Katja Scharff

Joined October 2017
  • Day6

    Totes Meer

    May 3 in Palestine ⋅ ☀️ 26 °C

    Wir fahren eine gute Stunde und durchqueren dabei Ostjerusalem und befinden uns schließlich ohne dass wir es bemerken im Westjordanland. Dessen territoriale Grenzen wurden grob mit dem UN-Teilungsplan von 1947 abgesteckt und zusammen mit dem Gazastreifen als Staatsgebiet für ein unabhängiges Palästina vorgesehen. Die militärische Besetzung durch Jordanien im Ersten Israelisch-Arabischen Krieg und das Waffenstillstandsabkommen mit Israel von 1949 zementierten diese Grenzen. Im folgenden Jahr wurde das Gebiet offiziell von Jordanien annektiert, die palästinensische Bevölkerung konnte automatisch die jordanische Staatsbürgerschaft erwerben. Im Sechstagekrieg 1967 eroberte Israel das Westjordanland. Zunächst unterstanden die besetzten Gebiete direkt der Militärverwaltung. Die Verträge von Oslo der 1990er Jahre vereinbarten eine Übergangslösung, bei der das Territorium in drei Zonen eingeteilt wurde. Zone A untersteht palästinensischer Selbstverwaltung, israelischen Staatsbürgern ist der Zutritt untersagt. Die Zone ist jedoch keinesfalls zusammenhängend, sondern vielfach zerstückelt. In der Zone B sind palästinensische Behörden für die Zivilverwaltung verantwortlich, während sowohl die autonome Polizei als auch israelische Truppen für die Sicherheit verantwortlich sind. Zone C schließlich untersteht der sogenannten Israelischen Zivilverwaltung, die tatsächlich aber dem Verteidigungsministerium untergeordnet ist. Hier sind immer wieder die berüchtigten jüdischen Siedlungen zu finden, wenn in den Medien von ungeheuerlichen Ungerechtigkeiten der israelischen Besatzung zu hören ist, dann geschehen diese meist in dieser Zone. Der Zugang ist für Israelis gestattet. Der Weg zum Toten Meer führt uns durch Zone C und ist komplett unbedenklich. Einen Grenzübergang oder Kontrollen gibt es nicht, dies ist erst auf dem Rückweg nach Israel der Fall.
    Wir fahren über 1200 Höhenmeter hinab, vom Herzlberg auf 834m bis zum Toten Meer auf 420 unterhalb des Meeresspiegels, dem tiefsten Punkt der Erde. Wir gönnen uns die Nutzung eines „Beach Clubs“ mit Kiosk, Sonnenschirmen und - stühlen und - ganz wichtig - Süßwasserduschen. Zunächst gönnen wir uns einen Mittagssnack, den Hanna und Adi noch für uns alle auf dem Markt in Jerusalem erstanden haben, und freuen uns, dass die Sonne etwas hinter den Wolken verschwunden und es dadurch nicht ganz so heiß ist. In Jerusalem waren es übrigens nur knapp über 20 Grad, hier sind es auch ohne Sonne über 30. Gut gestärkt steigen wir die letzten Meter hinab zum Wasser. Dabei ist durchaus Vorsicht geboten, denn direkt am Wasser ist der Boden sehr schleimig und glipisch. Und Ausrutschen und Kopfüber ins Wasser fallen wäre mehr als ungünstig. Wir waten also vorsichtig ins Wasser und drehen uns dann ganz vorschriftsmäßig direkt auf den Rücken. Und tatsächlich, die Beine bekommen sofort Auftrieb und wir schwimmen ganz entspannt an der Oberfläche. Auf der Haut bildet sich sofort ein öliger Film, was am extrem hohen Nährstoffgehalt des Wassers liegt. Wir beobachten einige halbstarke Araber, von denen einer entweder eine Wetter verloren oder sich als tollster Hecht der Gruppe produzieren will und immer wieder untertaucht und Sperenzchen im Wasser macht. Wie sehr seine Augen brennen müssen, will ich mir gar nicht vorstellen. Natürlich reiben wir uns noch kräftig mit dem schwarzen Matsch ein und lassen diesen eine Weile eintrocknen, bevor wir noch einmal ins Wasser gehen und uns abspülen. Insgesamt wirklich ein einmaliges Erlebnis, auch wenn es nichts mit einem entspannten Strandbesuch gemeinsam hat, wie wir ihn normalerweise kennen. Wir genießen noch ein wenig den Ausblick auf Jordanien auf der anderen Seite des Ufers bevor wir uns Abduschen und auf den Rückweg machen. Unsere Haut fühlt sich auch nach dem Duschen noch ganz weich und zart an.
    Auf dem Rückweg passieren wir dann die Grenzkontrolle, was Autos mit palästinensischem Kennzeichen und den entsprechenden Insassen nicht gestattet ist.
    Gegen 18.30h sind wieder wieder in Tel Aviv und verabschieden uns vorübergehend von Hanna und Adi, die mit Adis Familie den Sabbat feiern werden. In dieser Zeit machen wir uns frisch und gehen Abendessen. Marisa hat ein fantastisches, kleines Restaurant ca. 10 Minuten zu Fuß von unserem Apartment herausgesucht. Zum letzten Mal genießen wir Tahine, gebackenen Blumenkohl und Aubergine, Falafel, Pitabrot, gegrilltes Hähnchen mit fantastischem Couscous und Sabish, ein typisch israelischer Salat mit Auberginen, gekochten Eiern und Kartoffeln. Zum Verdauen noch ein Espresso, damit wir auch für den letzten Programmpunkt heute Abend fit sind. Wir treffen uns mit Hanna und Adi im Kuli Alma, einer Bar bzw. Club, wo wir an unserem letzten Abend ein bisschen das berüchtigte Tel Aviver Nachtleben kennen lernen wollen. Hier entsprechen wir eher Altersdurchschnitt, entweder die Mamis und Papis haben heute Ausgang oder in Tel Aviv sind noch mehr Mitdreißiger, die es mit dem Kinderkriegen auch noch nicht so eilig hatten. Schließlich ist es schon fast 3h und wir treten die Heimweg an. Wieder bewehrt sich die gute Lage unseres Apartments und in ca. 20 Minuten Fußweg sind wir angekommen.
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  • Day6

