Lavendel!
June 21 in France ⋅ ⛅ 31 °C
Die Nacht auf dem Parkplatz eines Yachthafens mit öffentlicher Toilette und direkt am Genfer See gelegen ist kurz. Gegen 8.30 Uhr plätschert französisches Palaver durch die Dachluke in mein Bett. Ein Sprung ins glitzernde Wasser mit Blick auf die Ausläufer der Alpen vertreibt die müden Geister. Mein erster Urlaubstag hat begonnen!
Auf der Höhe von Grenoble mache ich an einem Carrefour halt. Mit ihrer Liebe zum Essen treiben die Franzosen es hier in puncto Lebensmittelgeschäft auf den Gipfel: um jeden Winkel des Supermarchés abzulaufen, bräuchte man ordentliche Wanderschuhe und vermutlich drei Tage Zeit. Nur auf ein Vesper könnte man getrost verzichten, da es in dieser Halle die gesamte kulinarische Vielfalt Frankreichs und weit darüber hinaus zu bestaunen gibt. Nach nur einer Stunde Schatzsuche habe ich dem Futterlabyrinth alle Köstlichkeiten entrungen, die zu einem Frankreichurlaub dazugehören. Käse hört hier auf solch gesegnete Namen wie Saint Marcellin, Saint Felicien oder Saint Mure. Das Mousse de Canard mit dem gelblichen Fettrand darf ebenso wenig fehlen wie ein Schälchen der rosafarbenen Crevettes nebst knoblauchschwerer Aioli. Dazu einen weißen Cote du Rohne.
Als ich Abends auf dem Campingplatz bei Sault in der Haute Provence ankomme, reicht es gerade noch für ein kurzes Bad im Swimmingpool (warum schließen die Pools in den südlichen Ländern eigentlich immer schon am späten Nachmittag?). Der Abend endet unter dem im warmen Wind rauschenden Blätterdach der Eichen mit vollem Bauch bei Buch und Kerze. Eine einzelne Zikade singt für die Ehre ganz Südfrankreichs.
Erst am nächsten Morgen komme ich dazu, mir das nahe Städtchen Sault anzuschauen. Genau so stellt man sich einen provenzalischen Ortskern vor. Zwischen zwei bis drei touristischen Lavendelgeschäften, die man schon lange bevor man sie sieht am betörenden Duft erkennen kann, und Unmengen an Radfahrenden auf ihrem Weg zum Mont Ventoux, findet das Dorfleben ungeachtet der Eindringlinge statt. Man steht in praller Sonne Schlange an der Boulangerie um eine Flute und ein Croissants zu ergattern. Wenn sich Einheimische treffen, begrüßt man sich mit drei Küsschen, links, rechts, links, wechselt ein paar Worte und geht seiner Wege. Hauptsache man küsst!
Abseits der dörflichen Idylle drehe ich noch eine morgendliche Runde mit dem Fahrrad durch die landwirtschaftlich geprägte Umgebung.
Ich hatte vergessen wie gut Ginster riecht! Der Duft dieser Büsche mit den postbusgelben Blüten wabert durch die von der mediterranen Sonne aufgeheizte Luft. Die Lavendelfelder liegen verstreut zwischen kleinen Siedlungen und Höfen, deren Häuser aus dem allgegenwärtigen rotbraunen Naturstein gebaut sind. Es gibt feinsäuberlich gepflegte Felder, auf denen sich Lavendelstrauch an Lavendelstrauch reiht und solche, auf denen sich zwischen den lila Bäuschen immer wieder großes und kleines Unkraut bahnbricht. Je nachdem von welcher Seite man schaut, stehen die Lavendelsträucher sauber geordnet in Reih und Glied oder es sieht nach einem unkontrollierbaren Chaos aus Lila und Blassgrün aus. Eines haben alle Felder gemeinsam: sie belegen die Landschaft mit einem violetten Schimmer der herzzereißend schön ist, der in der Sommesonne flimmert und glitzert wie ein Schatz. Warum bin ich nicht schon früher hier hergekommen?
Provence, je t'aime.Read more



























Traveler
Das sieht ja lecker aus!
Traveler
Die Lavendelfarbe ist ueberall. Wie herrlich!
Traveler
Majestätisch!