Abendspaziergang durch die Millionenstadt Eriwan
September 15 in Armenia ⋅ 🌙 25 °C
Es ist wieder Rushhour, als wir in die Landeshauptstadt hineinfahren – das ist nichts für schwache Nerven. Der Verkehr ist schon sehr gewöhnungsbedürftig, die Verkehrsregeln sind ziemlich undurchsichtig. Aber Joe schlägt sich tapfer, und schließlich erreichen wir unser Hotel. Ich checke ein und frage nach einer Parkmöglichkeit. Die Dame versucht, mir mit Händen und Füßen zu erklären, wo sich der Parkplatz befindet, doch ich verstehe nicht so richtig, wo er liegt bzw. was sie meint. Schließlich programmiert sie mir eine Adresse in mein Handy: die Straße runter, die erste links und dann wieder links durch ein Tor. Okay, das machen wir. Allerdings fahren wir dann durch ein Gewirr von schmalen Gassen und Hinterhöfen mit kreuz und quer parkenden Fahrzeugen. Es geht immer wieder vor und zurück, weil Gegenverkehr auf der schmalen Straße auftaucht. Schließlich stehen wir vor einer Tiefgarageneinfahrt, aber nein, das sei nicht unsere Garage, sagt uns ein Einheimischer. Ein Stück weiter erkennen wir an einem Tor ein kleines Schild, das ganz bescheiden den Namen unseres Hotels trägt, darunter eine Klingel. Jackpot! Die Tür wird geöffnet, und wir dürfen unser Auto parken. Ist doch gar nicht so schwer, könnte man meinen. Klar, wenn man weiß, wohin man muss.
Wir bringen die Koffer aufs Zimmer, waschen ein bisschen Wäsche, trinken eine Tasse Kaffee und stürzen uns dann ins Getümmel der Stadt, ohne genau zu wissen, wohin. Wir lassen uns treiben und sind überrascht, wie viel selbst noch am späten Abend eines Dienstagabends auf den Straßen los ist.
Wir hatten heute übrigens zwei berührende Erlebnisse. Das eine war am Kloster am Sevansee, als ich auf die Toilette musste und kein Kleingeld hatte, weil unser gewechseltes Geld komplett ausgegeben war und wir nur noch mit Kreditkarte zahlen konnten. Da sagte die Dame hinter mir, sie übernehme die Kosten für uns beide. Es stellte sich heraus, dass sie aus dem Libanon war. Sie hat mich einfach eingeladen, uns eine schöne Reise gewünscht und ein „Gott segne dich“ hinzugefügt. Ich habe als Dankeschön ein paar Bilder von der Familie geschossen.
Und Joe wollte gestern Abend im Supermarkt noch eine Kleinigkeit als Betthupferl kaufen. Ausnahmsweise wurden hier Kreditkarten nicht akzeptiert, da hat ein junges Mädchen hinter ihm seine Rechnung ganz spontan übernommen. Ist das nicht schön!
Es kommt doch alles wieder zu einem zurück. Joe hat vor zwei Jahren in Frankreich einer jungen Dame großzügig den Teil ihres Einkaufs übernommen, den sie nicht mehr zahlen konnte. Damals waren alle um sie herum schwer beeindruckt und gerührt.Read more

