    Yad Vashem

    May 3 in Israel ⋅ 🌫 21 °C

    Um viertel nach 8 treffen Marisa, Addi und ich uns zum Frühstück. Die Auswahl ist fantastisch. Es gibt viele verschiedene eingelegte Gemüsesorten, frisches Obst, verschieden Backwaren, Humus, Tahine, Oliven. Da bleibt kein Wunsch offen.
    Wir checken aus, deponieren unsere Koffer im Auto und verabschieden uns für den Vormittag von Hanna und Adi. Wir drei wollen ins Yad Vashem, die weltweit bedeutendste Gedenkstätte für den Holocaust auf dem Herzlberg. Da Hanna und Adi dort bereits waren, werden wir uns erst am Mittag wieder treffen.
    Wir fahren mit der Light Rail ca. 20 Minuten bis zur Endstation und laufen dann noch einige Minuten, bis wir den Eingang des Komplexes, der sich auf beeindruckende Weise in die Landschaft einfügt, erreichen. Wir leihen uns einen Audioguide und betreten das Herzstück der Gedenkstätte, das Museum. Schon im Eingangsbereich merken wir: obwohl es erst kurz nach 10h ist, ist es unglaublich voll. Vor allem unzählige Gruppen versperren Immer Wieder den Weg und/oder die Sicht auf Exponate und Texte. Die Guides der Gruppen sind zwar alle mit „Flüsterguides“ ausgestattet, also mit Führungsmikros und ihre Teilnehmer mit Kopfhörern, dennoch sprechen viele so laut, dass die ganze Gruppe sie auch problemlos ohne diese Systeme verstanden hätte. So überspringe ich den ersten Raum, wo es um den Aufstieg und Machtergreifung der Nationalsozialisten geht, fast komplett, um mich an den Gruppen vorbeizuschlengeln. Zu Glück ist mir dieser Teil auch hinreichend bekannt, sodass es zu verschmerzen ist. Die verschiedenen Räume der beeindruckenden Ausstellung im Detail zu beschreiben, würde den Rahmen sprengen. Insgesamt verbringen wir über drei Stunden im Museum und haben nicht einmal einen Bruchteil der Texte und Videos angeschaut. In mir kommt vor allem immer wieder ein Gefühl auf: ich schäme mich dafür, dass in unserem Land so etwas passieren konnte. Das Gefühl, all die Texte der originalen Schilder, Bekanntmachungen, Dokumente und so weiter lesen zu können, was sicherlich viele der internationalen Besucher nicht können, verstärkt dies. Auch wenn unsere und auch die Generation unserer Eltern keine Schuld an den Geschehnissen tragen, fühlt man sich verantwortlich. Die Ausstellung endet in der Halle der Namen, einer Kuppel mit Bildern und Dokumenten der jüdischen Opfer, die auf eindrucksvolle Weise den bekannten sowie vor allem den unzähligen unbekannten Opfern des Völkermordes gedenkt.
    Nach Verlassen des Museums besuchen wir noch den Ort der Erinnerung, ein Mahnmal mit den Namen der Arbeits-, Vernichtungs- und Todeslagern sowie der Ghettos. Als letztes gehen wir in das Denkmal für die Kinder. Wer bis jetzt nicht ergriffen war (was eigentlich nicht möglich ist), ist es jetzt. Man betritt einen komplett dunklen Raum, der vollständig verspieglt ist. In der Mitte des Raumes befinden sich zwei bis drei Kerzen, genau erkennen, wie viele es sind, kann man nicht. Diese spiegeln sich rund um einen herum bis ins Unendliche. Dazu werden die Namen und das Alter aller 1,5 Millionen getöteten Kinder verlesen, es dauert drei Monate bis alle Namen einmal verlesen sind.
    Danach müssen wir alle erstmal tief durchatmen.
    Wir machen uns auf den Weg zurück zum Eingang, Hanna und Adi warten bereits auf uns. Wir sind tief beeindruckt und brauchen eine Weile bis wir uns auf den nächsten Programmpunkt des heutigen Tages einstellen können: den Besuch des Toten Meers.
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  • Day5

