• Die Anreise

    August 20 in Germany ⋅ ☁️ 22 °C

    Da die Zugverbindungen von Montabaur nach Frankfurt für einen Abflug um unchristliche fünf Uhr morgens schlichtweg atemberaubend sind – also theoretisch existieren, praktisch aber eher ein Glücksspiel der Kategorie „Russisches Roulette“ sind –, haben wir einstimmig beschlossen: Wir reisen einfach einen Tag früher an. Wir gönnen uns ein Hotel direkt am Flughafen.

    „Übernachten“ ist in diesem Zusammenhang natürlich ein fantastisch dehnbarer Begriff. Wenn der Wecker um halb drei morgens schrillt, ist das kein Aufstehen, das ist eine Störung der Totenruhe. Aber gut, man redet sich das ja gern schön: Man ist dann schon mal da. Das gibt ein Gefühl von Sicherheit. Einem völlig trügerischen Gefühl, aber immerhin.

    Nun stehe ich also am Bahnhof Montabaur. Das Auto ist geparkt, das Gepäck rollt meckernd über den Bahnsteig, und ich warte auf den Zug. In meinem Kopf läuft das Stoßgebet eines jeden deutschen Reisenden: Bitte, liebe Deutsche Bahn, lass mich heute einfach nur von A nach B kommen, ohne dass ich auf freier Strecke die Fauna Hessens kennenlernen muss.

    Ich blicke auf die digitale Anzeige. Noch stehen keine Minuten der Verzögerung da. Ein kleiner, naiver Funke Hoffnung keimt in mir auf. Hach ja. Man wird ja wohl noch träumen dürfen...
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