Fazit
July 19 in Germany ⋅ ⛅ 22 °C
Es sind jetzt einige Wochen vergangen, seit ich von der wohl längsten Reise meines Lebens zurückgekehrt bin, und hatte Zeit, darüber zu erzählen und darüber nachzudenken.
Es war eine großartige Zeit, die ich tatsächlich jeden Tag genossen habe, auch wenn die Natur mir dies nicht immer leichtgemacht hat. Oft öffnete ich am Morgen die Tür meines Caddys und dachte mir, dass der folgende Tag wohl langweilige werden werde, doch nie wurde er es, weil es einfach zu viel zu erleben, zu erfahren und zu bestaunen gab.
Was mich etwas ernüchterte, war mein Aufenthalt in Norwegen. Es mag sein, dass meine Erinnerungen an meine Aufenthalte vor 40 Jahren vieles etwas verklärt hatten und auch die Jahreszeit, in der ich in Norwegen war, um den Mittsommer herum, ein extremes Bild des Tourismus zeigte, aber insgesamt war es nicht mehr das Norwegen, nach dem ich mich gesehnt hatte. Mich berührten im Norden Norwegens immer noch die unvergleichlich schöne Landschaft, mit ihren wunderbaren alpin anmutenden Bergen und tiefen Fjorden und mit einigen abgelegenen Gegenden der Ruhe und Klarheit. So viel konzentrierte Naturschönheit gibt es wohl nur selten in Europa. Doch das wusste nicht nur ich, sondern auch ein Heer von Wohnmobilbesitzern, die nicht nur auf den Lofoten das Land oft bis in den hintersten Winkel eroberten.
Norwegen ist ein Land geworden, das einerseits diese Art des Tourismus hervorragend organisiert, andererseits massiv gegen die Auswüchse des Jedermannrechts kämpft und konsequent an Straßen und Wegen Camping jeder Art verbietet und auch verbieten muss. Obwohl ich bei schönstem Wetter dort war, empfand ich Norwegen menschlich vergleichsweise kalt.
Viel mehr Skandinavien erlebte ich in Finnland, das nun gar nicht mit den extremen Naturschönheiten punkten kann, wo ich aber viel Ruhe an großen Seen oder hochoben ein Meer von Baumwipfeln erleben durfte, und wo im Norden, wie ich erfuhr, der Sommertourismus eher unbedeutend ist. Hier erlebte ich auch die Menschen offener und zugänglicher als in Norwegen.
Nach Estland werde ich wohl bald wieder reisen, weil es mich mit seiner landschaftlichen und kulturellen Vielfalt sehr beeindruckte. Außerdem ist das System der offiziell ausgewiesenen Übernachtungsplätze an besonders schönen Stellen genial. Über die Schönheit von Tallinn brauche ich hier nicht mehr schreiben; darüber ließ ich mich ja schon ausführlich aus.
Was ist noch zu erwähnen? Längere Zeit alleine ohne einen genauen Plan und ohne Komfort zu reisen, ist mein Ding. Es erzeugt bei mir ein Gefühl, das ich inzwischen liebe: Ich fühle mich fremd. Wenn ich so reise, fühle ich mich weder den Wohnmobilisten, den Hurtigroutlern, den Radlern oder den Hotelreisenden zugehörig. Ich bin mit dem Caddy klein, normal und unauffällig und werde meist nicht gesehen, egal, wo ich stehe. Was das Leben doch etwas ungemütlich macht, ist die Suche nach geeigneten Stellen, wo ich das Smartphone oder die Powerbanks aufladen und meine hygienischen Bedürfnisse befriedigen kann. Das sollte sich in Zukunft lösen lasse.
Wunderbar waren auch all die vielen Menschen, die ich kennen lernen durfte. Ich denke da besonders an Jannis aus Sigulda, Jöri und seine Tochter aus Tartu, Jarri und Sarri aus Finnland sowie Denis und Sylvie aus Frankreich, die mir halfen oder mit denen ich ein paar schöne Tage verbringen konnte. Der Dank geht an euch alle und auch auch an die vielen, die meine Reise mit einem kurzen Tratsch oder mit einem gemeinsamen Abendessen bereichterten.
Nach der Reise ist vor der Reise. Im Grunde flitzen mir schon wieder tausend Ideen durch den Kopf, wohin ich in Zukunft reisen könnte. Kirgistan oder Usbekistan würden mich reizen. Das dürfte aber mit dem Caddy schwierig werden, auch wenn ich inzwischen ein Dachzelt habe.Read more





