    Welcome to Jerusalem

    May 2 in Israel ⋅ ☁️ 29 °C

    Um kurz vor 9h holen uns Adi und Hanna ab, denn heute fahren wir nach Jerusalem, wo wir auch eine Nacht bleiben. Nachdem wir uns durch den ausklingenden Berufsverkehr von Tel Aviv gequält haben, kommen wir auch ganz gut voran, eigentlich sind es ja nur gut 70km. Um kurz vor 10h wundern wir uns, warum immer mehr Autos an auf den Seitenstreifen der Autobahn fahren und anhalten. Doch dann fällt es uns wieder ein: heute ist Holocaust Gedenktag und um 10h gibt es nationale Schweigeminute. Wir fahren also auch ran und steigen aus dem Auto aus. Um Punkt 10h hören wir Sirenen aus nah und fern, fast alle Autos haben angehalten und die Insassen sind ausgestiegen. Es ist ein beklemmendes aber auch bewegendes Gefühl. Die Sirenen verstummen und wir steigen wieder ein und setzen unseren Weg fort.
    Wir steuern als erstes unser Hotel an, was praktischerweise eine Tiefgarage hat. Wir können zwar noch nicht einchecken, aber so sind unsere Koffer gut verwahrt. In der Nähe stärken wir uns mit einem kurzen Frühstück und machen uns dann auf den Weg in die Altstadt. Unser Hotel liegt sehr zentral, sodass wir laufen können. Über die Jaffa Street, die Hauptachse der Fußgängerzone des modernen Jerusalem, wo auch der Light Rail (die Straßenbahn) fährt, erreichen wir nach gut zehn Minuten das Jaffa Gate, einer der sieben Zugänge zum historischen Stadtkern. Wir laufen die David Street hinab, eine enge Gasse, wo links und rechts ein Souvenirladen am anderen liegt. Hier werden wir heute noch diverse Male vorbeikommen... Am Ende der Gasse biegen wir links ab, quetschen uns mit gefüllt 1000 anderen Menschen durch einen schmalen Durchgang und stehen plötzlich vor der Grabeskirche. Hier soll laut der katholischen Kirche - wie der Name schon sagt - Jesus Christus gekreuzigt und begraben worden sein. Wirklich gesichert nachweisbar ist dies zwar nicht, die Kirche wird aber dennoch von sechs christlichen Gemeinschaften als ihre wichtigste Pilgerstätte angesehen: Katholiken, Griechisch-Orthodox, Armenier, Syrer, Äthiopier und Kopten. Sie konkurrieren in einer ständigen Auseinandersetzung um Rechte und Privilegien in der Kirche. Seit 1757 regelt ein "Status Quo" genanntes Abkommen au die Minute genau, wer wann wo seine Riten abhalten darf. Den Schlüssel zur Kirche verwalten seit dem 12. Jahrhundert zwei muslimische und damit neutrale Familien. Über dem Eingangsportal zur Kirche sieht man eine Leiter, die dort angeblich seit 150 Jahren steht, weil sich die Glaubensgemeinschaften nicht einigen können, wer sie entfernen darf.
    Wir sind also durch diese Geschichten und auch durch Erzählungen von Anja und Stefan sowie Hanna und Adi schon darauf vorbereitet, dass die Basilika eher wie ein Tollhaus als wie ein heiliger Ort wirkt, dennoch können wir das Treiben in der Kirche nicht fassen. Direkt hinter dem Eingang liegt der Salbungsstein, auf dem Jesus nach der Kreuzigung gelegen haben soll. Er gilt als gemeinschaftliches Eigentum aller sechs Kirchen und dementsprechend groß ist das Gedränge. Die Menschen platzieren Gegenstände auf dem Stein, berühren und küssen ihn oder reiben einfach gleich ihr Gesicht daran. Bei dem Gedanken, wie viele Keime sich auf diesem Stein befinden, überläuft uns ein Schauer... Dass der Stein nachweislich erst seit dem 19. Jahrhundert existiert und hier liegt, interessiert dabei scheinbar nicht. Unter der zentralen, mächtigen Kuppel befindet sich das eigentliche Mausoleum. Es enthält zwei winzige Räume: im ersten wird ein Teil des Steines aufbewahrt, der die Grabkammer verschlossen haben soll. Durch eine sehr niedrige Tür gelangt man in den zweiten Raum, wo der Überlieferung nach der Leichnam gelegen haben soll. Diese Informationen haben wir allerdings nur aus dem Reiseführer, denn die Schlange, um in das Mausoleum einzutreten schlängelt sich einmal komplett durch die Rotunde. Gute zwei Stunden soll es dauern, bis man am Eingang ist. Wir beschließen, dass uns ein Blick in den Eingangsbereich reicht und verlassen diesen sehr speziellen Ort, nachdem wir noch einen Blick in die diversen kleinen Kapellen der verschiedenen Glaubensgemeinschaften geworfen haben.
    Nachdem wir nun also die wichtigste Pilgerstätte der Christen besichtigt haben, machen wir uns auf den Weg zum Äquivalent für die Juden: der Klagemauer. Klagemauer ist übrigens ein Begriff, der nur von Nichtjuden verwendet wird. Die britische Mandatsmacht hatte ihn im 20. Jhd. geprägt. Die Juden selbst sprechen von der "Westwand" bzw. "Western Wall". Bevor wir den großen Platz vor der Klagemauer betreten dürfen, müssen wir unseren Rucksack durchleuchten lassen und einen Metalldetektor passieren. Gebetet wird an der Klagemauer geschlechtergetrennt (wenn auch erst seit 2013, vorher war dies einzig den Männern vorbehalten), sodass wir uns also kurz aufsplittern. Die zwei Ad(d)is rüsten sich mit je einer Kippa aus, wir müssen keine weiteren Vorkehrungen treffen. Die Stimmung hier ist sehr viel ruhiger und der Besonderheit des Ortes angemessen. Die Menschen sitzen entweder direkt vor der Mauer oder auf Stuhlreihen etwas weiter entfernt, viele haben im stillen Gebet die Augen geschlossen. Auch wir notieren Wünsche und Bitten auf einem kleinen Zettel, den wir in die Mauer stecken. In jedem Jahr platzieren Gläubige und Touristen etwa eine Million Papierfetzen in den Ritzen, die alle sechs Monate entfernt und auf dem jüdischen Friedhof des Ölbergs vergraben werden. Die Klagemauer zieht sich über fast 500m entlang der gesamten Westseite des Tempelberges, jedoch sind nur 57 m davon sichtbar. Der Rest ist von Gebäuden verdeckt oder baulich integriert. Die Bereiche für Männer und Frauen sind mit einem Sichtschutz getrennt. Leider stehen viele Touristinnen auf der Befestigung des Sichtschutzs und versuchen darüber hinweg in den Bereich der Männer zu sehen, was wir als sehr schade und respektlos empfinden.
    Um die wichtigsten Pilgerstätten der drei großen Glaubensrichtungen in Jerusalem direkt von unserer Besichtigungsliste abzuhaken, wollen wir als nächstes auf den Tempelberg. Der Zugang liegt direkt neben der Klagemauer und wir sind genau pünktlich für den Nachmittagsslot von 13.30 - 14.30h. Wir sind ein bisschen nervös, ob wir wohl auch Zugang bekommen, denn manchmal ist dieser nämlich auch aus unerfindlichen Gründen einfach nicht möglich, was in unserem Fall schlecht wäre, da der Zugang am morgigen Freitag auf jeden Fall nicht möglich ist. Aber wir haben Glück: sogar schon einige Minuten vor halb zwei bewegt sich die Schlange und nach gut zehn Minuten passieren wir die Sicherheitskontrolle. Ein weiterer spannender Moment ist, als Adi die Kontrolle passiert, denn offiziell ist ihm zwar als Jude der Zugang zum Tempelberg gestattet, sicher ist er sich aber nicht, ob es klappt. Er muss seinen Pass vorzeigen (wir nicht), aber er darf passieren. Wir bekommen aber direkt hinter der Kontrolle noch eine gesonderte Einführung in die Verhaltensregeln von einem - sehr freundlichen - Sicherheitsbeamten: wir dürfen auf dem Tempelberg nicht beten und uns auch nicht berühren oder gar küssen. Wir Frauen müssen unsere Arme und Dekolletee bedecken, lange Hosen haben wir alle sowieso an. Dem muslimischen Aufsichtspersonal direkt am Zugang zum Plateau ist es dann allerdings nicht genug, dass Hanna und ich uns mit einem Tuch die Arme bedecken (wir haben beide T-Shirts an), und so müssen wir noch einmal ein Shirt mit 3/4 Ärmeln überziehen. Das damit mehr von unseren Armen sichtbar ist, als es mit unserem Tuch der Fall gewesen wäre, stellen wir mal nicht in Frage.
    Das Plateau ist größer als wir erwartet haben. Wir laufen zunächst an der Al-Aqsa Moschee vorbei, der drittwichtigsten Moschee des Islam. Betreten dürfen wir sie leider nicht, dies ist nur Muslimen gestattet und wird wohl ggf. auch mit einer Abfrage des religiösen Wissens getestet, wenn man versucht, Zutritt zu erhalten. Wir laufen weiter zum Felsendom, einem der ältesten und schönsten Beispiele islamischer Architektur. Mit seiner goldenen Kuppel ist er einer der bekanntesten Bauwerke Jerusalems. 1993 verkaufte König Hussein von Jordanien eine Immobilie in London und finanzierte damit die Verzierung mit 80kg Blattgold. Das eigentliche Heiligtum des Felsendoms ist im Übrigen nicht der Dom selbst, sondern der Fels im Inneren. Hier soll Mohammed seine nächtliche Reise in den Himmel angetreten haben. Juden dagegen verehren den Fels als die spirituelle Verbindung von Himmel und Erde. Betreten dürfen wir auch diesen nicht, dies ist ebenfalls ausschließlich Muslimen vorbehalten.
    Mit dem Felsendom im Hintergrund machen wir ein Selfie von uns allen. Dabei stehen wir offensichtlich zu nah beieinander für den Geschmack eines Aufsehers, der sofort herbeieilt und uns dies mitteilt. Wir umrunden den Felsendom und verlassen dann den Tempelberg über einen Zugang im Nordwesten. Es ist höchste Zeit für eine kleine Pause und wir suchen uns wieder in der Nähe der Grabeskirche ein kleines Café für eine frische Limonade und arabischen Kaffee. Adi und Hanna beschließen nach der Pause schon einmal ins Hotel zu gehen und sich noch etwas auszuruhen. Marisa, Addi und ich wollen noch den südlichen Teil der Stadtmauer begehen.
    Dieser führt uns vorbei am armenischen und jüdischen Viertel. Zudem haben wir immer wieder tolle Blicke auf Ostjerusalem und das dahinterliegende Westjordanland. Nach da. einer Stunde kommen wir am Dungtor heraus, welches wieder neben der Klagemauer am Fuß des Tempelbergs liegt. Wir schlendern noch ein wenig durch das jüdische Viertel auf der Suchen nach einem Aussichtspunkt, von dem man auf den Tempelberg schauen kann. Ein orthodoxer Jude bekommt mit was wir suchen und führt uns zum Ausblick. Auf dem Vorplatz vor der Klagemauer finden gerade Vorbereitungen für eine Militärversammlung statt, vielleicht im Zuge des heutigen Holocaustgedenktags. Als wir uns zum Gehen aufmachen, scheint es mit der Nächstenliebe des Orthodoxen nicht mehr ganz so weit her zu sein, er erwartet ein Trinkgeld dafür, dass er uns den Weg gezeigt hat. Als wir dies verweigern, lässt er uns aber auch ziehen.
    Auf wundersame Weise kommen wir wieder an der David Street heraus, die wir heute ja schon einige Male begangen haben. Der Reiseführer hat hier mal wieder recht: wenn man sich innerhalb der Altstadt nicht orientiert und einfach losläuft, landet man irgendwie immer wieder an denselben Punkten. Es ist schon kurz vor 17h und so machen wir uns ebenfalls auf den Weg zurück zum Hotel. Leider haben wir keine Zeit mehr noch durch das muslimische Viertel der Altstadt zu laufen und eventuell den ein oder anderen christlichen Pilger zu sehen, der mit einem Mietkreuz den Kreuzweg nachläuft, aber dann heben wir uns das einfach für unseren nächsten Jerusalembesuch auf.
    Im Hotel beziehen wir unsere sehr schönen Zimmer im 5. Stock und machen uns kurz frisch. Zum Abendessen wollen wir zum Mahane-Yehuda-Markt, dem größten Markt der Stadt. Zwischen den Ständen, die alle möglichen Lebensmittel verkaufen, finden sich diverse Restaurants und Bars. Ab ca. 19h / 20h, wenn die Stände langsam schließen, verwandelt sich der Markt in eine große Bar, alle paar Meter schallt andere Musik, die Bars scheinen sich gegenseitig übertreffen zu wollen. Bevor wir uns ins Nachtleben stürzen, müssen wir uns aber stärken. Wir gehen zielstrebig zum Laden von Manou, wo es die besten libanesischen Spezialitäten gibt. Wir haben Glück und bekommen direkt einen Tisch, so viele gibt es nämlich davon nicht. Wir bestellen einmal die Karte rauf und runter und lassen uns Humus, Falafel, gefüllte Weinblätter, Shakshuka, Kebab, gebackene Aubergine und Tahine schmecken. Herrlich!
    Zum Verdauen schlendern wir danach durch alle Marktgassen und beobachten das bunte Treiben. Viele Stände, vor allem die mit Backwaren, versuchen kurz vor Feierabend noch die restlichen Waren zu sehr günstigen Preisen loszuwerden und die Einheimischen versuchen die besten Schnäppchen zu machen. Wir kehren bei zwei verschiedenen Bars ein und stellen fest, dass wir insgesamt den Altersdurchschnitt ziemlich nach unten ziehen. Die meisten sind ca. Mitte 20, es gibt auch einige Ältere ab ca. Mitte 40, aber in unserem Alter sehen wir so gut wie niemanden. Adi und Hanna erklären uns, dass die meisten Israelis in unserem Alter 1 bis 2 bis 3 kleine Kinder zu hause haben und daher um diese Zeit selten in Bars anzutreffen sind.
    Auch uns hat der lange Tag geschafft und gegen Mitternacht machen wir uns auf den Weg zurück ins Hotel. Marisa, Addi und ich freuen uns, dass uns morgen früh kein Baulärm wecken wird!
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  • Day4

