Þingvellir - Historischer Ort
9. juli 2025, Island ⋅ ☁️ 10 °C
Heute besuchte ich den Nationalpark. Obwohl ich früh dort ankam, waren die Parkplätze schon gut gefüllt mit Autos und Reisebussen. Irre, was für Menschenmassen sich hier tummelten!
Ich schloss mich zu Beginn einer kleinen Führung eines Parkrangers an.
Þingvellir ist eine der wichtigsten historischen Stätten Islands. Das Alþingi (Parlament) wurde hier um 930 n. Chr. gegründet und tagte jeden Sommer bis zum Ende des Alten Reiches im 13. Jahrhundert.
Bis zu 4000 Menschen versammelten sich hier jeden Sommer. Die hohe Felswand unterstützte dabei die Akustik, sodass alle auch die Sprecher hören konnten.
Danach fungierte der Ort bis 1798 als Gerichtshof. Viele entscheidende Ereignisse in Islands Geschichte fanden hier statt, wie zum Beispiel die Annahme des Christentums um 1000 n. Chr. und die Gründung der modernen Republik Island im Jahr 1944. Seit 1930 ist Þingvellir ein Nationalpark und wurde 2004 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Die Auswahl von Þingvellir als Versammlungsort beruhte wahrscheinlich auf einer Reihe von Faktoren. Die Ebenen von Þingvellir waren von allen wichtigen Überlandrouten aus erreichbar, obwohl diejenigen, die am weitesten reisen mussten, bis zu zwei Wochen von ihren Häusern aus reiten mussten. Sie mussten oft quer durch das zentrale Hochland reiten, wo die Wetterbedingungen oft miserabel waren. Der Ort bot auch reichlich Brennholz, Weideland für das Vieh und Trinkwasser. Laut der Sturlanga-Saga wurde der Fluss Öxará umgeleitet, um in die Ebenen zu fließen und so eine ausreichende Wasserversorgung für die Teilnehmer der Versammlung zu gewährleisten.
Während der Zeit des Alten Commonwealth (930-1262) waren die Exekutivbefugnisse in Island sehr begrenzt. Im Alþingi in Þingvellir wurden Gesetze erlassen und Fälle in Übereinstimmung mit diesen Gesetzen verhandelt, aber Urteile mussten von Einzelpersonen vollstreckt werden.
In geringfügigen Fällen wurden Geldstrafen verhängt, während schwerere Fälle eine Verbannung von drei Jahren oder sogar lebenslange Ächtung nach sich zogen. Wenn ein Verurteilter das Urteil missachtete und sich an einem Ort aufhielt, an dem er nicht sein durfte, konnte er von der Familie seines Opfers getötet werden: Solche Fälle von Rache sind in den Isländersagas häufig.
Nachdem sich die Isländer 1262 der Herrschaft des Königs von Norwegen unterworfen hatten, sahen die Gesetze vor, dass die Strafen von königlichen Beamten im Alþingi und in regionalen Versammlungen vollstreckt werden sollten.
Viele Ortsnamen in Þingvellir erinnern an die harten Strafen, die hier verhängt wurden. Frauen wurden im Drekkingarhylur (dem Ertränkungsbecken) ertränkt, Männer wurden auf dem Höggstokkseyri (Hinrichtungsblock), der möglicherweise eine kleine Insel im Fluss Öxará war, enthauptet. Kagahólmi (Geißel Insel) ist wahrscheinlich der Ort, an dem die Straftäter ausgepeitscht wurden, während die Brennugjá (Feuerschlucht) westlich der Flosagjá ihren Namen von der Verbrennung mutmaßlicher Zauberer und Hexen in den Hexenverfolgungen des späten 17. Jahrhunderts hat.
Hängen war die Strafe für Diebstahl. Es wird angenommen, dass der Graben Stekkjargjá der Ort der Hinrichtungen war.
Es ist mit Sicherheit bekannt, dass von 1602 bis 1750 in Þingvellir 72 Menschen hingerichtet wurden: 30 Männer wurden enthauptet, 9 auf dem Scheiterhaufen verbrannt und 18 Frauen in Drekkingarhylur ertränkt. Hier in Stekkjargjá wurden 15 weitere gehängt.
Seit 1015 n. Chr. steht auch eine Kirche in dem Tal. Die heutige Kirche wurde ungefähr auf den Grundmauern der alten erbaut, wobei sich das Land seitdem so sehr verschoben und abgesenkt hat, dass das nicht mehr klar zu sagen ist. Die Häuser neben der Kirche waren früher das Pfarrhaus. Noch bis 1996 war der Ortspfarrer hier auch gleichzeitig der Direktor des Nationalparks. Heute dienen die Häuser den Isländischen Präsidenten als Sommerresidenz und um internationale Besucher zu empfangen.
Ein rundes Gebilde sollte sowas wie ein Pantheon von Island werden, wo bedeutende Isländer begraben werden. Dieses Vorhaben ist gescheitert, aber immerhin befindet sich hier die Grabstätte von zwei isländischen Dichtern.Læs mere












