uns nur der Anfang. Von hier aus wird uns die HANSEATIC hinaus in die Weite der Arktis bringen – immer weiter nach Norden.
    Noch wissen wir nicht, was uns erwartet.
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  • Ny Alesund

    September 1 in Svalbard and Jan Mayen ⋅ 🌫 6 °C

    Um 21.00 Uhr verlassen wir Longyearbyen und nehmen Kurs auf Ny Ålesund, ein Zentrum der Polarforschung. Der Ort gilt als die nördlichste Siedlung der Erde. Im Winter Leben um die 30 und im Sommer bis zu 200 Forscher hier. Bereits vor der Anfahrt des kleinen Ortes wird das bordeigene W -LAN deaktiviert und auch unsere Handys müssen beim Landgang deaktiviert sein, um die wissenschaftliche Arbeit nicht zu stören. Es gibt eine deutsche Forschungsstation, die vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven betrieben wird. Hier oben wird an 4 Bereichen geforscht: Atmosphärenforschung, Marine Studien, Landbezogene Forschung und Untersuchung von Schnee und Eis.
    My Ålesund war bereits vor 100 Jahren Ausgangspunkt vieler Polarexpeditionen. Schon 1926 überflogen Amundsen und sein Konstukteur Nobile erstmalig den Nordpol. Der Mast, an dem die Luftschiffe starteten, gehört neben dem nördlichsten Postamt zu den touristischen Attraktionen.
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  • Zwischen Eis und Feuer

    September 3 in Svalbard and Jan Mayen ⋅ ❄️ 3 °C

    Der Tag endete gestern mit Sichtung von Delfinen und Walen.
    Heute Morgen beim Aufwachen gleich Gänsehaut pur, denn die Einfahrt in den Liefdefjord ist spektakulär. Babycrowler treiben uns entgegen, auf denen Robben liegen und am Horizont wird der Monacogletscher von Minute von Minute mächtiger. Hier einmal die Dimensionen: 7km breit, 100m hoch und 40km reicht er ins Land.
    Bevor wir mit den Zodiacs hinaus in die arktische Landschaft dürfen, steht an Bord erst einmal eine gründliche Einweisung auf dem Programm.
    Expeditionsleiter Heinz erklärt uns worauf es in der Arktis ankommt – vom richtigen Verhalten im Zodiac bis zu den Sicherheitsregeln an Land. Und er weiß wovon er spricht: Heinz lebt in Longyearbyen, kennt die Besonderheiten dieser extremen Region aus eigener Erfahrung und war selbst schon zu Fuß am Nordpol.
    Spätestens jetzt merken wir: Eine Expedition in die Arktis ist kein gewöhnlicher Ausflug. Hier steht Sicherheit immer an erster Stelle.
    Nasse Anlandung in Jotunkjelde: Am Nachmittag heißt es Gummistiefel an und ab durchs seichte Wasser an Land! Das Ziel sind die heißen Quellen, die mit 20 bis 30 Grad die kühle Landschaft erwärmen. Dieses warme Thermalwasser schafft eine Oase mitten in der Wildnis und sorgt für einen ungewöhnlichen Lebensraum für Moose, Algen und Mikroorganismen.
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  • Packeis und der König

    September 4, Arktischer Ozean ⋅ ☁️ 0 °C

    Wir besuchen die Insel Chermsideøya, nordwestlich von Nordaustland, etwa 14 bis 20 Quadratkilometer groß.
Das war der Plan.
    Doch was gibt es hier eigentlich zu sehen? Geoglyphen!
    Große Figuren und Symbole, die in die Landschaft eingearbeitet sind und sich oft erst aus der Luft richtig erkennen lassen. Auf Chermsideøya sind sie etwas kleiner und ganz anders, als man zunächst denkt: Worte, mit Steinen gelegt vor mehr als hundert Jahren.
    Doch dann kommt plötzlich alles anders. Unsere Eisbärenwächter entdecken drei Eisbären direkt an der Wasserkante. Sie sind mit einem Kadaver beschäftigt. Sofort ist die Insel vergessen. Geoglyphen interessieren gerade niemanden mehr.
    Auch wir sind völlig aufgeregt und vergessen das Frühstück. Die Zodiacs bringen uns natürlich mit ausreichend Sicherheitsabstand immer näher an dieses unglaubliche Schauspiel und mittendrin Sabine mit einem glückseligen Lächeln im Gesicht. Ihr Eisbärentraum ist gerade wahr geworden.
    Und während wir noch versuchen zu begreifen, was wir gerade erlebt haben, startet die Hanseatic schon zum nächsten Abenteuer direkt ins Packeis. Dank ihrer Eisklasse kann sich unser Schiff durch das lose Treibeis schieben. Eisschollen knirschen am Rumpf, brechen auseinander und treiben wieder zusammen. Robben liegen auf den Eisschollen und es sind viele Möven in der Luft. Was für ein Tag.
    Wir hören spannende Berichte von unserem Expeditionsleiter, der selbst zu Fuß in 50 Tagen über 800 km bis zum Nordpool gelaufen ist. Der Energieverbrauch lag pro Tag bei bis zu 12000 Kalorien. Unglaublich