    Ausflug nach Nazareth und Akko, Teil 2

    May 1 in Israel ⋅ ⛅ 20 °C

    Akko ist eine schöne, alte Hafenstadt, die ebenfalls ins UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen wurde. In der historischen Altstadt herrscht eine entspannte Atmosphäre, es ist belebt aber nicht übermäßig viel los. Wir schlendern über den Markt in den Hafen, wo man noch Teile der alten Stadtmauern und Festungen erkennen kann. Nachdem Marisa den Angriff einer Biene knapp überlebt hat, lassen wir uns erstmal auf ein Getränk in einem kleinen Restaurant nieder und beobachten die jugendlichen Halbstarken, die sich todesmutig von der ca. 10 m hohen Stadtmauer ins Wasser stürzen. Immer wieder rasen außerdem Schnellboote mit johlenden Fahrgästen an uns vorbei, die hier ihre Kreise ziehen. Wir setzen unseren Rundgang durch die Altstadt fort und kommen an der Anlegestelle der Schnellboote an. Wir stellen fest, dass es einen Anbieter für Juden und einen für Araber gibt… Beide sind stark frequentiert von Schulklassen, die auf ihre Tour warten.
    Bevor wir zurück zum Auto gehen und uns auf den Rückweg machen, decken wir uns noch mit Essen für heute Abend ein. Denn morgen ist Holocaust Gedenktag und daher sind heute Abend ab ca. 18h alle Geschäfte und Restaurants geschlossen, sodass wir uns selbst versorgen müssen. Zum Glück haben wir Hanna und Adi, die sowas wissen, denn ansonsten haben wir nirgendwo hinweise darauf gesehen. Wir erwerben Humus, Falafel, Oliven, Feta und Pitabrot sowie Cashews und Pistazien. Dazu bekommen wir noch scharf eingelegte Zitronen geschenkt, eine eine marokkanische oder afghanische Delikatesse. Durch Zufall kommen wir noch an einer kleinen Patisserie vorbei, die jede Menge Baklavavarianten verkauft, sodass für den Nachtisch auch gesorgt ist. Mit noch ein paar Flaschen Bier sind wir jetzt bestens ausgestattet für den Abend.
    Auf der Rückfahrt fallen dem ein oder anderen die Augen zu, es war ja auch ein langer, ereignisreicher Tag. Wir durchqueren noch Haifa, uns scheint es aber auch ausreichend, diese Großstadt mit wenig touristischen Attraktionen aus dem Auto gesehen zu haben. Bis zur Stadtgrenze von Tel Aviv kommen wir recht gut voran, dann erwischt uns leider der Feierabendverkehr, sodass wir für die letzten Kilometer noch eine ganze Weile brauchen.
    Um kurz vor 19h setzen uns Hanna und Adi an unserem Apartment ab. Sie sind heute Abend bei Adi Familie, seine Mama hat heute Geburtstag. Wir machen noch einen kurzen Abstecher zum Strand und halten kurz die Zehen ins Wasser. Ziemlich frisch, zumal heute Abend auch ein recht starker Wind aufgekommen ist, sodass es gar nicht mehr so warm ist. Daher laufen wir recht schnell wieder zurück nach Hause und machen uns über unsere Vorräte her. Es ist wirklich schön, dass unser Häuschen so einen schönen, kleinen Innenhof hat, sodass wir entspannt draußen sitzen können. Nun müssen wir noch ein bisschen packen, denn morgen geht es nach Jerusalem, wo wir auch eine Nacht übernachten.
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  • Day4

