• Dolce Far Niente in Hua Hin

    17. februar, Thailand ⋅ ☀️ 31 °C

    Am Montag nach der Parlamentswahl bin ich alleine - lange geplant - für ein paar Tage nach Hua Hin gefahren. Etwa drei Stunden Fahrt südwestlich am Golf von Thailand gelegen, also auf der Seite Richtung Myanmar, war Hua Hin in der Vergangenheit traditionell ein Familien-Badeort für die Thai, um unkompliziert ans Meer zu kommen.

    Pattaya auf der östlichen Seite des Golfes ist noch näher an Bangkok gelegen, beide Orte sind auch bei Touristen und Auswanderern sehr beliebt. Der königlichen Familie gefällt Hua Hin schon seit den 1920er Jahren so gut, dass sie sich mehrere Sommerresidenzen dort errichten ließen, was der Beliebtheit des Ortes sicher einen zusätzlichen Schub verlieh.

    Für mich stand Hua Hin schon länger auf der Liste der Orte nach dem Motto: Da will ich gerne mal hin. Bei näherer Beschäftigung wuchs allerdings auch meine innere Skepsis. Von der Ursprünglichkeit früherer Jahrzehnte schien nicht mehr viel übrig geblieben zu sein. Als es darum ging, eine Unterkunft zu finden, hatte ich die Wahl zwischen "mitten im Trubel " oder "eher ruhiger". Mein Ziel für diese Auszeit war klar: nach den turbulenten Monaten des letzten Sommers/Herbstes sowie des Jahresbeginns 2026 innerlich wieder halbwegs auf ein normales Niveau zu kommen und einfach faul zu sein und mich ein bißchen verwöhnen zu lassen. Also fiel die Wahl auf ein Hotel schon auf dem Gebiet des Nachbarortes Cha Am nördlich von Hua Hin direkt am Strand - wobei der Übergang zwischen beiden Gemeinden fließend ist. Dies erwies sich je länger je mehr als eine hervorragende Wahl.

    Für den Transport zwischen Bangkok und Hua Hin habe ich mich, nachdem ich die unterschiedlichen Möglichkeiten - Bahn, Bus oder Privattransfer von Haus zu Haus - geprüft hatte, für die dritte Alternative entschieden. Auf diese Weise fahren wir ja seit Jahren nach Koh Chang, und preislich ist es verglichen mit deutschen Verhältnissen sehr viel günstiger. Die Organisation läuft komplett per Email. Am Tag vor der Fahrt bekommt man Namen des Fahrers und Nummernschild des Autos mitgeteilt, und die Fahrer sind immer überpünktlich da.

    Gut 200 km ist die Strecke lang und führt durch insgesamt vier Provinzen. Ist man erst einmal dem Verkehrsgewühl Bangkoks entronnen (und den größten Teil fährt man über Expressways, aber auch das bewahrt nicht vor Stau!), trifft man auf autobahnähnlich ausgebaute Straßen, die sechsspurig geraden Weges Richtung Süden führen. Das ist wesentlich mehr "Rennstrecke" als die Piste Richtung Osten nach Koh Chang! Auf dem Gebiet von Cha Am und weiter südlich sind es immerhin noch vier Spuren, die die Orte durchschneiden. Immer wieder gibt es Ampeln im Straßenverlauf, um Fußgängern in den Ortschaften die Überquerung zu ermöglichen.

    Von der Hauptstraße weg zur Lobby des Hotels waren noch einmal ca. 500 m zu fahren, was durch die direkte Strandlage der Anlage begründet ist. Eine ruhige und entspannte Atmosphäre empfing mich, das Zimmer im 7. und obersten Stock mit Meerblick; so hatte ich mir das vorgestellt.

    Am nächsten Mittag hatte ich mich zum Meeting des Rotary-Clubs Hua Hin angemeldet und mir für die 15 km Weg im südlicheren Bereich von Hua Hin ein Auto über die Grab-App bestellt, wie wir das in Bangkok ja auch praktizieren. Die Fahrten hin und zurück durch das Ortsbild von Hua Hin führten zu der Entscheidung, mich für die Tage in der wirklich sehr schönen Hotelanlage einzuigeln und Sonne und Wasser zu genießen. Hua Hin vermittelte mir auf keinen Fall den Eindruck von entspanntem Badeurlaub. Zu beiden Seiten der Schnellstraße, die den Ort durchschneidet und vom Strand trennt, sah ich wuselige Sois, große Einkaufs- und Vergnügungsmalls, und hatte leider gar kein typisches Thailand-Gefühl.

    Das Meer weist hier sehr deutliche Gezeiten auf, ich habe sie stärker als auf der östlichen Seite des Golfes empfunden. Bis auf zwei Tage wehte die rote Flagge, die das Baden im Meer als zu gefährlich deklarierte. An den zwei restlichen Tagen war die Flagge gelb, aber zu keiner Zeit grün. Durch den zum Hotel gehörenden Privatstrand hatten wir weder eine Belästigung durch Jetski-Fahrer als auch Reitangebote zu Pferde als fragwürdige Touristenbelustigung, wie es weiter südlich überall der Fall zu sein scheint. Mir und vielen anderen Hotelgästen, mit denen ich ins Gespräch kam, fehlte das allerdings auch keineswegs.

    Zum Wochenende hin und im Vorgriff auf das chinesische Neujahrsfest, das in diesem Jahr am 17. Februar beginnt, wurde es im Hotel merklich voller mit thailändischen Wochenendgästen und Touristen aus China. Dennoch konnte ich durch die entspannte Atmosphäre die Zeit gut genießen und bin merklich entspannter nach Bangkok zurückgekehrt.

    Was ich zu den schönen Erinnerungen zähle, sind die teilweise spektakulären Sonnenaufgänge über dem Meer. Das Video bringt noch unseren alten Freund, den Koel, zu Gehör. Dieser hier liebte das Spektakel ganz besonders.

    Fazit: In Hua Hin kommt es sehr darauf an, was man sucht und will. Es gibt eine große Anzahl von Auswanderern, die hier fest leben und teilweise nicht verstehen können, wie man seinen Lebensmittelpunkt nun ausgerechnet in Bangkok haben kann. Mein Eindruck war, dass sich Hua Hin mit Riesenschritten und unaufhaltsam in Richtung Pattaya mit Sex-und Drogentourismus entwickelt.

    Wenn man sich mit Bedacht den richtigen Ort sucht und eher Entspannung und Erholung sucht, dann findet man den auch, aber eher nördlich Richtung Cha Am. Mit Grab ist man dann bei Bedarf dennoch relativ schnell im Trubel.

    Ich war froh, dass ich mit meinem Hotel intuitiv die für mich richtige Wahl getroffen habe. Dort hat es mir so gut gefallen, dass ich mir die Wiederholung einer solchen Auszeit gut vorstellen kann!
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