    Unser nördlichster Punkt ist erreicht. Von hier sind es nur noch 931 km bis zum Nordpol!
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  • Zwischen Geschichte und Gegenwart

    September 5 in Svalbard and Jan Mayen ⋅ ☁️ 2 °C

    Spitzbergen ist nicht nur eine faszinierende Welt aus Eis, Bergen und unberührter Natur. Die Inselgruppe ist auch politisch ein ganz besonderer Ort.
    Grundlage dafür ist der Spitzbergenvertrag von 1920. Er erkennt die Souveränität Norwegens über Spitzbergen an, garantiert aber gleichzeitig den Bürgern der Vertragsstaaten gleiche Rechte bei bestimmten wirtschaftlichen Aktivitäten. So entstand hier eine ungewöhnliche Situation: Norwegen verwaltet den Archipel und gleichzeitig gibt es bis heute eine russische Präsenz.
    Das deutlichste Beispiel ist Barentsburg, die russische Siedlung am Grønfjorden. Dort leben noch immer mehrere hundert Menschen. Doch seit dem russischen Angriff auf die Ukraine ist das Verhältnis zwischen Norwegen und Russland auch auf Spitzbergen deutlich angespannter.
    Und ausgerechnet während unserer Reise verschärft sich die Situation weiter: Am 2. September 2026 ließ der Gouverneur ein russisches Expeditionsschiff, die „Professor Molchanov“ im Hafen von Barentsburg beschlagnahmen. Hintergrund ist ein norwegisches Gerichtsurteil zugunsten des ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz. Russland protestiert dagegen heftig.
    Wir selbst bekommen von dieser politischen Spannung allerdings nur wenig mit. Unser Spitzbergen-Erlebnis spielt sich heute ganz woanders ab.
    Mit den Zodiacs geht es nach Eolusneset. An Land entdecken wir Spuren der Vergangenheit, Gräber und historische Überreste, mitten in einer Landschaft, die ansonsten fast menschenleer wirkt.
    Später landen wir bei Crozierpynten. Hier scheint die Landschaft auf den ersten Blick karg und lebensfeindlich. Doch bei genauerem Hinsehen entdecken wir Moose, Flechten und kleine arktische Pflanzen zwischen den Felsen. Auch Rentiere und mit etwas Glück ein Polarfuchs sind hier zu Hause.
    Es ist ein eigenartiges Gefühl: Während sich in Barentsburg gerade internationale Politik und Geschichte zuspitzen, stehen wir wenige Kilometer entfernt in einer scheinbar endlosen Wildnis.
    Spitzbergen zeigt uns einmal mehr, dass die Arktis nicht nur aus Eis besteht, sondern auch aus Geschichte, Politik und einer Gegenwart, die gerade wieder ziemlich spannend wird.
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  • Tundra und Gletschereis

    September 6 in Svalbard and Jan Mayen ⋅ ☁️ 0 °C

    Der Tag beginnt in Palanderbukta. Mit dem Zodiac erreichen wir die Küste und machen uns auf zu einer kleinen Wanderung durch die arktische Tundra.
    Auf den ersten Blick wirkt die Landschaft karg und fast leblos. Doch je genauer wir hinschauen, desto mehr entdecken wir. Moose, Flechten und kleine Pflanzen nutzen den kurzen arktischen Sommer. Dahinter erheben sich die gewaltigen Gletscherflächen von Nordaustlandet. Tundra und Gletschereis liegen hier unmittelbar nebeneinander.
    Doch unser eigentliches Highlight wartet noch. Am Nachmittag erreichen wir Torellneset. Schon von Weitem erkennen wir Bewegung am Strand. Und dann liegen sie vor uns: Walrosse.
    Massig, beeindruckend und erstaunlich entspannt liegen die Tiere dicht an dicht auf dem Kies. Manche schlafen, andere richten neugierig ihre Köpfe auf. Im Wasser zeigen die gewaltigen Tiere eine ganz andere Seite. Plötzlich wirken sie überraschend elegant und wendig. Wir bleiben auf Abstand und genießen diesen besonderen Moment.
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  • Eisbärenwächter