    Ausflug nach Nazareth und Akko, Teil 1

    May 1 in Israel ⋅ ⛅ 27 °C

    Heute haben wir einen Tagesausflug geplant, um noch etwas mehr von diesem faszinierenden Land zu sehen. Adi und Hanna holen uns um kurz vor neun ab und wir starten Richtung Norden. wir fahren vorbei an den großen Strandhotels Tel Avis, eine Augenweide sind sie nicht gerade. So richtig kann man nicht sagen, wann wir die Stadt verlassen, der Übergang zwischen Tel Avis und den angrenzenden Vorstädten ist fließend. Wirklich unbesiedeltes Gebiet gibt es fast nicht. Nach ca. einer Stunde machen wir einen Kaffee- und Frühstücksstop. Nach weiteren 1,5 Std. erreichen wir unser Ziel: Nazareth, laut der Bibel die Heimat- und Vaterstadt Jesus und neben Jerusalem und Bethlehem die wichtigste christliche Pilgerstadt. Gleichzeitig ist Nazareth aber mit 60% muslimischer Bevölkerung und über einem Drittel arabischer Christen bei knapp 76.000 Einwohnern die arabische Hauptstadt Israels. Die Juden leben in der höhergelegenen Nachbarstadt Nazareth-Illit, die wie eine jüdische Siedlung im Westjordanland erscheint.
    Nachdem wir recht schnell ein Parkhaus gefunden haben, machen wir uns auf zur wichtigsten Sehenswürdigkeit Nazareths, der Verkündungsbasilika. Hier soll der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria ihre Schwangerschaft angekündigt haben. Allerdings nicht in der Kirche, die wir besichtigen - diese wurde nämlich 1960 - 69 gebaut (es ist bereits die 4. Kirche an dieser Stelle), sondern in einer Höhle hinter dem Wohnhaus von Maria und Josef, welche heute Teil der Kirche ist. Der sehr eigenwillige Bau - mehr dazu gleich - entworfen von einem Mailänder Architekten ist das größte christliche Gotteshaus im Nahen Osten. Die Kirche hat zwei Stockwerke. Im dämmrigen Untergeschoss befindet sich die Verkündigungsgrotte sowie bauliche Reste der Vorgängertempel. Im Obergeschoss befindet sich das eigentliche Kirchenschiff mit Altar und Orgel, welche übrigens wie die der Jerusalemer Grabeskirche und der Bethlehem Geburtskirche von der Vorarlberger Firma Rieger stammt.
    Da wir nun schon mal da sind, reihen wir uns in die Schlange der Gläubigen ein, welche sich vorbei an der Grotte schieben, Fotos machen und sich bekreuzigen. Uns kommt das alles eher spanisch vor, zumal es in Nazareth noch zwei weitere Orte gibt, an dem Maria den Erzengel getroffen haben soll: denn sowohl für die griechisch-orthodoxen als auch für die koptischen Gläubigen hat dieses Ergebnis an anderer Stelle stattgefunden. Nun ja.
    Sowohl im Obergeschoss der Kirche als auch im Außenbereich finden sich Mosaike aus den verschiedensten Ländern der Erde zu Ehren der Jungfrau Maria. Nur ein paar hundert Meter neben der Basilika befindet sich die kleinere Josefskirche, die dort errichtet wurde, wo Josef seine Tischlerwerkstatt bzw. sein Wohnhaus gehabt haben soll.
    Wir verlassen diesen Ort und schlendern noch ein wenig durch das angrenzende Marktviertel, welches jedoch im Gegensatz zur Kirche, die von Touristengruppen aus aller Welt bevölkert war, recht leer ist. Langsam regt sich ein leichtes Hüngerchen und wir stoßen in einer Seitenstraße auf eine fantastische kleine Bäckerei, in der wir uns mit Fladen mit Zatar, Käse und Tomaten sowie mit Teigtaschen gefüllt mit Spinat und Käse eindecken. Auf der Suche nach einem netten Plätzchen, wo wir uns zum Essen niederlassen können, laufen wir allerdings wieder bis zurück zu unserem Auto, wo in der Nähe ein kleiner „Park“ war. Die Fladen und Taschen schmecken fantastisch, das Ambiente ist etwas fraglich. Nazareth ist eine recht arme Stadt, in dem Park scheinen Obdachlose zu kampieren, die uns zwar in Ruhe lassen, sich gegenseitig allerdings nicht so wohlgesonnen sind…
    Mit vollen Mägen machen wir uns zurück auf den Weg zum Auto. Der zweite Stopp heute wird Akko sein, welches noch einmal ca. 45 Minuten entfernt wieder an der Küste und etwas nördlicher als Nazareth liegt. Zunächst führt uns das Navi aber erstmal durch kleine Gässchen den Berg hinauf, so dass wir noch einen schönen Blick auf Nazareth haben, was mit seiner engen Bebauung den Hang hinauf und den Zypressen dazwischen auch eine Stadt in der Toskana sein könnte.
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  • Day3

