• 2026-03-12 und 13

    March 14 in Uzbekistan ⋅ ☀️ 3 °C

    Donnerstag,der 12 und Freitag der 13. März 2026

    Die große Reise nach Usbekistan beginnt. Ich habe etwas Panik vor dem Hinkommen. Das Flugzeug hatte ich eigentlich, aus Gründen des Klimaschutz, als Transportmittel abgewählt. Zu hoch ist der CO2 Fußabdruck. Da die Menschheit aber ihren eigenen Untergang gewählt hat, der Verbrauch von fossiler Energie nach wie vor steigt und viele Menschen den Klimawandel komplett leugnen bin ich zu dem Schluss gekommen dass es in wenigen hundert Jahren ohnehin zu heiß sein wird auf der Erdoberfläche zu leben. Selbst wenn wir heute aufhörten mehr CO2 zu emittieren. Die ersten Wirkungen würden sich in frühestens 50 Jahren bemerkbar machen. Bis da hin sind die ersten Kipppunkte sicherlich schon Geschichte und der Prozess ist unumkehrbar.

    Und nach Vernunft sieht was auf diesem Planeten gerade nicht aus. Ich werde uns Alle nicht mehr retten. Dann kann ich auch Reisen.

    Ines und ich starten kurz nach 8 Uhr vom Bahnhof Alsbach in Richtung Frankfurt am Main. Dort verabschieden wir uns für die nächsten zwei Wochen voneinander. Ich muss zum Flughafen, sie zum nächsten Zug.

    Bis zum Flughafen befinde ich mich auf bekanntem Territorium. Züge. Dann wird es schwierig. Allein das Suchen nach dem Weg zum Terminal 2, was zwar ausgeschrieben, aber für mich irgendwie nicht zu finden ist, gestaltet sich für mich sehr schwierig. Es soll da eine Bahn geben … ich finde sie nicht. Aber wenigstens einen Shuttlebus.

    Am richtigen Terminal gelingt es mir auch, mittels eines Mitarbeiters am Selbst-Check In an mein Ticket zu kommen. Der Koffer wird auch gleich gelabelt und anschließend von mir abgegeben. Auch werden mir weitere Instruktionen gegeben. So mag ich das. Es erleichtert mir den weiteren Fortgang erheblich und glücklicherweise gelingt es mir auch Wasser zu organisieren ohne ca. 4 Euro für eine Miniflasche auszugeben.

    Nachdem das Problem und auch die Getränkerückgabe erledigt ist kann ich das Handgepäck durch die Sicherheitskontrolle schleusen. Bis ich den Gürtel wieder eingefädelt und alles wieder korrekt in den Rucksack zurück gestapelt habe ist bestimmt eine halbe Stunde vergangen. Dann geht es aber zum Gate und, welch Überraschung, man kann sich in dem Bereich setzen. Hinter der Absperrung an der „Bordkarten Kontrolle“ (oder so) steht. Warum das so ist begreife ich erst als wir alle wieder hinauskomplimentiert werden um dann wirklich eine Kontrolle durchzuführen. Nachdem das erledigt ist dürfen wir nun auch, gestaffelt nach Platznummern, einsteigen. Es wäre clever den Leuten zu sagen wie die Reihennummern im Flugzeug von den Sitznummern abhängig sind. So wäre es logischer dass z.B. 17F in Reihe 17 liegt und man sich damit bei irgendwas dazwischen anstellen muss. Nicht jeder begreift das und auch ich war mir nicht sicher. Reihen stehen nicht auf dem Ticket.

    Mit einer halben Stunde Verspätung heben wir ab und nach unendlichen 6 Stunden mit viel zu viel Essen und viel zu wenig Platz landen wir endlich in Tashkent. Die Route führte uns über feindliches (Russland) Gebiet. Wir wurden nicht beschossen. Zumindest habe ich nichts bemerkt.

    Gleich hinter der Passkontrolle kaufe ich eine lokale Sim Karte für 6 Euro. 25 GB sollen drauf sein.

    Der Koffer kommt schneller als gedacht vom Band und so kann ich die Sicherheitszone verlassen und nach dem Reiseleiter fahnden. Dies gestaltet sich schwieriger als gedacht, da wir zu früh gelandet ist und er noch gar nicht mit uns gerechnet hat. Vorher werde ich allerdings von mindestens einer handvoll Taxifahrern (oder welche welche es von sich behaupten) angesprochen ob ich denn nicht ein Taxi möchte.

    Nun geht es mit dem Bus in das Shamsan Hotel. Weit weg vom Zentrum. Im Moment ist uns das alles vollkommen egal. Wir müssen schlafen. Die Zeit hier liegt 4 Stunden von der Mitteleuropäischen entfernt. Hier ist es vier Stunden später als in Deutschland. Wir sind putzmunter, die Einheimischen kämpfen mit dem Schlaf. Das wird sich in wenigen Stunden ändern. Wir haben vielleicht vier Stunden bis zum Frühstück.