    September 7 in Svalbard and Jan Mayen ⋅ ☁️ 3 °C

    Eisbären können uns bei jeder Anlandung gefährlich werden. Bevor wir das Schiff verlassen, ist eine perfekte Absicherung des Geländes Pflicht. Bei unseren Landgängen werden wir von sieben bewaffneten Eisbärenwächtern abgesichert, die sich rund um die Gruppe verteilen und ständig Ausschau halten nach Bewegungen in der Landschaft.
    Zusätzlich patrouilliert ein Zodiac vor der Küste. Auch an Bord bleibt man aufmerksam. Von der Brücke aus wird die Umgebung mit Ferngläsern überwacht.
    Die Eisbären sind perfekt an ihre Umgebung angepasst. Ihr helles Fell macht sie in der Landschaft nahezu unsichtbar und ihre enorme Körpergröße lässt erahnen, welche Kraft in diesen Tieren steckt.

    Unsere letzte Fahrt mit den Zodiac führt uns zum Negribreen. Welch eine Kulisse. Wir sind umringt von Eisbergen und jeder hat seine eigene Form und Farbe. Es eröffnen sich immer wieder neue Perspektiven. Letztendlich sind wir nur noch am staunen!
    Unsere Zeit auf Swalbard geht zu Ende, aber unsere Reise noch lange nicht. Vor uns liegen erst einmal 800 km bis zum Nordkap.
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  • 15000 PS

    September 8, Barentssee ⋅ 🌬 5 °C

    Windstärke sechs bis sieben und über zwei Meter hohe Wellen. Die Hanseatic stampft durch die See mit einem südlichen Kurs.
    Wir genießen diesen Seetag.
    Nach Tagen voller Spannung, früher Starts, Zodiacfahrten, Landgängen, dem ständigen An- und Ausziehen der Expeditionskleidung und der Suche nach dem nächsten arktischen Highlight ist plötzlich Zeit zum Durchatmen. Wir lassen uns treiben und merken wie gut diese Pause tut. Langsam wechseln wir vom Expeditionsmodus in den Kreuzfahrtmodus. Das Bordleben mit einer traditionellen Pølserparty am Pool wird zum Erlebnis. Gemütlich zusammensitzen, erzählen und die vergangenen Tage Revue passieren lassen.
    Doch ganz ohne Abenteuer geht es natürlich auch heute nicht.
    Wir dürfen hinter die Kulissen der Hanseatic schauen und die Maschinenanlage besichtigen. 15.000 PS arbeiten tief im Bauch des Schiffes. Eine gewaltige Kraft, die uns durch diese rauen Gewässer bringt. Dieses Schiff ist nicht nur eine schwimmende Maschine, sondern das Zusammenspiel unzähliger intelligenter Systeme.
    Besonders das gestriges Highlight, der Negribreen, lässt uns noch nicht los. Die Bilder, die Eindrücke, diese gewaltige Gletscherwelt. Erst heute ist unser Film dazu fertig geworden und so erleben wir den gestrigen Tag gleich noch einmal, diesmal auf dem Bildschirm.
    Draußen zieht die See vorbei. Der Wind rüttelt am Schiff. Hinter uns verschwindet langsam die Arktis und vor uns liegt das norwegische Festland.
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  • Wo die Barentssee endet

    September 9 in Norway ⋅ 🌧 11 °C

    Die Barentssee ist heute unser Wegweiser zum Nordkap. Wind und Wellen machen die Überfahrt rau, Regen zieht über das Meer und alles liegt grau in grau.
    Nach über einer Woche auf See sind wir wieder einmal im Hafen. In Honningsvåg verlassen wir die Hanseatic und setzen unsere Reise an Land fort. Rund 34 Kilometer liegen vor uns, unzählige Serpentinen führen immer weiter hinauf auf das Nordkapplateau. Doch je höher wir kommen, desto schlechter wird die Sicht. Wir fahren nicht einfach zu einem Aussichtspunkt. Wir fahren hinaus an den Rand Europas. Vor uns liegt das Nordkap, 307 Meter über der Barentssee. Eigentlich, denn viel können wir nicht erkennen. Regen und Wind peitschen uns ins Gesicht.
    Ein kurzer Sprint zum berühmten Globus, schnell ein Foto, dann nichts wie zurück ins Trockene.
    Das Informationscenter erweist sich heute als wahrer Zufluchtsort. Warm, trocken und mit großen Fenstern hinaus auf eine Landschaft, die wir draußen kaum erkennen können.
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  • Damit alles läuft

    September 10 in Norway ⋅ ☁️ 10 °C

    Zehn Tage sind wir nun unterwegs. Zehn Tage auf See, weit draußen in der Arktis. Und dabei ist etwas passiert, das wir am Anfang kaum erwartet hätten: Die HANSEATIC ist zu unserem Zuhause geworden.

