• Torres del Paine Hike Teil 1 🏞

    14–20 Oca, Şili ⋅ ☁️ 10 °C

    Die Wanderung im Nationalpark Torres del Paine stand lange auf unserer Wunschliste und ist ein Herzstück unserer Auszeit. Dieser Teil von Patagonien fühlt sich an wie das Ende der Erde (was es ja auch ist) und ist rau, windig, mit tollen Seen, Bergen, Gletschern und auch unberechenbarem Wetter – ein Outdoor-Paradies! 🏞

    Bevor wir jedoch unsere Rucksäcke schultern und in den Torres del Paine Nationalpark aufbrechen, verbringen wir zwei Tage in Puerto Natales, um uns vorzubereiten. Puerto Natales ist keine klassische Schönheit. Es hat kleine Holz- und Wellblechhäuser, Cafés mit beschlagenen Fenstern, Blick auf die schneebedeckten Berge, es ist sehr windig und überall sind andere Wanderer mit großen Rucksäcken. Hier haben wir letzte Einkäufe erledigt, die Etappen studiert und unsere Rucksäcke gepackt. Das will in Patagonien wohlüberlegt sein, da die Gegend für sehr wechselhaftes Wetter bekannt ist. Zwiebel-Look für windige 15 Grad, blauer Himmel und Sonne bei gefühlten 25 Grad sowie 0 Grad, Nachtwanderung, Sturmböhen und Regen stehen auf dem Programm.
    Abends sitzen wir am Kamin in unserem Hostel und spüren diese besondere Mischung aus Nervosität und Aufregung. Besonders viel Respekt haben wir vor der Passüberquerung, an dem im November letzten Jahres noch 4 Touristen in einem Schneesturm verunglückt waren. 🙏

    Etappe 1: Vom Startpunkt zu Camp Serón – Ankommen
    Die 8-Tageswanderung im Torres del Paine wird O-Trek genannt, weil man die Gipfel einmal umrundet. Er beginnt vergleichsweise sanft. Nach der zwei-Stündigen Fahrt in den Nationalpark führt der Weg durch offene Landschaft, weite Ebenen und erste Wälder. Auf dem Weg kommen wir weite Felder mit Wildblumen, die im Wind zu tanzen scheinen. Der Wind begleitet uns von Beginn an – mal sanft, mal starke Böhen, gepaart mit Nieselregen. Die Strecke ins erste Camp (Serón) ist ideal, um anzukommen - weite Blicke, wenig Höhenmeter und erste Begegnungen mit anderen Wanderern, die uns die nächsten 8 Tage begleiten. Im Camp erwartet uns das aufgebaute Zelt in der Abendsonne. Sehr schön 🏕

    Etappe 2: Camp Serón nach Camp Dickson – Entlang des Río Paine
    Am zweiten Wandertag geht es um 8 Uhr in der Morgensonne los. Die Szenerie ändert sich spürbar. Zu Beginn wandern wir lange weiter durch tolle Blumen- und Gräser-Felder. Und wieder dabei - der Nieselregen. Der Pfad folgt dem Río Paine, das Wasser ist milchig-türkis, gespeist von Gletschern. Die Landschaft wird dramatischer, die Berge rücken näher. Der Weg zieht sich, vor allem durch den beißenden, starken Wind. Doch die Aussicht in der Sonne zum Ende auf Lago Dickson und das Camp entschädigt für alles. Camp Dickson gehört zu den schönsten Campingplätzen des gesamten Treks, weil es umgeben von Bergen direkt am See liegt. Beim kurzen Besuch am Seeufer erhaschen wir sogar einen ersten Blick auf einen Gletscher. Traumhaft. Schöner als wir uns das vorgestellt haben. Wir sind jetzt wirklich draußen. 🏔