    Die bunte weiße Stadt

    April 30 in Israel ⋅ ⛅ 23 °C

    Nach einer etwas unruhigen Nacht - gegen 3h kam die Müllabfuhr, gegen 6.30h war Arbeitsbeginn auf der benachbarten Baustelle - erwartet uns ein weiterer sonniger Tag in Tel Aviv.
    Leider muss ich heute morgen noch an einer Skype-Konferenz teilnehmen :( In der Zeit genießen Marisa und Addi ihr erstes Shakshouka, das israelische Nationalgericht aus Eiern, Zwiebeln und Tomate. Sie bringen mir netterweise auch etwas zum Frühstück mit: herrliches Pita mit Zatar, einer Gewürzpulvermischung auf Basis von Thymian und Sesam, mit einem Schuss Olivenöl und dazu frische Erdbeeren, Kiwi und Ananas.
    Kurz nach halb zwölf holen uns dann Adi und Hanna ab und wir starten unsere Erkundungstour. Zunächst schlendern wir wieder durch die Straßen von Lev Hair, wieder vorbei am Carmel Market bis wir zur Nachhalat Binyamin Street kommen, einer Fußgängerzone, in der zweimal in der Woche Straßenmarkt stattfindet, der sich auf alle Arten von Kunsthandwerk aus allen Ecken Israels spezialisiert hat. Er wurde 1987 mit nur einer Handvoll Künstlern gegründet, heute gibt mehr als 200 Stände. Links und rechts säumen Straßencafés den Weg, immer mal wieder spielt ein Straßenmusiker - die Stimmung und die Atmosphäre ist einfach fantastisch. Häufig fühlen wir uns an Istanbul erinnert, auch an Nordzypern im Allgemeinen und an Nikosia im Besonderen erinnert uns das Stadtbild immer mal wieder. Letzteres ist beeindruckend abwechslungsreich: wunderschöne viktorianische Stadthäuser stehen neben verfallenen Ruinen, dahinter futuristische Hochhäuser. Der Bauhaus-Stil ist extrem stark vertreten: bescheidene, weiß getünchte Ein- oder Mehrfamilienhäuser, einfach und funktional haben der Stadt den Spitznamen "Weiße Stadt" eingebracht und außerdem den Titel UNSESCO Weltkulturerbe. Die Bauhaus-Idee wurde genau wie die Juden von den Nazis verfolgt, um hier zu einer neuen Blüte zu gelangen. Oft wird der Stil auch als "internationaler Stil" bezeichnet, den tatsächlich haben die Architekten auf Wunsch der zugewanderten Bauherren Stilelemente aller möglichen Richtungen und Regionen vermischt und so einen ganz eigenen Stil in Tel Aviv entwickelt. Im Kontrast mit dem tiefblauen Himmel, den allgegenwärtigen Palmen und den farbenprächtigen Bougainvillen entsteht ein extrem gefälliges Gesamtbild.
    Wir verlassen die Nachhalat Binyamin Street und gelangen auf den Boulevard Rothschild, den Prachtboulevard der Stadt sowie eine der sozial, ökonomisch sowie politisch wichtigsten Straßen der Stadt. Benannt wurde er nach Baron Abraham Edmond James de Rothschild, Mitglied der berühmten Bankiersfamilie. Die Straße ist durch einen breiten, mit Bäumen gesäumten Grünstreifen getrennt, der Fuß- und Radweg sowie immer wieder kleine Spielplätze, Sportgeräte, Stände und Bänke bietet. Hier stand das erste Rathaus, hier wurde erstmal im Land auf das Fahrrad als modernes, urbanes Verkehrsmittel gesetzt und Israel gegründet: mangels alternativer Versammlungsorte rief David Ben-Gurion nämlich am 14. Mai 1948, acht Stunden vor Ablauf des britischen Mandats, in der Eingangshalle des bunkerartigen Gebäudes mit der Hausnummer 49 die Republik Israel aus. Nicht nur das Ereignis selbst war in höchstem Maße improvisiert, auch der Text der Unabhängigkeitserklärung wurde bis zum letzten Moment diskutiert, wobei sich schon der Bruch zwischen Religiösen und Säkularen abzeichnete, als es um die Nennung Gottes in der Erklärung ging. Auch der Name des neuen Staates zwar zwei Tage vor seiner Ausrufung noch umstritten. Neben Israel standen auch Judäa, Zion, Fiona und Ivriya zur Debatte. Ben-Gurions Vorschlag setzte sich schließlich durch. Ort und Zeit der Staatsgründung wurden zunächst geheim gehalten, da man fürchtete, die Briten könnten den Akt noch verhindern wollen. Die Einladungen an die 250 Gäste wurden am selben Morgen verteilt. Um genügend Anreisezeit zu bieten, aber auch nicht mit den religiösen Vorschriften des Sabbat ins Gehege zu kommen, wurde der Veranstaltungsbeginn auf 16h gelegt. Ein Angestellter der Jewish Agency vervielfältigte in letzter Sekunde noch den Deklarationstext. Mangels eigenen Wagens musst er auf der Straße ein Privatfahrzeug anhalten und um Mitnahme bitten. Allerdings besaß der hilfsbereite Fahrer keinen Führerschein, der Wagen war nur geliehen und wurde prompt wegen Geschwindigkeitsübertretung angehalten. Die nationale Notlage erkennend, ließ der Polizist Gnade vor Recht ergehen und der Staatsgründungstext erreichte die Zeremonie in letzter Sekunde.
    Nach so viel Geschichte und dem langen Spaziergang den gesamten Rothschild Boulevard hinunter, lassen wir uns in einem Café für einen Snack nieder. Es gibt Tomatensalat mit Koriander, Kichererbsen, Kebab, Tahini - klassisch und in grün mit Petersilie - und eine etwas undefinierbare Fischpaste. Lecker!
    Am Nachmittag wollen wir noch einen Ausflug nach Yaffa machen. Das 1909 gegründete Tel Aviv war ursprünglich ein Vorort der bereits seit der Antike bestehenden Hafenstadt Jaffa. Dem UN Teilungsplan zu Folge sollte Jaffa dem palästinensischen Staat zugeordnet werden, doch Israel beschloss die Annektierung und Eingliederung in das neue Stadtgebilde Tel Aviv-Yafo.
    Die gut 3km dort hin wollen wir mit den allgegenwärtigen Elektrorollern zurücklegen, die man an jeder Ecke per App leihen kann. Anja hatte mir vorher schon davon erzählt und ich hatte die App bereits installiert. Nachdem sich auch alle anderen mit der App ausgerüstet und wir uns alle gegenseitig eingeladen haben, damit jeder jeweils eine Freifahrt bekommt, sammeln wir die Roller in der Nachbarschaft zusammen und machen uns auf den Weg die Strandpromenade hinunter - ein Heidenspaß. Und bei einer Maximalgeschwindigkeit von 25kmh sind wir in Nullkommanichts da.
    Das Gebiet von Jaffa ist seit 7500 Jahren vor Christus besiedelt. Hier soll der Prophet Jona abgesegelt und nachdem er von seinen Mitreisenden von Bord geworfen wurde auch wieder vom Wal ausgespuckt worden sein, in der griechischen Mythologie soll die Königstochter Andromeda an den Felsen vor Jaffa geschmiedet worden sein, um sie dem Seeungeheuer Ketos zu opfern und die Ägypter sollen eine dem trojanischen Pferd ähnliche List angewandt haben, um die Stadt 1440 vor Christus zu erobern.
    Nach der Zusammenlegung mit Tel Aviv verharrte Jaffa in den darauffolgenden Jahrzehnten im Schatten der schnellwachsenden Metropole auf dem Niveau eines städtischen Slums. Erst in den 1990er Jahren entdeckte Israel den touristischen Wert der historischen Altstadt und investierte in die Renovierung. Dabei wurde leider ein Großteil des alten Gebäudebestandes beseitigt, neu aufgebaut und dann wieder auf alt getrimmt. Dieser Prozess dauerte bis weit ins neue Jahrtausend hinein. Dank des Zustroms von Künstlern und jungen Leuten ist Jaffa heute ein hippes Viertel mit vielen Bars, Restaurants und Cafés. Wir schlendern durch die engen Gassen der Altstadt hinauf und genießen oben den Blick auf das Meer und die Skyline von Tel Aviv. Auf der "Wunschbrücke" soll man sich mit der Hand auf das Abbild seines Sternbildes und den Blick aufs Meer gerichtet etwas wünschen, was dann in Erfüllung gehen soll - wir sind gespannt. Zum Glück ist keiner von uns Widder, das Abbild sieht nämlich eher aus wie ein Schaf, da ihm vor allem die charakteristischen Hörner fehlen. Wie sehr das die Erfüllung des Wunsches beeinflussen würde, vermögen wir uns nur auszumalen.
    So langsam regt sich Durst und Hunger und wir suchen uns eine Bar / Restaurant, wo wir uns sowohl durch die Essens- als auch die Getränkekarte probieren. Es gibt Lahmajun mit Lamm und Spinat, Frischkäse mit Oliven und Tomaten, Blumenkohl mit Lamm, Rind, Koriander, Petersilie und Tomaten und eine Art Börek, als Blätterteig gefüllt mit Käse und in diesem Fall Kartoffeln. Als Abschluss lassen wir uns bei der Abouelafia Bäckerei noch verschiedene kleine Brote gefüllt mit Käse, Tomate oder Kartoffel.
    Mit kugelrunden Bäuchen schnappen wir uns wieder fünf Roller für den Rückweg und stellen beim Erreichen der Strandpromenade fest, dass hier gerade ein riesiger Nachtlauf stattfindet: es wuselt von vor allem Frauen, die die Promenade auf und ab joggen. Weiter oben stellen wir fest, dass auch die große Hauptverkehrsstraße für den Lauf gesperrt ist. Wir verabschieden uns von Hanna und Adi, die sich einen Weg durch die Läuferinnen schlagen, um zu ihrem Auto zu kommen. Auch wir schaffen es den Boulevard zu überqueren und cruisen bis zu unserem Apartment.
    Im Späti wollen wir noch eine Flasche Wein erstehen, beschließen aber bei Preise von über 20€ die Flasche auf Bier und Cola umzusteigen. In unserem gemütlichen kleinen Gärtchen lassen wir den Abend ausklingen.
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  • Day2

