• Abendessen und Abendspaziergang Baku

    September 2 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 24 °C

    Joe hat für 19 Uhr für uns einen Tisch im Moon Panoramic Restaurant in der Altstadt reserviert, und so machen wir uns nach einer kurzen Ruhepause auf einen Abendspaziergang in die Altstadt. Die Stadt ist heute Abend deutlich belebter, es sind viele Menschen auf der Straße und überall erklingt Musik in den Unterführungen und auf den Straßen. Shura hat uns erzählt, dass Aserbaidschaner sehr gerne ausgelassen feiern, wann immer sich die Möglichkeit bietet.

    Abends sieht die Stadt noch schöner, noch reizvoller aus, alles ist herrlich illuminiert, ein lauer Wind weht durch die Gassen. Dazu muss man Folgendes wissen: Baku liegt an der Westküste des Kaspischen Meeres, auf der Abşeron-Halbinsel im Osten Aserbaidschans. Geografisch ist die Stadt damit eine Schnittstelle zwischen Europa und Asien. Das Kaspische Meer ist allerdings kein Meer im eigentlichen ozeanografischen Sinn, sondern der größte abflusslose See der Erde. Es ist rund 1.200 Kilometer lang, bis zu etwa 320 Kilometer breit und liegt mit seiner Wasseroberfläche ungefähr 28 Meter unter dem Meeresspiegel.

    Eine Besonderheit ist seine enorme Größe: Das Kaspische Meer ist mit etwa 371.000 Quadratkilometern größer als Deutschland. Es wird von fünf Staaten umschlossen: Russland im Norden, Kasachstan im Nordosten, Turkmenistan im Osten, Iran im Süden und Aserbaidschan im Westen. Trotz seiner Bezeichnung als „Meer“ besitzt es keine natürliche Verbindung zu den Weltmeeren. Seine wichtigsten Zuflüsse kommen aus dem Norden, vor allem die Wolga (die Russland aktuell übrigens blockiert), während das Wasser ausschließlich durch Verdunstung verloren geht. Mein Vater hat berichtet, dass vor 40 Jahren hier vor Baku auf dem Meer eine dicke Ölschicht lag. Heute ist zum Glück nichts mehr davon zu sehen. Das Wasser ist zwar sauber, aber das Baden in der Stadt wegen der reichen Ölvorkommen vor der Küste verboten.

    Baku selbst liegt an einer ungewöhnlichen Landschaft: Die Abşeron-Halbinsel ragt weit in das Kaspische Meer hinein und ist ausgesprochen trocken und windig. Der berühmte Xəzri, ein kalter Nordwind, und der Gilavar, ein wärmerer Südwind, prägen das Klima der Stadt. Baku gilt deshalb auch als eine der windreichsten Hauptstädte der Welt – der Name Baku wird häufig als „Stadt der Winde“ bezeichnet.

    Besonders interessant ist auch die geologische Geschichte der Region. Hier befinden sich gewaltige Erdöl- und Erdgasvorkommen. Schon im 19. Jahrhundert entwickelte sich Baku zu einem der bedeutendsten Erdölzentren der Welt. Die Bewohner mussten nur ein paar Meter graben, und schon kam das Erdöl von alleine an die Oberfläche. Und die natürlichen Erdgas- und Ölaustritte erklären auch die jahrhundertealte Tradition der „ewigen Feuer“, die in Aserbaidschan eine wichtige kulturelle Rolle spielen.

    Doch nun zurück zu unserem Stadtspaziergang. Wir essen auf Shuras Empfehlung ein typisches aserbaidschanisches Pfannengericht mit Hähnchen. In den Restaurants wird überall selbstgemachte, für unsere Verhältnisse recht süße Limonade, oft mit kandierten oder eingelegten Früchten, oder Tee angeboten. Wir haben Glück und dürfen auch im Restaurant mit herrlicher Aussicht über die ganze Altstadt und die Küste Livemusik erleben.

    Danach wollen wir noch zu Decathlon, das bis 22:00 Uhr geöffnet hat, und Wandstiefel für unsere Wanderungen besorgen. So geht es einmal quer durch das neue, moderne Stadtviertel bis zu einem Einkaufszentrum am Bahnhof und nach erfolgreichem Einkauf die ganze Strecke wieder zurück. Kurz vor Mitternacht fallen wir müde und sehr zufrieden in unsere Betten.
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