2026-03-19
March 19 in Uzbekistan ⋅ ☁️ 12 °C
19.03.2026
Heute verlassen wir nun Buchacha. Wir sollen uns erst um 11:30 Uhr in der Lobby treffen. Um 11 Uhr sollen die Koffer vor der Tür stehen. Das gibt mir viel Zeit zu packen. Anschließend laufe ich noch einmal durch die Stadt. Die Händler beginnen gerade aufzubauen. Es ist also recht ruhig. Was wir alle nicht erwartet hatten: nachdem wir uns getroffen haben und unsere Koffer im Bus sind, haben wir noch einmal eine Stunde Freizeit. Was soll ich mir noch anschauen? Vor allen Dingen da ich dank Johannas Hilfe endlich die gewünschte Flagge für meinen Betriebsratsvorsitzenden kaufen konnte. Das war mir bisher, trotz Fragen in Russisch absolut unmöglich. So etwas hat keiner. Alle möglichen Tand: ja. Fast jeder Stand das Selbe. Sicherlich ‘made in China”.
Nachdem wir uns getroffen haben, alle viel zu zeitig am Treffpunkt, geht es nun mit dem Bus zu dem Haus eines Politikers der Republik welcher kurz nach der Revolution hier eingesetzt wurde, zu fortschrittlich für Moskau war, nach Moskau versetzt wurde, dann nach Sibirien geschickt und dort ermordet. Also eine typisch russische Karriere.
Das schöne an dem Haus war die Tatsache dass dort Menschen welche sich in Kürze verheiraten wollen Fotos vor der Hochzeit machten. Da gab es schöne Kleider zu sehen. Die Kleider welche man unseren Mitreisenden anzog war nicht so schön. Sie standen aus vergangenen Jahrhunderten und machten es unmöglich zu erkennen ob das eine Frau oder ein Sack war. Keine schöne Zeit. Besonders für Frauen. Aber als Mann kauft man auch die Katze im Sack.
Anschließend ging es mit dem Bus zum Bahnhof.
Viel zu früh passieren wir die Sicherheitsschranke. Hier ist es etwas so wie am Flughafen. Das Gepäck wird gescannt bevor man den Bahnhof betreten kann. Raus kommt man witzigerweise, wenn auch ohne Gepäck, problemlos. Einige von uns, auch ich, gehen erst einmal Geld tanken. Das Trinkgeld für den Busfahrer schlägt ordentlich in die Kasse. Etwa 7 Euro werden fällig. “Freiwillig” natürlich.
Der Zug sieht sehr schnell aus. Deshalb logge ich seine Geschwindigkeit mit. Immer wieder schaue ich, während ich einen Film sehe, auf das Handy. Die Strecke lässt anscheinend nicht zu dass er seine Leistung abruft. Mehr als 160, vielleicht 165 km/h fährt er nie. Schade. Der hätte bestimmt auch 250 drauf gehabt.
In Samarkand ist es draußen schon kühl. Da merke ich dass ich meine Jacke entweder verloren oder vergessen habe.
Eigentlich habe ich ja noch nie etwas vergessen (es sei denn ich habe es vergessen 😉) doch ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern die Jacke den Koffer gesteckt zu haben. Ich frage also unseren Reiseleiter ob er noch Kontakt zu dem Bus aus Buchara aufnehmen kann. Das ist die einzigste Stelle welche ich mir vorstellen kann. Und so ist es dann auch. Meine Jacke liegt in dem Bus. Blöd gelaufen. Vor allen Dingen da es draußen mittlerweile wirklich kalt wird. Natürlich habe ich noch dicke Strickjacken im Koffer aber wenn es regnet könnte es unangenehm werden. Irgendwo habe ich allerdings noch ein Regencape. Für das erste leiht mir ein Mitreisender eine nicht gebrauchte Jacke.
Vom Bahnhof fahren wir direkt zum Restaurant. In dem Restaurant sitzt ein großer Ara (oder eine andere Papageienart) auf einer Stange. Alle versuchen ihn zu fotografieren oder ihn nahezukommen und er versucht sie zu beißen. Darum nähere ich mich ihm langsam mit meinem Kopf und das Wunder geschieht: er greift mich nicht an. Im Gegenteil. Er kommt langsam auf mich zu und fängt an mir an herumzuknabbern. So entsteht plötzlich eine Freundschaft zwischen ihm und mir. Wir sind nach einiger Zeit so vertraut dass er von seiner Stange kommt (ich hatte eigentlich gedacht er ist dort angebunden) und auf meinen Arm klettert. Da ich noch die geliehene Jacke an hatte, biete ich ihm wieder an zurück zu klettern. Nach einer Weile tut er das auch. Als ich mich von ihm verabschiede um zu essen schaut er mir hinterher und wir schauen uns immer wieder an. Essen finde ich gerade nicht so interessant. Ohne die Jacke gehe ich noch einmal hin und jetzt klettert er mir gleich auf den Arm. Das ist einfach zu toll. Er lässt sich von mir sogar langsam an unseren Tisch tragen und ich stelle ihm die Reisegruppe vor. Jetzt scheint es aber der Belegschaft zu unheimlich zu werden und sie komplementiert uns ohne Worte (die hätte ich ohnehin nicht verstanden) wieder zurück zu seiner Stange. Ich lasse ihn wieder auf sie steigen. Am Ende des Abendessen gehe ich noch einmal zu ihm und er kommt mir gleich entgegen. Es nützt nichts: wir müssen uns verabschieden. Später erfahre ich, dass er “Kärcher” oder so ähnlich heißt. Ich hoffe mal nicht, dass er nach der Marke benannt ist.
Das war wohl das schönste Erlebnis der ganzen Reise.
Anschließend nimmt uns unser Reiseleiter zum Registanplatz mit. Der Ort, wegen dem sicherlich viele hierher geflogen sind. Auch für mich war dies der erste Kontakt.
Einige beschweren sich, dass sie jetzt keine Kamera bei sich haben. Uns wurde gesagt, dass wir alles im Bus lassen sollen was wir nicht brauchen. Was braucht man für ein Abendbrot? Bestimmt keine Kamera. Am Platz gibt es eine der großartigsten Lichtshows, welche man sich vorstellen kann. Die beiden Mädressen werden mit unterschiedlich farbigen Licht, im Takt der Musik, angestrahlt. Ein unvergleichliches Ereignis. Die meisten dürften es bedauern, dass wir zum Bus müssen und zum Hotel.
Meine Jacke ist übrigens wirklich im Bus liegen geblieben. Ich bekomme sie gegen eine Flasche Medizin (Wodka) hinterher gebracht. Schauen wir mal, ob das klappt. Etwas wertvolles dürfte sich nicht darin befunden haben. Außer vielleicht eine FFP2 Maske.Read more









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