• Die Westküste entlang Richtung Trondheim

    June 18 in Norway ⋅ ☁️ 13 °C

    Seit drei Tagen bin ich jetzt schon auf der Strecke zwischen Mo i Rana und Trondheim unterwegs, und zwar auf der Küstenroute FV17. Bis vor ein paar Jahren war es noch die RV17, der Riksveien (Reichsweg), bis man alle RVs demokratisiert und nach dem benannte, der das finanziert hat. Aus dem Reichsweg RV wurde ein Volksweg (fylkesveien) FV.
    Die FV17 ist eine angenehme Variante zur E6, die so etwas wie das Verkehrsrückgrad Norwegens darstellt und im Landesinneren verläuft. Nachteilig an der FV17 ist, dass die sehr langsam ist, obwohl man auch hier die 80 km/h Höchstgeschwindigkeit fahren kann und viele große und lange Brücken die Wege verkürzen. Langsam wird es durch die vielen kleinen Fähren, die meist nur im Stundentakt fahren. Gestern waren es vier.
    An Städten ist Brønnoysund, Namsos und Steinkjer erwähnenswert.

    Brønnøysund, an sich völlig unscheinbar, beherbergt aber die wohl wichtigste norwegische Behörde, das Brønnoysund-Register, dessen Wachtmann und Portier mir vergeblich zu erklären versuchte, welche Daten von hier verwaltet werden. Wahrscheinlich alle, die der norwegische Staat erhebt und nutzt.

    Und in Brønnoysunds Nähe gibt es noch eine schöne Attraktion der Natur, den Torghatten, einen sehr einsamen Berg in der Landschaft, mit einem Loch ganz oben, zu dem ich natürlich gewandert bin, weil das Wetter so schön war. Das Loch entstand wohl durch Brandung, als der Berg noch eine Insel und noch nicht gehoben war.

    Nach nächtlichem Dauerregen bin ich inzwischen in Namsos, was zwar nach einer griechischen Insel klingt, aber ein nettes kleines und sehr lebhaftes Städtchen im südlichen Nordnorwegen ist.

    Namsos gilt aber als "Rock City", nicht wegen eines einzelnen Konzerts , sondern weil hier eine ganze regionale Rockbewegung entstanden ist, die norwegische Rockmusik stark geprägt hat und die bis heute sichtbar ist.

    Steinkjer ist die dynamischste dieser drei Städte. Vielleicht liegt es daran, dass es ein Verkehrsknotenpunkt oder ein größerer Standort der Nord Universitet ist, die sich mit vielen englischsprachigen Studiengängen explizit auch an ausländische Studenten wendet. Hier ist einfach eine gute Atmosphäre. Es gibt viele sehr schöne Cafés, einige Parkanlagen, eine völlig überdimensionierte Kirche und überall ein bisschen Kunst, weil hier auch eine Kunsthochschule ist. Besonders stolz ist man auf das Steinkjer Festival am Wochenende nach Midtsommer, wo das musikalische Spektrum voll ausgeschöpft wird.

    Die Landschaft hier ist jetzt ganz anders als im rauen Norden: Mit dem steten leisen Gebimmel der Kuhglocken und den runden und dicht bewaldeten Bergkuppen sowie den in die Landschaft eingebetteten Seen hat sie was von Voralpenland. Nur das Glockengeläut fehlt, wie fast überall auf meiner Reise (Polen ausgenommen).
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