• Gerner Höhenwanderung

    September 13 in Germany ⋅ ☁️ 20 °C

    Gerner Höhenweg (extended)

    Mit der Sonne im Gesicht und einen herrlichen Blick auf die umliegenden Berge (Höher Göll, Kehlstein, Hohes Brett, Jenner, Schneibstein, Fagstein, Schönfeldspitze und den Watzmann) geniessen wir unser Frühstück auf dem Balkon.
    Wir hören schon wieder die Musi spielen und von rechts und links schallen Böller durch das Tal, brechen sich an den Bergen und verhallen erst eine Weile später. Mehr dazu aber später.

    Wir packen den kleinen Rucksack und wollen zum Einstieg den Gerner Höhenweg laufen. Es geht zunäcjst sanft bergauf Richtung Untersberg, durch dichten Wald geht es dann schon etwas knackiger voran bis wir dann in Obergern ankommen. In Maria Gern ist gerade Messe und hier von den Bergen wird geböllert.

    "Lärmbrauchtum" seit mindestens 1666 schriftlich belegt. Ursprünglich steckte dahinter ein heidnischer Glaube: Durch den lauten Krach sollten zur Wintersonnenwende die bösen Geister und Dämonen der Finsternis vertrieben werden. Aber auch das Böllern zu anderen Festen folgt einem strengen zeremoniellen Ablauf auf Kommando des Schützenmeisters. Je nach Anlass unterscheidet man verschiedene Schussfolgen:Lauffeuer & Schnellfeuer (die Schützen feuern nacheinander im gleichmäßigen oder rasanten Takt ab, was eine rollende Klangwelle erzeugt) - Salutschuss (alle Schützen drücken exakt zur gleichen Sekunde ab – ein perfekter, gleichzeitiger Knall gilt als Königsdisziplin) und das Rad & Doppelschlag (rhythmische Schussfolgen mit wechselnder Geschwindigkeit oder paarweisen Abschüssen).

    In Obergern haben wir einen wunderschönen Blick auf den Watzmann. Hier würde der Weg zurück nach Maria Gern führen, wir laufen aber weiter durch den Wald, ziemlich steil beragb zum Aschauerweiherweg. Von hier geht des am Etzerschlößl vorbei wieder berauf und dann biegen wir links in den Klammweg ein. Es ist kaum Wasser in der Klamm und wir kraxeln hoch bis zum Kirchlein in Maria Gern. Unser Weg führt aber links weiter hinauf bis nach Obergern.

    Hier kommen uns schon ganz viele Menschen in ihren wunderschönen Trachten entgegen. Die Tracht ist ein lebendiges Symbol für regionale Identität, Heimatliebe und Gemeinschaft, gerade hier im Alpenraum geworden. Während sie ursprünglich im 18. und 19. Jahrhundert die soziale Herkunft, den Beruf und den Familienstand des Trägers anzeigte, hat sie sich heute zu einem stolzen Festtagsgewand entwickelt. Traditionell wird das Haar aufwendig geflochten und hochgesteckt, oft fixiert mit silbernen Haarnadeln.
    Wunderschön anzusehen und für manchen Städter ein vielleicht ein wenig zu viel Nationalstolz. Aber hier gehört es hin.

    Das Zelt ist brechend voll, die Leute stehen auf den Tischen - es ist nicht anders als auf den Wiesn in München - nur das es erst um 14 Uhr ist. Manche können nur schwer laufen und halten sich an ihrem Maßkrug fest, manche tanzen ausgelassen und hemmungslos auf den Bänken.

    Als wir heimgehen, fängt es leicht zu regnen an. Die meisten Leute haben noch 6 Stunden vor sich (um 20 Uhr hört die Musik auf) und wir schmunzeln, weil wir wissen, dass die meisten dann noch heimfahren.

    Das war ein schöner Einstieg in unseren Wanderurlaub. Morgen soll es regnen - aber wir machen das Beste daraus und passen uns dem Wetter an.

    Also, pfiad eich!
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