    Nun haben wir also:

    Freitag den 13. März

    und es gelang mir doch tatsächlich gegen halb 8 Ortszeit, also nach 4,5 Stunden Schlaf, zum Essen aufzutauchen. Außer unserem Reiseleiter ist um die Zeit noch niemand da. Ich bin schon fast fertig als die ersten der Mitreisenden auftauchen. Gegen 11 Uhr geht es los.

    Mit dem Bus fahren wir in das, etwa 11 km entfernte, Zentrum der Stadt. Zuerst brauchen wir Geld. Alle. Darum fährt man uns zu einem Hotel welches eine Wechselstube beherbergt. Ich schaffe es als Erstes an den Schalter und tausche erst einmal 40 Euro in Usbekische Sum. Für meine zwei Scheine bekomme ich ein großes Bündel bedrucktes Papier welches an Inflationsgeld erinnert. Der Kurs ist 1:14109 – etwa.

    Man nimmt übrigens nur perfekte Scheine. Selbst der aller kleinste Riss führt zu Ablehnung.

    Anschließend geht es zum „Museum für angewandte Kunst“ welches sich in einem, wirklich sehr schön verziertem Haus befindet. Dieses wurde von einem sehr reichen Mann erbaut … oder wenigstens finanziert.

    Er war kein Moslem, konnte sich den örtlichen Gewohnheiten aber nicht entziehen. Aus versehen wurde so die Gebetsnische in die falsche Richtung gebaut. Das Museum zeigt einheimische Handwerkskunst welche durchaus ansehnlich ist. Interessanter sind allerdings sie Ausführungen unseres Reiseleiters.

    Nach dem Kulturteil laufen wir zum Unabhängigkeitsplatz, dem ehemaligen Leninplatz. Wie so ein Platz zu Ehren des „großen Arbeiterführers“ in der Sowjetunion auszusehen hatte ist auch dieser: groß und eindrucksvoll. Leider sind die Springbrunnen noch nicht in Betrieb. Das sieht sicherlich sehr schön aus.

    Der nächste Schritt ist eine Fahrt mit der Metro. In Zeiten der Sowjetunion, so erklärt uns unser Reiseleiter, durften nur Städte mit über einer Million Einwohnern eine Metro besitzen. Die Stadt stellte die Anträge quasi am Tag der Geburt des Bürgers 1.000.000. Kurze Zeit später begann der Bau und nach wenigen Jahren war die erste Linie fertiggestellt. Ob man in Deutschland schon den Antrag vom Stapel genommen hätte als die ersten Bürger eingestiegen sind? Ich wage es zu bezweifeln.

    Die Metro-Stationen sind, wie das für sowjetische Metros üblich ist, sehr schön. Mosaiken an den Wänden fehlen mir allerdings schon ein wenig.

    Das Ticket gilt für unendlich viele Fahrten am Tag. Sofern man nicht zwischendurch zum Tageslicht aufsteigt. Kontrolliert wird am Eingang der Bahn. Das ist im Einzugsbereich der ehemaligen Sowjetunion so üblich. Dass es hier (wie übrigens fast überall) peinlich sauber ist brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Graffiti, Obdachlose und ähnliche Sachen sieht man hier nicht. Wie auch immer das Problem gelöst wird. Es ist sehr effektiv. Ob es hier überhaupt Obdachlose gibt? Ich bezweifle das.

    Übrigens: Auch wenn die U-Bahn extrem belastet ist und man sich kaum hineinquetschen kann. Hier sind alle diszipliniert und koordiniert. Kein größeres Gedrängel, kein Fluchen, Verhalten von Menschen wie man es sich auch in Deutschland wünschen würde. Selbst die Jungen sollen ihren Platz für die Alten frei machen. Gibt es das in Deutschland noch?

    Am Ende der Metrofahrt, welche wir an der Station „Chorsu“ verlassen geht es auf einen eindrucksvollen Basar mir tausenden von Waren. Ehe wir uns da komplett hineinstürzen geht es aber erst einmal etwas essen. Das Essen schmeckt allen und das Brot wird seinem Ruf gerecht, auch wenn es nicht direkt aus dem Ofen kommt.

    Nachdem wir den riesigen, in einem kreisrunden, kuppelförmigen Gebäude residierenden, Markt besucht haben und erfolgreich alle „Safran“ (Safflor) Verkäufer abgewiesen haben (den Datteln konnten dann doch nicht alle widerstehen) geht es nun zum „Zentrum für Islamische Zivilisation“, einem eindrucksvollen, aber in großen Teilen neu errichteten, Komplex von Moscheen und Medresen (Koranschulen). Da Freitag ist und das Asr-Gebet (Nachmittag) ansteht ist unser Aufenthalt zeitlich begrenzt. Mich persönlich stört das nicht. Ob es Allah gefallen würde? Ich weiß nicht, ob er zu seinen Ehren eine solche Geldverschwendung gutheißen würde. Das Problem haben aber alle Religionen.

    Jetzt sind wir aber so richtig durch und der Abend droht. Es geht zurück zum Hotel und zum Abendbrot essen. Morgen geht es extrem früh raus.
    Read more