• Spaziergang durch die Stalin-Stadt Gori

    September 22 in Georgia ⋅ ☁️ 24 °C

    Wir sind schon so lange unterwegs, und seit Batumi hat es fast durchgängig geregnet. Erst kurz vor Gori klart der Himmel auf, und die Sonne kommt zumindest ansatzweise heraus. So machen wir einen kleinen Spaziergang durch die Stadt, die auf den ersten Blick angenehm ruhig und teilweise fast etwas verschlafen wirkt. Besonders auffällig sind die vielen Backsteinhäuser mit schönen Holzbalkonen und die niedrigen, historischen Gebäude, die dem Zentrum einen ganz eigenen Charakter geben. Interessant fanden wir auch die ungewöhnlich vielen kleinen Geschäfte mit gebrauchter Kleidung und Schuhen – Secondhand-Handel ist in Gori tatsächlich sehr verbreitet und gehört sichtbar zum alltäglichen Stadtbild.

    Gori ist mit rund 45.000 Einwohnern eine wichtige Stadt der Region und vor allem durch zwei Dinge bekannt: die mittelalterliche Festung auf dem Felsen über der Stadt sowie als Geburtsort von Josef Stalin. Wir haben deshalb nur kurz beim Stalin-Museum Halt gemacht und uns den berühmten grünen Eisenbahnwaggon angeschaut, mit dem Stalin unter anderem zu den Konferenzen von Teheran und Jalta reiste. Anschließend schlenderten wir über die großzügige, repräsentative Stalin Avenue wieder zurück zu unserem Auto.

    Auffällig ist, dass Lenin und die sowjetische Zeit heute im Stadtbild kaum noch präsent sind. Lenin war der Gründer des Sowjetstaates und nach der Revolution von 1917 die zentrale Figur der frühen Sowjetunion; nach dem Ende der Sowjetherrschaft wurden in Georgien jedoch die meisten sowjetischen Denkmäler entfernt. Auch Stalins monumentale Statue stand bis 2010 noch auf dem zentralen Platz von Gori und wurde dann nachts abgebaut. Heute erinnert man in Gori vor allem museal und historisch, wenn auch durchaus nicht unumstritten, an die sowjetische Vergangenheit – Lenin spielt im heutigen Stadtleben dagegen keine nennenswerte Rolle mehr.
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