• 2026-03-15 - Sonntag - Fotos fehlen noch

    March 16 in Uzbekistan ⋅ ☀️ 16 °C

    2026-03-15 – Sonntag

    Heute ist Sonntag und zu Hause, in Deutschland wird gewählt. Meine Stimme ist schon lange per Post abgegeben worden. So kann ich gemütlich ausschlafen und muss nicht, wie ich das sonst tue, gleich zu Öffnung des Wahllokals dort sein. Irgendwie versuche ich noch immer an die Demokratie zu glauben.

    Nach dem Aufstehstress gestern hat man uns heute eine kleine Atempause zugestanden. Wir müssen erst gegen 9 Uhr losfahren. Daher wollte ich mich etwa um 4 Uhr wecken lassen damit ich Tagesberichte schreiben und Fotos ausschneiden und sortieren. Der Wecker hat nicht geklingelt. Um 8 Uhr werde ich von selbst munter. Das reicht gerade so um den Rucksack wieder zusammenzupacken und zum Frühstück zu gehen. das Frühstück fällt also entsprechend kurz aus. Allerdings habe ich ohnehin nicht den geringsten Hunger.

    Zuerst ist heute der „Friedhof der Khane“ dran. Also so etwas wie der Friedhof der Fürsten. Ich erwarte mir davon nichts Spannendes und werde daher auch nicht enttäuscht. Allerdings erfahren wir durch unseren Reiseleiter einige interessante Informationen zum Islam und den erlaubten Beerdigungsitten. dabei stellt sich heraus dass auch im Islam die Regeln andauernd wieder gebrochen werden. so sehen wir zum Beispiel viele Stellen wo später Angehörige beerdigt werden sollen. dies ist noch islamischen Recht wohl nicht zulässig. Außerdem sollen alle Gräber nach einer gewissen Zeit komplett eingeebnet werden. Daran hält sich wohl der Islam schon seit Mohammeds Zeiten nicht mehr. für mich ist die (vermeintliche Grabstätte) einer Schriftstellerin interessant welche sich für die Rechte der Frauen im Islam einsetzte. mit frauenrechten ist es nämlich im Islam sehr schlecht gestellt Punkt man könnte auch sagen: sie existieren nicht. Diese Frau wurde von ihren Gegnern grausam umgebracht indem man sie tagelang in einem Dampfbad kochen ließ. Als sie ihren Tod vor Augen hatte hat sie sich wohl die Adern aufgeschnitten und mit ihrem Blut ihre Gedichte an die Wände des Hamam geschrieben. Ein letzter Kampfesgruß an die Männer da draußen. Ihre Bücher scheinen wohl nicht in das Deutsche übersetzt zu sein. Ich konnte sie bei Amazon nicht finden. Ihr Name war wohl Nordira Begin. Sicherlich habe ich den Namen wohl falsch in das lateinischer Alphabet übertragen denn selbst im, ach so klugen, Internet findet die KI diesen Namen nicht. Ich habe unseren Reiseleiter dem genauen Namen gefragt. So muss er etwa gewesen sein.

    Am Ausgang des Friedhofs überrascht uns eine Stelle, an der Schamanen ihr Werk vollbringen. Unter gebeten und abklopfen des Körpers mit einem, mit Sand gefülltem, Säckchen vertreiben sie die bösen Geister aus dem Körper. Der böse Geist soll in den Sand übergehen welcher sich auch verfärbt. Sagt uns zumindest der Reiseleiter. Gesehen habe ich es nicht. Nachdem einer Touristin sich dieser Prozedur unterzogen hat, konnte auch ich nicht widerstehen und musste natürlich die Unmöglichkeit einer solchen Wunderheilung beweisen. Ich bin ja Agnostiker und Glaube an solche Sachen nicht.

    Erstaunlicherweise waren meine Rückenschmerzen nach der Klopfmassage tatsächlich verschwunden und sind bis jetzt auch noch nicht wirklich wieder aufgetaucht. Allerdings hatte ich mir die Heilung von meiner Diabetes gewünscht. So groß waren die Wunder leider nicht. Meine Werte sind immer noch im tiefroten Bereich. Kein Wunder bei dem viel zu reichlichen Essen und der Art der Nahrung hier. Außerdem ist geregelter Schlaf Luxus.
    Schade. Wird wohl doch die Insulinspritze mein Schicksal werden.

    Von dieser Behandlung, wo es auch eine Videoaufnahme gibt, geht es nun zu dem „Xodarai Khan Palast“. Von der Entstehung des Palastes und den, für mich als aufgeklärten Mitteleuropäer kaum zu tolerierenden, Umgang mit Frauen, wird uns hier berichtet. Außerdem erfahren wir viel über die Seidenstraße und ich musste feststellen dass die Reisezeit doch nicht so lange war wie ich annahm. Etwas über ein Jahr hat eine Strecke vielleicht gebraucht. Schaffkat, unser Reiseleiter, hat im Rahmen eines Experimentes im letzten Jahrhundert die Reise selbst gemacht und 14 Monate dafür gebraucht. Leider gibt es von dem Versuch keinen zugreifbaren Film. Einzelne Teile des mehrteiligen Dokumentationsfilms sollen wohl noch vorhanden sein. Ein Zugriff ist aber unmöglich da wohl verschiedene Länder die Rechte nicht mehr verkaufen. Da will wohl ein Land wieder besser aussehen als das Andere. Zusammenarbeit ist nicht sehr gefragt, so scheint es mir.

    Nach dem Palast geht es nun mit dem Auto (wir fahren heute mit drei Vans) hinauf in Richtung Gebirge. auf einem Parkplatz wo es natürlich wieder viel zu essen gibt, kaufe ich einen neuen Kopfhörer. Meiner hat auf der rechten Seite wohl den Geist aufgegeben. Der neue Kopfhörer ist zwar qualitativ im 2-euro-Bereich einzustufen, funktioniert aber wenigstens. Klingt eben wie ein Mittelwellenradio.

    wir fahren immer höher in die Berge und bald sieht es aus wie in den Alpen. auch Schnee liegt auf den Gipfeln. Es ist nicht sehr kalt. Die Jacke braucht man trotzdem.

    Von dort geht es schnurstracks zurück nach Taschkent. Am Ende machen wir noch einmal einen, nicht im Programm stehenden, Stopp bei einer russisch-orthodoxen Kirche. Dann ist aber wirklich Hotel und essen (schon wieder) angesagt.

    Unser Flieger fliegt morgen früh um Sieben. Zwei Stunden früher müssen wir da sein. Das heißt: 4 Uhr ausstehen. 4:30 Uhr Frühstück. Jetzt gerade (ich bin seit 2 Uhr, also nach drei Stunden Schlaf) wach. Klingelt der Wecker. Auf geht es.
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