• In turbulenten Zeiten

    15 mars, Thailand ⋅ ☀️ 35 °C

    Dieses Mal hatten wir die ganz große Freude, zahlreiche Freunde und Bekannte hier in Thailand zu treffen. Von einigen, die wir im November und Dezember gesehen haben, berichteten wir schon. Aber auch im neuen Jahr riss die Schar der Besucher nicht ab. Teilweise waren Treffen lange geplant, vieles ergab sich aber auch spontan und war nicht minder schön.

    So hatten wir ein wunderbares Dinner mit einer ehemaligen Kollegin, mit der ich über viele Jahre in der Deutschen Rentenversicherung zusammengearbeitet habe. Putziger Zufall und wie das Leben so spielt, kannte sie Christian noch länger und bereits aus ihrer gemeinsamen Grundschulzeit anfangs der 1960er Jahre. Sie startete von Bangkok aus zusammen mit ihrem Ehemann und einer Cousine eine mehrwöchige Reise durch Thailand, Malaysia, Vietnam und Kambodscha. Wir haben uns in dem von uns sehr geschätzten Terrassenrestaurant Baan Rabiang Nam am Chao Praya getroffen und die gemeinsame Zeit bei leckerem Essen so intensiv als möglich genutzt.

    Auch Freddy, der Vermieter der Ferienwohnung in Würzburg, die wir seit vielen Jahren besuchshalber buchen, war in Thailand, und wir verlebten einen schönen Nachmittag im Zentrum Bangkoks. Dabei stellte sich heraus, daß er eigentlich als Pilot lange Zeit unter anderem für die inzwischen bankrotte Air Berlin auf der Langstrecke unterwegs war. Inzwischen ist er nach Bedarf und freischaffend nach wie vor gelegentlich für unterschiedliche Airlines im Einsatz.

    Dann ergab sich auch noch ein spontanes Abendessen mit einer Urlaubsbekanntschaft aus dem Jahr 2024, ein Ehepaar aus Minneapolis/Minnesota, das regelmäßig in Südostasien unterwegs ist. Wir hatten uns bereits letztes Jahr mit ihr getroffen, als sie Verwandte in Bangkok besuchte und auch in diesem Jahr hat es zu unserer allseitigen Freude wieder geklappt. Dieses Mal waren sie gemeinsam mit einem befreundeten Paar aus ihrer Wohnnachbarschaft unterwegs, das zum ersten Mal Thailand besuchte.

    Am 24. Februar kamen gute Freunde aus einem südlichen Vorort Berlins im Rahmen einer Pauschalreise in Bangkok an. Eberhard und Christian haben zusammen studiert und später dann eine Zeitlang in der gleichen Firma im Umweltsektor gearbeitet. Eberhard und Edith hatten in den 80er Jahren beruflich einige Zeit in Norwegen gelebt. Nun waren sie zum zweiten Mal hier im Lande. Am Tag nach ihrer Ankunft besuchten sie uns in unserer Wohnung, und wir waren, da sie erstmalig in Bangkok waren, mit ihnen gemeinsam noch im Bereich des MBK unterwegs und versorgten sie mit Besichtigungstipps für den nächsten und für sie letzten Tag in der thailändischen Hauptstadt. Der weitere Reiseverlauf sah dann einige Tage in Kanchanaburi, bekannt durch die Brücke am Kwai, und zum Abschluss eine Woche zum Baden in Hua Hin vor.

    Wir verabschiedeten uns also am 25. Februar abends voneinander "bis demnächst mal in Deutschland".

    Und dann kam, während die beiden in Kanchanaburi waren, der 28. Februar, und plötzlich war mit dem Kriegsausbruch im Nahen Osten alles anders. Die durch den Veranstalter gebuchten Flüge waren mit Qatar Airways vorgesehen und die Rückreise für die beiden völlig im Ungewissen, da der Luftraum über den arabischen Emiraten gesperrt war und auch zum heutigen Zeitpunkt, am 15. März 2026, weiterhin nur sehr eingeschränkt wieder offen ist.

    Der Reiseveranstalter tat offenbar wenig bis gar nichts, um sich zeitnah um Alternativen für die Rückführung seiner „Schäfchen“ zu kümmern. Die Woche in Hua Hin, wohin der Transfer planmäßig erfolgt war, verstrich von Tag zu Tag, ohne dass verlässliche Informationen an die Reisenden gelangten. Letztlich wurde die ganze Gruppe am ursprünglich vorgesehenen Rückreisetag per Bus in ein flughafennahes Hotel in einem östlichen Vorort Bangkoks verfrachtet und dort mit der Anweisung, sich von dort keinesfalls zu entfernen, zurückgelassen.

    Ich hatte über die Tage schon versucht, die rechtliche Situation etwas zu klären. Man muss an dieser Stelle klar sagen, dass unsere Freunde in der sich entwickelnden politischen Lage keine Einzelfälle waren. In den Tagen nach Kriegsausbruch ruhte nachvollziehbar der Fokus der Medien auf den Menschen, die sich im Urlaub oder aus beruflichen Gründen unmittelbar im Bereich der Arabischen Emirate aufhielten. Die Flughäfen in Dubai, Doha und Abu Dhabi bilden ja eines der größten Drehkreuze weltweit und bündeln einen Großteil der Flüge zwischen Europa und Asien sowie Australien. Zehntausende an allen möglichen Orten in den beiden letztgenannten Kontinenten mussten ihre Rückreise nun anders organisieren.

    Bei Pauschalreisen ist hierfür ganz klar der Veranstalter in der Pflicht. Individualreisende sind in solch einer Situation auf sich gestellt. Und die Wege nach Hause, die in den sozialen Medien geteilt wurden, gestalteten sich teilweise abenteuerlich, zumal nun die Preise für die zur Verfügung stehenden und nachvollziehbar knapp werdenden Flüge z. T. um das Achtfache anstiegen! Den Sechser im Lotto hatten diejenigen gezogen, die ohnehin Direktflüge nach Europa gebucht hatten. Hier passten die Airlines zwar die Routen an die aktuelle Lage an, aber die Flüge verliefen und verlaufen unter Umgehung des kritischen Luftraumes unproblematisch.

    Wir haben unsere Freunde deshalb zur Aufmunterung am 12. März in ihrem Flughafenhotel besucht. Als wir abends gerade auf der Rückfahrt nach Hause waren, meldeten sie uns die tolle Nachricht, dass sie am 14. März mit Qatar von Bangkok direkt nach Warschau und von dort mit LOT nach München fliegen sollten. Von München aus war die Reise im vergangenen Monat auch gestartet. Und zum Zeitpunkt, zu dem ich diesen Bericht verfasse, sind die beiden nach manchen Schwierigkeiten gut wieder zu Hause angekommen und erholen sich nach einem Reisemarathon von annähernd vierzig Stunden!

    Unsere Flüge nach Deutschland habe ich am 20. Januar gebucht. Wir fliegen am 27. Mai mit KLM über Amsterdam nach Hamburg und kehren am 27. Oktober auf dem gleichen Weg zurück nach Bangkok. Wir sind ehrlich gesagt heilfroh, alles insofern unter Dach und Fach zu haben!

    Das mit angefügte Video "Bangkok then and now" stammt von KUNGKit, der es bei Youtube veröffentlicht hat. Es wird eindrücklich gezeigt, wie sich bestimmte prominente Straßenecken und Stadtbereiche von Bangkok über die Jahre bis zum heutigen Zustand im Jahre 2026 entwickelt und verändert haben, vielfach leider nicht zum Positiven.
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