    Schalom Tel Aviv

    April 29 in Israel ⋅ ☀️ 26 °C

    Mit etwas Verspätung machen wir uns auf zum Flughafen, nachdem ein Reiseteilnehmer noch Handy und Portemonnaie einsammeln musste, die gestern irgendwie nicht den Weg ins Auto gefunden haben.
    Aber kein Problem, 6.30h sind wir am Flughafen und da wir von B fliegen, wo auch nur unser Flieger abgefertigt wird, können wir entspannt Pass- und Sicherheitskontrolle passieren. Zeit für ein Frühstück bleibt auch noch und dann wird pünktlich geboardet. Wir verlassen Berlin bei Nieselregen und 8 Grad und freuen uns gleich noch mehr, als der Kapitän Sonne und 31 Grad in Tel Aviv ankündigt.
    Die Flugzeit von knapp 4 Std. nutzen wir für einen etwas intensiveren Blick in den Reiseführer, der bisher eindeutig zu kurz gekommen ist, obwohl Anja uns extra noch ihren Reiseführer vorab per Post geschickt hat. Denn auch wenn wir in der komfortablen Situation sind, dass wir ja einen Experten dabei haben, wollen wir dennoch ein bisschen vorbereitet sein.
    Pünktlich um 13.15 Ortszeit landen wir. Nach Bustranafer zum Terminal stiefeln wir mit etwas gemischten Gefühlen zur Einreise, denn man hört ja immer wieder von intensiven Befragungen durch die Behörden.... Wir reihen uns also ein und beobachten schon den ein oder anderen, der von einem Flughafenmitarbeiter aus der Schlange weggeführt wird... Nun sind Addi und ich an der Reihe - und passieren ohne eine Frage gestellt zu bekommen! Marisa ist als nächstes dran und muss lediglich erklären, dass sie mit uns reist und woher wir uns kennen. Also alles problemlos.
    In der Ankunftshalle warten schon Hanna und Adi auf uns, die so lieb sind, uns mit dem Auto abzuholen. Los gehts in die Stadt, zu unserem Airbnb. Wir sehen erste Palmen und freuen uns wie kleine Kinder.
    Unser Airbnb ist ein süßes, kleines Häuschen, nur ein paar hundert Meter vom Strand entfernt. Nachdem wir uns kurz eingerichtet haben, ziehen wir zu Fuß los, denn seit dem Frühstück um 7.30h gab es nichts mehr zu essen.
    Um die Ecke vom Carmel Markt, Tel Avis größtem Markt, der nur ein paar Gehminuten von unserem Apartment entfernt liegt, lassen wir uns in einem kleinen Restaurant nieder und genießen fantastisches Pitabrot mit Salat, Koriander, Petersilie, Zwiebeln, Tahini (Sesamsoße) und zusätzlich wahlweise mit Merguez oder Lamm Kebab. Herrlich! Dazu gibts noch gebackenen Blumenkohl, ebenfalls mit Tahini.
    So gestärkt machen wir uns auf den Weg über den Carmel Markt: ein quirlige Straße, auf dem Händler links und rechts so gut wie alles verkaufen, von Kleidung über Gewürze und Obst bis hin zu Elektronik. Es herrscht lebhaftes Treiben, herrlicher Trubel, eine fantastische Vielfalt an Farben und Gerüchen - alle Sinne werden auf einmal angeregt.
    Wir lassen uns noch einen frischen Smoothie schmecken, kaufen Trauben und Halva, ein festes, trockenes Mus aus Sesampaste, was süß schmeckt und genießen die Atmosphäre. Wir stellen fest, dass vor allem das Gemüse gerne mal etwas größer ausfällt als bei uns.
    Wir schlendern noch etwas weiter durch das Viertel Lev Hair und kehren schließlich auf ein Bierchen in einer netten, kleinen Bar ein.
    Später beschließen wir noch einen Abstecher an den Strand zu machen, der ja nicht weit von unserem Apartment liegt, wo wir uns noch einen Sundowner schmecken lassen. Der "extremely drinkable rosé" bleibt etwas hinter seiner vollmundigen Ankündigung zurück, aber das verzeihen wir ihm. Schließlich machen wir uns auf den Heimweg, denn der Tag war lang und wir sind ziemlich müde.
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  • Day1

