• Pont Aven

    26 Agustus, Perancis ⋅ 🌙 17 °C

    Das war heute unser Ziel. Wir wollten eine kleine Wanderung unternehmen und hatten bei Komoot nach etwas Passendem in der Nähe gesucht. 6km von uns liegt das bekannte Pont Aven, die Stadt der Maler. Die Wegbeschreibung nebst Anfahrt in der Komoot-App war perfekt. Beeindruckend auch die Navigation. Das Telefon in der Tasche ließ es sich mit den präzisen Ansagen aus der Hosentasche entspannt gehen. Bereits nach kurzer Zeit auf den Bürgersteigen von Nizon verschwanden wir in einem grünen Tunnel. Links und rechts säumten die typischen Erdwälle (Talus) den schmalen Weg. Alva war ziemlich aufgeregt, weil es überall duftete. Nach ca. 2 km vor uns plötzlich Hundegebell. Der Weg war keinen Meter breit und ich sah zwei schwarze Epagnol Breton, die typischen Jagdhunde , vor mir. Irgendwie schienen sie freundlich, aber ohne Leine war mir die Sache unheimlich. Plötzlich ein junger Mann vor mir, der mir erklärte, ich müsse mir keine Sorgen machen, die seien friedlich. Warum aber dann die Ketten, mit denen die Hunde per Erdanker fixiert wurden? Ich hatte vorsichtshalber schon einen dicken Holzknüppel in der Hand. Also Meldung nach hinten zu Kathrin und Alva, dass sie kommen können.

    Der eine Mann verschwand im Gebüsch und als ich in die Richtung blickte, sah ich mindestens 50 weiße Transporter und Wohnanhänger. Der temporäre Wohnort einer Vielzahl von Sinti /Roma hier „ Gens du Voyage“ genannt. Die angeketteten Hunde waren die Wachhunde und etwas hinter dem Erdanker waren zwei kleine Hundehütten zu sehen. So langsam kam Alva näher und alle drei Hunde fingen munter an zu Bellen. Was den nächsten Mann auf den Plan rief, der mir sehr freundlich erklärte, dass wir und unser Hund nichts zu befürchten hätten. Kathrin zog die sehr aufgeregte Alva an den beiden Hunden vorbei und wir konnten weitergehen. Nach Pont Aven hinunter führt ein kleiner Weg mit vielen Treppen. Sehr pittoresk. Die kleine Stadt wimmelte von Touristen ( wie uns). Dennoch hatte Alva Spaß daran sich unmittelbar neben der Brücke im Aven zu baden. Dann ging es durch den Bois d‘Amour in dem sich im 19. Jahrhundert die Maler trafen. Eine wirkliche Idylle: der Fluss plätschert leise, große Granitfelsen säumen den Weg und je weiter man sich von der geschäftigen Stadt entfernt, umso einsamer kann man hier die Natur genießen. Alva und Kathrin haben sich noch weiter flussaufwärts im Fluss abgekühlt, bevor das Schicksal erneut zuschlug: das Geräusch eines auf den Boden aufschlagenden Menschen und als ich mich umdrehte, lag Kathrin mit blutigem Knie auf dem Boden. Die Wunde unter der Kniescheibe war tief und sah groß aus. Die Jeans war schon umgefärbt und es war klar, dass wir niemals die 4 km bis zu unserem Auto schaffen würden. Kathrin konnte aufstehen und nach einer ersten Wundversorgung ( Jeans mit Jagdmesser gekürzt, zwei Lagen Haushaltsrolle aus dem Lunchpaket mit der Zugschnur einer Mülltüte fixiert - fertig war die Kompresse) hat Kathrin mithilfe einer aus einem kleinen Baumstamm hergestellten Stock und viel Willenskraft den Weg zurücknimmt den Ort geschafft. Der Versuch die SAMU ( Rettungssanitäter) zu kontaktieren scheiterte am fehlenden Netz. 3-400m vor dem Ort kam uns ein junger Mann mit Hund entgegen, der mit seinem Handy den Notruf absetzte. Aber anstatt jemanden zu schicken , gab es den Rat ins 22 km entfernte Krankenhaus nach Quimperlé zu fahren ( Kathrin war nicht bewusstlos, Blutung stand, Patientin stand auf eigenen Füßen, also warum jemanden schicken? ) Unser Retter brachte dann seinem Hund nach Hause, holte sein Auto und kam zu einem mit dem Auto erreichbaren Parkplatz am Fluss, um uns anschließend alle drei zu unserem Auto zu fahren. Was für ein hilfsbereiter Mensch!!! In Quimperlé habe ich dann den für die Rettungswagen vorgesehenen Weg genommen und unmittelbar vor der Notaufnahme geparkt. Kam bei der Krankenschwester am Empfang eher suboptimal an.😬
    Dann aber lief es wirklich wie am Schnürchen, wir konnten die Dame schnell überzeugen, dass wir eigentlich nette Leute sind und das Eis war gebrochen, als sie nach Kathrins Familienstand fragte (mariée) und ich nach kurzer Pause hinzufügte:“ Et heuresement avec moi!“ Da musste sie doch breit grinsen. Long story short. Gegen 20.30 h, also nach zwei Stunden, war die Wunde versäubert, genäht und mit einer Drainage versehen. Zudem gab es das Rezept für Schmerzmittel, Antibiotika und Verbandmaterial sowie die Verordnung für eine Wundkrankenschwester, die in den nächsten Tagen die Winde versorgen wird. Was extrem positiv auffiel, wie sehr die ausgenommen höflichen Mitarbeiter des Krankenhauses sich um die Patienten bemühen. Wirklich dem Menschen zugewandt! Nach der ganzen Aufregung- nebenbei galt es noch Alva bei Laune zu halten- waren die 8 km bis zur nächsten Notfallapotheke ein Kinderspiel. Doch auch hier galt es noch Hürden zu nehmen. Die Apotheke: komplett verrammelt, kein Licht. Waren wir hier richtig? Dann fand ich den kleinen gedruckten Hinweis, dass es eine Klingel gäbe, nur wo? Also kurzerhand den Wirt des Bistros gegenüber gefragt, die gelten ja als in der Regel gut informiert. Dank des Tipps hatte ich die Klingel sogleich gefunden und kurz darauf der Apothekerin erklärt, was wir benötigen. Als ich kurz darauf schon glücklich durch das Ausgabefenster ins Gesicht der Apothekerin blicken durfte, dachte ich schon, unsere Pechsträhne reißt nicht ab: sie erklärte mir , dass sich zur Zeit alle zum Notdienst eingeteilten Apotheken im Streik befinden ( und ich dachte nur, gleich werde ich komisch). Zum Glück für sie und für mich war die einzige Konsequenz, dass sie mich darauf hinweisen musste, dass ich anders als sonst eine kleine Zuzahlung zu entrichten hätte (2,60€) und ich mir diesen Betrag von der Krankenkasse zurückholen müsse. Da hatten wir aber gerade andere Sorgen.

    Knapp 5,5h nach dem Unfall waren wir endlich in unserem geliebten BiVan. Und dass haben wir zum Abschluss mit einem leckeren Sancerre gefeiert, der im Kühlschrank auf uns gewartet hatte.
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