    Dafür sorgen 173 Crewmitglieder. Sie kümmern sich um Service, Küche und Technik, organisieren im Hintergrund die Abläufe und sorgen gemeinsam mit dem Kapitän dafür, dass das Schiff sicher seinen Kurs hält. Viele arbeiten sichtbar, andere bleiben im Hintergrund. Doch erst ihr Zusammenspiel macht diese Reise zu dem was sie ist: eine schwimmende Wohlfühloase.

    Heute erreichen wir Tromsø, die erste größere Stadt im Norden. Nach zehn Tagen Expedition wirkt selbst eine Stadt plötzlich ungewohnt vertraut. Wir verlassen unser schwimmendes Zuhause und erkunden die Highlights von Tromsø zu Fuß.
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  • Tausende Zacken

    September 11 in Norway ⋅ ☁️ 12 °C

    Heute bei Kaiserwetter wieder eine andere Welt.
    Die Lofoten und mittendrin Svolvær.
    Schon die Einfahrt ist spektakulär. Steile Felswände ragen direkt aus dem Meer, kleine Inseln und Schären begleiten unseren Weg. Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch, nur dass sie sich tatsächlich vor uns ausbreitet.
    Vom Schiff aus fällt der markante Zwillingsgipfel Svolværgeita ins Auge. Wie zwei steinerne Hörner ragt er über den Ort und wird zum Wahrzeichen der Landschaft.

    Ein Abstecher führt uns nach Henningsvær, einem der wohl schönsten Fischerdörfer der Lofoten. Auf mehreren kleinen Inseln verteilt und durch Brücken verbunden, wirkt der Ort wie ein Postkartenmotiv. Rote Fischerhäuser, Boote und enge Kanäle bestimmen das Bild. Hier stapeln sich die Fotomotive und die steilen Berge bilden die perfekte Kulisse. Ein Ort, dessen Szenerie man so schnell nicht vergisst.
    Die Lofoten sind keine Landschaft der großen Entfernungen. Hier liegen Berge, Meer und Dörfer dicht beieinander und genau das macht ihren besonderen Reiz aus.
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  • Mut zur Lücke

    September 12 in Norway ⋅ 🌬 15 °C

    Noch einmal heißt es: raus aus dem Schiff und rein ins Zodiac. Unser Ziel liegt direkt vor uns: der Torghatten, Norwegens wohl ungewöhnlichster Berg. Vom Wasser aus wirkt der Fels zunächst wie eine mächtige Wand. Doch je näher wir kommen, desto deutlicher wird das berühmte Loch: ein gewaltiges Fenster, rund 35 Meter hoch. An Land gehen wir heute nicht. Stattdessen erleben wir den Torghatten vom Wasser aus, bevor die HANSEATIC durch die Schären weiterzieht. Zwischen kleinen Inseln und schroffen Felsen schlängelt sie sich durch ein natürliches Labyrinth. Hinter jeder Kurve wartet ein neuer Blick auf Norwegens wilde Küste. Die heutige lange Fahrt in Richtung Geirangerfjord wird alles andere als langweilig. Geologen und Biologen nehmen uns mit in ihre Welt. Besonders faszinierend ist der Blick durchs Mikroskop: Plankton, winzig und doch erstaunlich vielfältig, in 500 facher Vergrößerung . So vergeht der Tag zwischen Wissen, Entdeckungen und immer neuen Ausblicken wie im Flug.Read more

  • Bekannt und doch ganz anders

    September 13 in Norway ⋅ ☁️ 8 °C

    Bei Windstärke 10 und über drei Meter Welle geht es in der Nacht Richtung Geiranger. Schon zum zweiten Mal, etwas das wir vor zwölf Monaten niemals gedacht hätten.

    Am Morgen bricht die Sonne durch die Wolken. Über den steilen Felswänden ziehen Wasserfälle ihre weißen Spuren hinunter ins Tal. Was für eine unglaubliche Landschaft!