    Es geht los! Erster Stopp: Berlin

    April 28 in Germany ⋅ ⛅ 10 °C

    Nachdem wir schon seit über zwei Wochen wieder zu Hause sind und 8 Tage gearbeitet haben, ist es höchste Zeit für einen weiteren Urlaub!
    Spaß bei Seite. Es ist natürlich schon etwas dekadent zwei Wochen nach unserer fantastischen Hochzeitsreise schon wieder auf Reisen zu gehen und dann auch noch in so ein wahnsinnig tolles Land wie Israel! Aber man muss die Feste feiern wie sie fallen und Reisen machen wie sie sich anbieten.
    Leider gibt es von Stuttgart keinen Direktflug nach Tel Aviv. Wir entscheiden uns daher für die Variante mit Umsteigen in Berlin. Interessanterweise wird die Verbindung immer jeweils mit Übernachtung in Berlin angeboten - für uns natürlich ein willkommener Abstecher noch bei unseren Familien vorbeizuschauen, wenn auch nur kurz.
    Der Nachteil dieser Konstellation zeigt sich allerdings auch schnell: bei easyJet ist nur ein Handgepäckstück inklusive, Aufgabegepäck muss extra gebucht werden - und zwar pro Flug. So wären wir bei vier Flügen (STR - TXL, TXL - TEL AVIV und jeweils retour) locker noch einmal 100€ pro Gepäckstück los. Bei einem Gesamtflugpreis von 250€ kommt da der Schwabe in uns durch und wir beschließen uns auf Handgepäck zu beschränken. Vor allem Marisa bereitet das in der Vorbereitung die ein oder andere schlaflose Nacht, aber dafür hat sie auch den Abstand kleinsten Koffer von uns dreien - Respekt!
    Pünktlich 15h gehts los. Unsere Koffer müssen wir aus unerfindlichen Gründen am Einstieg abgeben (normalerweise ereilt dieses Schicksal immer erst die letzten) und so müssen wir in Tegel am Gepäckband warten. Aber alles ist da und es geht für Tegler Verhältnisse auch recht zügig.
    Den Rest des Tages verbringen wir bei leckerem Grillgut und dem ein oder anderen Gläschen bei meiner Familie. Abends sind wir bei Addis Papa, der auch die große Freude hat uns am nächsten Morgen um 6h zum Flughafen zu bringen.
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  • Day27

    Willkommen in Deutschland

    April 12 in Germany ⋅ ☀️ 5 °C

    Aufholen tun wir von der Verspätung auch nicht wirklich was und so landen wir um kurz nach 9.00 in Frankfurt. Da so ein Flieger, der 11 Stunden unterwegs ist, ja immer total spontan landet, ist unsere Parkposition noch nicht frei und wir warten weitere 25 Minuten auf dem Rollfeld. Zudem ist es eine Außenposition und wir müssen mit Bussen zum Terminal 2 fahren.
    Unser Gepäck hat es auch nach Deutschland geschafft und so machen wir uns auf den Weg zum Terminal 1, zum Fernbahnhof. Den besten Weg, sprich den mit den wenigsten Rolltreppen kenne ich mittlerweile auch schon auswendig. Wir haben noch 10 Minuten bis unser ICE nach Stuttgart einrollt und dürfen beobachten, wie alle Passagiere aus dem schon 45 Minuten verspäteten ICE nach Basel vom Nachbargleis aussteigen und sich auf unsere Seite stellen. Wir waren optimistisch und haben auf die Platzreservierung verzichtet. Der Zug ist dann entsprechend gerammelt voll, es gibt kein vor und zurück mehr. Bis Mannheim, da steigen dann die ganzen nach Basel Reisenden um und wir können uns einen Platz suchen.
    In Stuttgart suchen wir uns ein Car2Go und stapeln unser Gepäck mehr illegal als legal hinein und fahren nach Hause.
    Dort drehen wir erstmal die Heizung hoch, packen unsere Sachen aus und schmeißen noch die erste Wäsche an, bevor wir uns auf der Couch niederlassen und uns einen kleinen 4 Stunden Mittagsschlaf gönnen. Katja wacht völlig verwirrt um 19.30 auf. Da es draußen noch hell ist, kann es ja noch nicht so spät sein ... ist es aber doch ... Willkommen zurück in Deutschland!
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  • Day27

    Zwischenstopp in Hongkong

    April 12 in Hong Kong ⋅ 🌧 22 °C

    Wir landen pünktlich in Hongkong. Um 0.35 geht es weiter Richtung Frankfurt. Wir laufen etwas über den sehr weitläufigen Flughafen und raten an jedem Gate auf Basis der dort sitzenden Passagiere wohin der Flieger geht. Gar nicht so leicht.
    An einer der Anzeigentafeln stellen wir leider fest, dass unsere Abflugszeit auf 1.35 verschoben wurde. Als wir dann endlich an Board sind, begrüßt uns der Kapitän mit dem Satz: „Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie....".
    Die gute ist dann, dass jetzt alle Passagiere da sind, denn aufgrund diverser Unwetter rund um Hongkong hatten viele Flieger Verspätung und deshalb haben wir auch später mit dem Boarden angefangen, damit unser Flieger nicht halb leer fliegt. Die schlechte Nachricht ist dann leider, das aufgrund der Unwetter jetzt der chinesische Luftraum total dicht ist und wir erst in 2 Stunden einen Startslot beklommen haben... gut das wir schon mal geboardet haben! So ein Mist. Die Aussicht erst 2 Stunden hier rumzustehen und dann 11 Stunden fliegen zu müssen stimmt uns nicht gerade fröhlich.
    Naja was soll`s, wir schauen den ersten Film. Zumindest zur Hälfte dann fallen uns die Augen zu. Den Start bekommen wir nur im Halbschlaf mit, das "Abendessen", welches natürlich trotz Verspätung nicht ausfallen darf und um 3h nachts serviert wird, verschlafen wir komplett.
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