    Etappe 3: Camp Dickson nach Camp Los Perros – Im Reich der Gletscher
    Diese Etappe markiert den Übergang in den wildesten Teil des O-Treks. Der Weg wird schmaler, matschiger, ursprünglicher. Immer wieder öffnet sich der Blick auf den Dickson-Gletscher, dessen Eis in allen Blautönen schimmert. Das Ziel liegt abgeschieden im Wald, umgeben von Bergen und dem knirschenden Geräusch des nahegelegenen Gletschers. Wir kämpfen uns den steinigen Weg hoch und werden mit dem Blick auf einen bilderbuchähnlichen Bergsee belohnt. Je näher wir Camp Los Perros kommen, desto spürbarer wird die Spannung: Morgen steht der John-Gardner-Pass an – die schwierigste Etappe der Runde. Aktuellste Wetterberichte werden diskutiert, Rucksäcke umgepackt, Wecker früh gestellt. Aufgeregt aber müde legen wir uns um 20 Uhr zum Schlafen. 😴

    Etappe 4: Über den John-Gardner-Pass – Patagonien zeigt sein wahres Gesicht
    Es ist 4.20 Uhr als der Wecker klingelt. Draußen leuchten schon die Taschenlampen der anderen Wanderer, die ihre Zelte zusammenpacken. Noch im Dunkeln brechen wir auf, weil der Regen erst um 8 Uhr starten soll und wir trocken über den Pass kommen wollen (das wird ca. 4h dauern). Das erste Stück führt uns durch den Wald mit Matsch und Balanceakten über Stock und Stein. Im Dunklen gar nicht so einfach, vor allem weil eine unserer beiden Taschenlampen nicht funktioniert. Als wir aus dem Schutz des Waldes treten, peitscht uns der Wind mit 60 km/h ins Gesicht. Aber wir sehen noch das Orange des Sonnenaufgangs in den Wolken, das stimmt uns zuversichtlich. Der Aufstieg zum John-Gardner-Pass (ca. 1.200 Höhenmeter) besteht aus Geröll und Steinen, ist steil, rutschig und fordernd. Wir können uns leider nur kurz über die Szenerie freuen, weil dann der Regen doch schon früher als vorausgesagt einsetzt. Traue keiner Wettervorhersage in Patagonien... Jeder Schritt erfordert Aufmerksamkeit, damit wir nicht ausrutschen oder vom Winde verweht werden (wäre tatsächlich ein paar Mal fast passiert). Dann, endlich, stehen wir oben - wir sind bis auf die Unterwäsche nass und der Regen peitscht uns eisig ins Gesicht. Der Regen wird vom Wind so gepeitscht, dass es sich anfühlt, also würde uns jemand Sand in die Augen werfen... 🥶

    Einmal über den Berg werden wir vom schlechten Wetter abgelenkt, denn vor uns erscheint im Nebel der Grey-Gletscher. Gigantisch. Endlos. Atemberaubend.
    Genau für diesen Augenblick sind wir hier oben, wenn auch eigentlich lieber trocken. Angetrieben von dem aufklarenden Blick durch den Nebel je tiefer wir absteigen, laufen wir weiter. Der Abstieg ist technisch anspruchsvoll, mit Seilpassagen und glitschigem Waldboden. Aber irgendwann wird der Weg flacher, der Wald dichter, der Regen weniger – und wir wissen: Das Schwierigste liegt hinter uns. Nach knapp 4 Stunden halten wir an einem Checkpoint für eine Pause zum Essen und Trocknen. Nach knapp einer Stunde reißt die Wolkendecke plötzlich auf und wir pellen uns schnell in die nassen Klamotten zum Weitergehen. In den weiteren 4 Stunden sind wir tatsächlich komplett getrocknet und sehen an Aussichtspunkten sogar einen Regenbogen über dem Gletscher. Die Aussichten sind einmalig und die Wege führen uns über Seilbrücken und Waldwege richtung Camp Grey. Eigentlich wollen wir den Ausblick auf dem Gletscher nicht verlassen, aber wir freuen uns auch auf das Abendessen und eine Dusche. Was ein toller Tag! Nachts erhaschen wir noch einen Blick auf die Milchstraße am sternenklaren Nachthimmel 🌌

    [VIDEOs mit Ton schauen lohnt sich 😃]

    Teil 2 folgt...
    Okumaya devam et