• Im Atashgah-Feuertempel des Zoroastrismus

    September 2 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 27 °C

    Der Atashgah-Feuertempel gehört zu den ungewöhnlichsten historischen Sehenswürdigkeiten rund um Baku. Er liegt in Suraxanı auf der Abşeron-Halbinsel, etwa 15 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, in einer Landschaft, die durch Erdöl- und Erdgasvorkommen geprägt ist. Gerade diese natürlichen Gasquellen sind der Grund für die jahrhundertelang brennenden Flammen, die der Region den Beinamen „Land des Feuers“ eingebracht haben.

    Der Name Atashgah kommt aus dem Persischen und bedeutet sinngemäß „Ort des Feuers“. Schon in der Antike war die Gegend ein Zentrum des Zoroastrismus, jener alten persischen Religion, in der das Feuer eine besondere religiöse Bedeutung besitzt. Vermutlich gab es hier bereits wesentlich früher Feuerheiligtümer. Die heute erhaltene Anlage stammt allerdings überwiegend aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Sie entstand zu einer Zeit, als vor allem Händler und Pilger aus Indien nach Baku kamen. Der Tempel wurde insbesondere von Hindus und Sikhs, aber auch im Zusammenhang mit zoroastrischen Traditionen genutzt.

    Architektonisch erinnert die Anlage an eine kleine Karawanserei: Ein fünfeckiger Mauerring umschließt einen Innenhof, an dessen Seiten sich insgesamt 24 Räume und Zellen befinden. Dort konnten Pilger und religiöse Asketen übernachten. Im Zentrum steht der eigentliche Feuertempel mit seinem charakteristischen, von vier Säulen getragenen Aufbau. In der Anlage finden sich zudem zahlreiche Inschriften in indischen Sprachen sowie auf Persisch, die von den Pilgern und ihrer religiösen Tradition zeugen.

    Das eigentlich Faszinierende ist jedoch die Verbindung von Religion und Geologie. Unter der Erde der Abşeron-Halbinsel befinden sich große Erdgasvorkommen. Durch natürliche Risse konnte Gas an die Oberfläche gelangen und sich entzünden. Für die Menschen früherer Zeiten musste ein Feuer, das scheinbar ohne Brennstoff aus der Erde kam und nicht erlosch, etwas Übernatürliches sein. So wurde aus einem geologischen Phänomen ein heiliger Ort. Heute weiß man, dass Methangas die Flammen speiste. Die natürlichen Flammen am Tempel erloschen im 20. Jahrhundert infolge der intensiven Öl- und Gasförderung; das Feuer, das man heute im Tempel sieht, wird daher künstlich mit Gas gespeist.

    Mit dem Aufstieg der modernen Erdölindustrie in Baku verlor der Tempel seine religiöse Bedeutung. 1883 wurde er als aktiver Kultort aufgegeben. Seit 1975 ist Atashgah ein Museum; 2007 wurde die Anlage zum staatlichen historischen und architektonischen Reservat erklärt. Seit 1998 steht sie außerdem auf der UNESCO-Tentativliste für mögliche Welterbestätten, ist also bislang nicht als UNESCO-Welterbe eingeschrieben.

    Besonders lohnend ist der Besuch, nachdem man Atashgah mit dem etwa 30 Kilometer entfernten Yanardag, dem „Brennenden Berg“, kombiniert.
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