• Berliner Mauerweg - die nördliche Schleife

    Jul 15–16 in Germany ⋅ ☁️ 26 °C

    Nachdem ich vorgestern die südliche Schleife des Berliner Mauerwegs geradelt war, kam heute die nördliche Schleife dran. Ich startete am Bendlerblock und fuhr von dort zum Reichstag. Ab da war die Route relativ gut ausgeschildert. Manchmal zwangen mich Straßenbauarbeiten, von der eigentlichen Route abzuweichen. Da ich zum Glück das Navigationssystem mitlaufen ließ, hatte ich dadurch aber keine Probleme.
    Wie schon vorgestern auch, erklärten Tafeln am Wegesrand besondere Geschehnisse an den jeweiligen Stellen. So musste zum Beispiel unweit des Reichstages ein Friedhof mit bedeutenden Persönlichkeiten zum Teil eingeebnet werden, um die Hinterlandbefestigungen auszubauen. Natürlich wurden auch wieder ausführlich Schicksale einzelner Maueropfer beschrieben. Besonders krass war die Darstellung der Verwandlung der Bernauer Straße von einer einstmals belebten Straße hin zu einem Todesstreifen.
    Eine nette Anekdote erfuhr ich aber im Bezirk Eiskeller: Eiskeller lag als Teil West-Berlins auf dem Gebiet der DDR. Die Exklave war mit dem Bezirk Spandau nur durch eine vier Meter breite, 800 Meter lange Zufahrt verbunden.
    Der Verlauf der schon seit 1952 geschlossenen Grenze war hier besonders unübersichtlich:
    Innerhalb der Exklave Eiskeller gab es ein kleines DDR-Gebiet; weitere Flächen des damaligen Bezirks Potsdam ragten nach Eiskeller hinein.
    Drei Familien lebten auf Bauernhöfen in dem
    Gebiet.
    Im Herbst 1961 wurde ihre Situation durch die Geschichte eines 12-jährigen Bewohners weit über Berlin hinaus bekannt. Der Schüler hatte berichtet, er sei morgens auf dem schmalen Zugangsweg nach Berlin-Spandau von Grenz-polizisten der DDR festgehalten worden.
    Die britische Militärregierung reagierte und stationierte vorübergehend 30 Soldaten in der Enklave. Die Kinder von Eiskeller erhielten zeitweilig Geleitschutz durch einen Panzerspähwagen der britischen Armee. Jahrzehnte später stellte sich der Bericht des Jungen als eindrucksvolle Ausrede heraus: In Wahrheit hatte er die Schule geschwänzt.
    Leider waren nicht alle Geschichten so amüsant. In Staaken verlief die Mauer genau auf der Straßenmitte und teilte den Ort in einen Ost- und Westteil. Da die Häuser auf dem Ostteil dem Erdboden gleich gemacht worden waren, stehen heute moderne Einfamilienhäuser auf der Ostseite der Straße und die ältere Bebauung auf der Westseite.
    In Groß Glienicke ging der Wahnsinn der Kommunisten soweit, dass die Mauer ein Gehöft teilte. Die DDR ließ den Ostteil des Gebäudes abreißen, um freies Schussfeld zu haben. Es ist schon unglaublich, welcher Irrsinn von den herrschenden Kommunisten betrieben wurde, um die eigene Bevölkerung am Weglaufen zu hindern. Nicht einmal auf Kinder wurde Rücksicht genommen. So war eines der Maueropfer gerade mal 14 Jahre alt, als es versucht hatte, in den Westteil, wo seine Mutter lebte, zu gelangen. Auch dieses Kind wurde eiskalt niedergeschossen.
    Von Alt Kladow nach Wannsee konnte ich die Fähre nehmen. Das war eine nette Abwechslung zur Fahrradtour. Von Wannsee nach Potsdam zur Glienicker Brücke war es dann nicht mehr weit. Und dort schloss sich der Kreis und ich hatte den kompletten Mauerweg befahren.
    Mittlerweile war es später Nachmittag, und so fuhr ich direkt zum gebuchten Hotel. Und damit endete ein sehr beeindruckender Tag mit interessanten Fakten. Ich kann nur hoffen, dass solche Zeiten nicht noch einmal wiederkehren.
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