• Im Dorf Gosh Գոշ

    September 14 in Armenia ⋅ ☀️ 27 °C

    Gosh ist ein interessantes Beispiel dafür, wie in Armenien historisch bedeutende Dörfer touristisch aufgewertet werden, während ein Teil der einheimischen Bevölkerung weiterhin in sehr einfachen Verhältnissen lebt.

    Das Dorf wurde erst 1840–1845 von armenischen Siedlern aus Barekamavan und Koti gegründet. Bei der Volkszählung 2011 wurden 1.115 Einwohner gezählt; aktuelle Quellen gehen weiterhin von ungefähr 1.000 bis 1.100 Menschen aus.

    Ein Dorf mit zwei Gesichtern

    Rund um Goshavank erlebt man heute eine gewisse touristische Entwicklung: Gästehäuser, Ferienhäuser am Fluss, kleine Angebote für Wanderer und Besucher des Klosters.

    Geht man aber – so wie wir – durch schmale Pfade abseits des Klosters, sieht man ein ganz anderes Gosh: alte Natursteinhäuser, teilweise mit sehr einfachen Dächern und Fassaden, manche offensichtlich seit Jahrzehnten kaum instandgesetzt. Das ist nicht einfach nur „alte armenische Architektur“. Ein Teil davon sind tatsächlich Wohnhäuser von Menschen, die dort unter bescheidenen Bedingungen leben. Das erleben wir auch, als der Wanderweg, den uns Komoot weist, plötzlich nicht mehr passierbar ist, weil er komplett zugewachsen ist. Ein Stück links unterhalb geht ein kleines Gartentor auf ein Grundstück. Wir treten ein und tatsächlich wohnt in diesem baufälligen Haus ein älterer Herr. Er zeigt uns den Weg über seinen Grundstück und ein weiteres mit einem Haus, aus dem plötzlich sechs Personen herauskommen und uns den Weg zeigen, hinauf zur Schotterpiste.

    Das Problem ist übrigens keineswegs neu. Bereits 2010 berichtete die armenische Investigativzeitung Hetq über erhebliche Wohnprobleme in Gosh. Damals gab es etwa 400 Haushalte; in einem Ortsteil namens Verin Tagh standen Häuser sogar in einem Gebiet mit Bodensenkungen. 68 Häuser galten laut einer NGO als instabil, mindestens zehn waren nach damaligen Angaben praktisch unbewohnbar.
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