    Schon im letzten Jahr haben wir den kleinen Twizy ins Herz geschlossen. Diesmal geht es mit dem besonderen Gefährt hinauf zu den Adlerkehren. Kurve für Kurve schrauben wir uns höher. Und je höher wir kommen, desto spektakulärer wird der Blick zurück in den Fjord.
    Tief unten liegt die HANSEATIC inzwischen fast wie ein Spielzeug zwischen den gewaltigen Bergen. Ein ungewohnter Perspektivwechsel und gerade deshalb ein ganz besonderer Blick auf einen Fjord, den wir eigentlich schon kennen.
    Zweimal hier gewesen und trotzdem kein bisschen dasselbe.
    An Bord ist es nicht so das nur wissenschaftliche Vorträge im Mittelpunkt stehen, auch für Unterhaltung ist gesorgt. Egal ob die „Nature Crew Band“ spielt, Officers Cocktail Shaken angesagt ist oder wie heute Abend ein Sail-Away-Cocktail gereicht wird. Für gute, ausgelassene und fast familiäre Stimmung ist jeden Abend gesorgt.
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  • Zwischen Graffiti und Bergsee

    September 14 in Norway ⋅ ☁️ 12 °C

    Måløy, die kleine Stadt am Nordfjord, überrascht uns gleich mit einem Farbtupfer. An den Hauswänden leuchtet farbenfrohe Streetart. Große Wandbilder bringen Leben in die Hafenstadt und bilden einen spannenden Kontrast zur rauen Schärenlandschaft.
    Dann wechseln wir die Perspektive und steigen hinauf zum Skramsvatnet, einem natürlichen Bergsee, der zur Trinkwasserversorgung dient. Komoot weist uns den Weg und der hat es in sich. Mal ordentlich gestriegelt und gut ausgebaut, dann plötzlich wieder über Stock und Stein, über Felsen und Wurzeln.
    Oben wird es still. Der See liegt ruhig zwischen den Bergen, während tief unter uns Måløy und das Meer zurückbleiben. Ein kleiner Aufstieg, aber ein erstaunlicher Wechsel der Landschaft.
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  • Regen

    September 15 in Norway ⋅ ☁️ 15 °C

    Als letzter Reisetag hätte man sich eigentlich etwas anderes gewünscht. Doch der Himmel macht uns einen Strich durch die Rechnung, denn der letzte Tag fällt buchstäblich ins Wasser.
    Statt entspannt durch Stavanger zu schlendern, ziehen wir nur kurz die Kapuze hoch und spannen den Regenschirm auf. Die Straßen glänzen nass, die Menschen verschwinden unter Schirmen und selbst die sonst so freundlichen weißen Häuser wirken im grauen Licht ein wenig melancholisch.
    Eigentlich unfair. Gerade am letzten Tag zeigt sich Stavanger von seiner trübsten Seite. Aber vielleicht gehört auch das zu einer Reise. Nicht jeder Tag kann Postkartenwetter sein und so verabschieden wir uns mit nassen Schuhen, einem letzten Blick auf die Stadt und mit der Gewissheit : „Schön war’s trotzdem.“
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  • Epilog

    September 16, Nordsee ⋅ 🌬 18 °C

    Noch einmal stehen wir am Bug der HANSEATIC. Unter uns schaukelt das Schiff sanft im leichten Wellengang. Hinter uns liegen 17 Tage voller Bilder, Begegnungen und Augenblicke, die wir wohl noch lange in uns tragen werden.

    Während wir auf die Nordsee schauen, lassen wir die Reise noch einmal Revue passieren. Es waren die abgelegenen Orte im hohen Norden, die nur mit einem Expeditionsschiff erreichbar sind. Die gewaltigen Landschaften, die Begegnungen mit der Natur und die Momente, mit denen wir so nicht gerechnet hatten. Aber vor allem waren es die vielen kleinen und großen Augenblicke, die wir miteinander erlebt haben.

    Seit 45 Jahren gehen wir nun schon gemeinsam durchs Leben. Wir haben gelacht, gestaunt, Pläne gemacht, Pläne wieder geändert und so manches Abenteuer erlebt. Und vielleicht ist genau das unser größtes Glück, dass wir all diese Wege gemeinsam gehen.

    17 Tage gehen zu Ende.
    Doch eigentlich fühlt es sich gar nicht nach einem Ende an.
    Eher wie eine kleine Pause, bevor das nächste Abenteuer beginnt.
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    Trip end
    September 17, 2026