• Hey Crush! Wo ist Nemo?

    23. marts 2025, Australien ⋅ ☁️ 25 °C

    Der Regenwald ist laut. Sogar so laut, dass wir morgens früh auf das Meer flüchteten. Unsere Unterkunft, die "Safari Lodge", bietet unter dem Namen "Ocean Safari" auf dessen Speedboat Ausflüge ins Great Barrier Reef an. Nach einem kleinen Tee-Frühstück in der offenen Gemeinschaftsküche hieß es um 7:35 Uhr mit GoPro, Sonnencreme und Trinkwasser ab zum Sammelpunkt vor dem Bistro des Camps. Vor Ort trafen wir unsere Mitstreiter im Kampf, um die besten Fotos des Tages vom Riff und dessen Getier. Gegen die miesesten Quallen der Welt, da extrem klein und richtig fies, gab es dünne Ganzkörperschwimmanzüge. Netter Nebeneffekt: Man musste sich nicht komplett mit Sonnencreme voll- und nachschmieren und man sah etwas professioneller aus im schlichten dunkelblau.

    Zu Fuß ging es an den Strand, wo wir von dem oben genannten Speedboot in Empfang genommen wurden. In der Nähe sahen wir Kandidaten für den nächsten Darwin-Award, die im Wasser nach Kontakt mit einem Krokodil suchten. Nach einer ausgiebigen Einweisung, darüber wer im schlimmsten Fall zurück gelassen wird und wer nicht, konnten wir mit den beiden am Heck angeflanschten Yamaha V8 Außenbordern über das Wasser Richtung des Riffs brettern.

    Nach 30 Minuten ruhiger See und Jon Bon Jovi erreichten wir unser Tagesziel, das "Mackay Reef". Wetter war Bombe, angeblich seit 10 Jahren nicht mehr so gut während der Regenzeit gewesen. Wir kommen also nicht so schnell wieder, während besagter Zeit.

    Nun die zweite Einweisung, damit wir beim Schnorcheln nicht absaufen oder von Kreuzfahrtschiffen überfahren werden, und dann ging es ab ins gut temperierte Wasser. Als Norddeutscher bin ich normalerweise eher Wachteleier Temperaturen gewohnt, dieses menschliche "Sous Vide" Schnorcheln hat aber auch etwas für sich.

    Nun ab ins Nasse. Unter Wasser schossen direkt 20 Jahre alte Erinnerungen aus Ägypten in den Kopf, man bin ich alt 😅. Ringsherum gab es unendlich viele kleine Stellen, die man minutenlang beobachten hätte können. Von Schnappern, die an Korallen nagten, über faul am Boden herumliegenden Seegurken bis hin zu schnell vorbeiflitzen silberfarbenen Fischschwärmen. Erst wollte ich mich selbstbewusst alleine im Riff herumschlagen, hatte dann aber Angst etwas zu verpassen und folgte der Gruppe geführt durch unsere Schnorchel-Führerin. Anfangs kam es mir etwas beengt und chaotisch vor, später verschnorchelte es sich aber gut. Glücklicherweise waren wir zudem eine recht kleine Gruppe mit 11 Strohhalmatmern.
    Der Gruppe dennoch vorerst treu zu bleiben wurde direkt mit dem Blick auf eine Schildkröte belohnt. Kurz darauf traf ich auch auf einen kleinen Rochen und hatte somit schon mein persönliches Fauna-Bingo erfolgreich abgehakt, Bingo! Lediglich Nemo ließ sich nicht blicken, nur sein schwarz weißer Cousin.

    Nach einer Stunde im Wasser war mir übel von den ganzen schönen Eindrücken, und vielleicht war der Tee am Morgen auch schlecht. Nach einer Fanta und einer kleinen Naturbeschreibung durch unsere Skipperin Brooke pausierten wir kurz auf der Sandbank des Riffs. Nach Brooke besteht diese aus Kot von Korallen und Kot von Vögeln, angenehm. Sobald erholt ging es direkt am 100m entfernen Spot weiter, wo wir frei die Gegend, quasi wie Schnorchelprofis, erkunden durften. Die GoPro fing an zu glühen und dessen Akku zeigte sich auch nicht von seiner besten Seite. Dennoch konnte ich noch ein paar weitere Schnappschüsse von dem noch schöneren Abschnitt des Riffs und den noch süßeren Schildkröten machen. Nach fast einer weiteren Stunde im Wasser dröhnte der Kopf von der engen Maske, die leicht engen Flossen gruben sich in meine Haut und die 2 Liter Mundspülung Salzwasser pökelten meine Mundschleimhaut. Es war Zeit für die Rückfahrt.

    Gestärkt von Wasser und neuen Lebenserfahrungen fühlte ich mich lebendig und sagte mir: Du sitzt jetzt cool und jung auf der Seite des Bootes und lässt dir die Haare vom Fahrtwind durchwuscheln und die Haut von der Sonne bräunen!"
    Erwachsen wie ich bin, schmierte ich mir natürlich auch 50+ Creme auf den norddeutschen Käse, ich will ja keinen Sonnenbrand. Doof wie ich bin, versäumte ich es meine Frau darum zu bitten auch die nicht einfach zu erreichenden Stellen am Rücken einzucremen...
    Die Rückfahrt war ebenso kurzweilig wie die Hinfahrt, lediglich nun gepaart mit Nach- anstelle der Vorfreude.

    Für einen kleinen Mittagssnack kehrten wir im Bistro ein, an dem wir uns morgens zusammenfanden. Da fiel mir ein, dass wir mit den anderen nicht geklärt haben, wer die besten Fotos vom Riff mitgebracht hatte. Ich war mir aber sicher, dass jeder weiß wie begabt ich bin und das Thema sowieso schon direkt indirekt geklärt ist. Als Belohnung hatte ich einen Huli Huli Chicken Burger, mit Zitronengras, sehr fancy, erinnerte mich an Vietnam. Meine Frau hatte einen Salat, "Vietnam Noodle Salat" mit Tofu, erinnerte mich auch an Vietnam.

    Die zweite Hälfte des Tages wurde ruhiger. Ein Mittagsschläfchen für mich, schaffe ich nur im Urlaub ab und zu.
    Danach ein Spaziergang durch den hiesigen Dschungelpfad inklusive Spinnennetze im Gesicht und kleinen fliegenden Blutsaugern. Die Luft wurde immer dicker und man spürte, dass sich etwas anbahnte.

    Immer noch platt vom Vormittag, und dem vermutlich in Zusammenhang stehenden Sonnenstich, verspürte ich Durst nach Koffein in Form einer grünen Dose mit einem V drauf. Im Supermarkt lachte mich noch ein BBQ Steak an, kleinste Packung 500g für umgerechnet 7,24€.

    Zurück in der Unterkunft begann das Unwetter und es eimerte vom Himmel, oder so. Ich spielte auf meiner Ukulele "Somewhere over the rainbow" und wir beobachten entspannt das erneut nasse Naturspektakel der auf den riesigen Blättern tanzenden Regentropfen von unserer Terrasse.

    Die erstbeste Regenpause nutzten wir für den Weg zur Gemeinschaftsküche, wo wir während des nächsten Gusses den BBQ-Grill und das Internet sponsored by Starlink® nutzten, um unseren Social Media Verpflichtungen nachzukommen.

    Mit gefüllten Mägen und erschöpften Gliedern genossen wir den weiteren Regen aus unserem Häuschen heraus, bis uns die auf das Wellblechdach prasselnden Tropfen in den Schlaf wiegten, indem wir von unserem nächsten Ziel "Port Douglas" träumten.
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