• Die Anreise 1.5

    August 20 in Germany ⋅ ☁️ 22 °C

    ​Als hätte ich das Schicksal persönlich herausgefordert, ertönte sie wieder: die Durchsage. 30 Minuten Verspätung. Gut, tief durchatmen. Wir haben es ja nicht eilig, dachte ich noch naiv. Genau für diesen DB-Wahnsinn bucht man schließlich ein Hotel am Flughafen. Solche Zeitpuffer muss man heutzutage ja nicht nur einkalkulieren, die gehören zum deutschen Kulturgut.

    ​Doch die Deutsche Bahn wäre nicht die Deutsche Bahn, wenn sie nicht noch eine Schippe Dramatik drauflegen könnte. Exakt 20 Minuten später die nächste Durchsage, diesmal im Tonfall einer Beileidsbekundung: Zug fällt komplett aus. Wegen zu später Bereitstellung.

    ​Ich stutze. Zu späte Bereitstellung? Ich dachte ernsthaft, der Zug rollt schon munter durch die Republik! Aber nein, er wurde offenbar nicht mal pünktlich geweckt. Nur wer unterwegs ist, kann sich verspäten – wieder was fürs Leben gelernt.

    ​Da steht man nun. Koffer, Rucksack, die Laune kurz vor dem Nullpunkt und weit und breit kein Infoschalter. Montabaur ist schön, aber als unfreiwilliger Wohnort für die Nacht eher semiattraktiv.

    ​Und dann geschieht das kleine Wunder von Gleis 2. Eine gestrandete Bahnmitarbeiterin, die hier seit drei Stunden festsitzt, nimmt das Heft des Handels in die Hand. Sie beschwert sich an den richtigen Stellen mit einer Vehemenz, vor der selbst die Konzernspitze erfürchtig erzittert sein muss. Die Rettung naht! Der nachfolgende Zug nach Zürich wird einen außerordentlichen Halt einlegen, um das verlassene Volk von Montabaur einzusammeln.

    ​Dass dieser Schweizer Retter in der Not nun auch schon wieder mit 20 Minuten Verspätung angekündigt wird? Geschenkt. Ich bete jetzt einfach nur ganz leise, dass er zumindest wirklich unterwegs ist...
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