• Perlan - Wonders of Iceland

    10. juli 2025, Island ⋅ 🌧 12 °C

    Heute Morgen fuhr ich weiter in die Hauptstadt Reykjavík. Hier hatte ich plötzlich mit mehrspurigen Straßen zu kämpfen - das war ich ja nun gar nicht mehr gewohnt!
    Da es in der Stadt noch immer ziemlich regnete, begann ich mit meinem Besuch im Museum Perlan, dass sich mit der Entstehungsgeschichte und den Naturwundern auf Island befasst. Es begann mit einer Ausstellung in Form eines Zeitstrahls.
    Vor 54 Millionen Jahren öffnete das Auseinanderbrechen der nordamerikanischen und eurasischen Kontinentalplatten den nordöstlichen Atlantik. Grönland und Skandinavien drifteten auseinander, während intensive vulkanische Aktivität eine Landbrücke zwischen ihnen schaffte.
    Das Gebiet, das zu Island wurde, war vor 30 Millionen Jahren Teil einer Landbrücke, die Grönland mit Europa verband. Diese Landbrücke, bekannt als Grönland-Färöer-Querrücken, ermöglichte es Landtieren und -pflanzen, zwischen den Kontinenten zu wandern. Vor 24 Millionen Jahren wurde die nordatlantische Landschaft durch vulkanische Aktivitäten und "Rift Jumps" umgestaltet. Island war ein besonderer Teil der Landbrücke, ein Stadium, das Wissenschaftler Proto-Island nennen. Vor 10 Millionen Jahren lagen die Westfjorde und Ostfjorde 200 Kilometer näher beieinander als heute. Das Land weitete sich langsam aus, da sich Riftsysteme öffneten. Die Landbrücke, die Island mit Europa verband, versank im Meer. Island blieb aber noch mit Grönland verbunden. Vor 6 Millionen Jahren wurde Island dann zur Insel. Der Ozean weitete sich und die Brücke konnte nicht mehr überleben.
    Nur Island hielt durch, eine Insel, die von denselben Kräften lebt, die das Land um sie herum zerstört haben. Vulkane, Erdbeben und Gletscher erneuerten und formten das isolierte Land ständig neu und füllten Felsen und Gletscher so schnell wieder auf, wie sie abgetragen wurden.

    Viele Menschen glauben, dass der nordische Wikinger Naddod aus dem 9. Jahrhundert der erste Mensch war, der Island betrat. Andere führen die Menschheitsgeschichte Islands jedoch auf das Jahr 325 v. Chr. und den griechischen Entdecker Pytheas zurück. Pytheas kehrte von seiner Erkundung Nordwesteuropas mit einem Bericht über einen Ort zurück, der "sechs Tage Segelfahrt nördlich von Britannien, jenseits der Grenzen der bekannten Welt" und "in der Nähe eines gefrorenen Meeres" liegt. Er beschreibt, wie "die Sonne die ganze Nacht über über dem Horizont blieb". Er nennt diesen Ort Thule und bis heute diskutieren Historiker, ob sich sein Bericht auf Island bezieht.
    Naddodd segelte von Norwegen zu den Färöer-Inseln. Sein Schiff wurde vom Kurs abgetrieben und trug ihn an die Ostküste Islands. Er landete in der Nähe des heutigen Reyðarfjörður. Er suchte nach Spuren menschlichen Lebens, fand aber keine. Als er zu seinem Boot zurückkehrte, begann es zu schneien, was ihn dazu inspirierte, den Ort Snæland (Schneeland) zu nennen.
    Erst der Vikinger Flóki Vilgerðarson segelte absichtlich nach Island. Er und seine Männer versuchten jedoch erfolglos, die Westfjorde zu besiedeln. Ein strenger Winter tötete Flókis gesamtes Vieh. Er verfluchte das kalte Land, das er Ísland nannte, in Anlehnung an das in den Westfjorden sichtbare Polareis.
    Schließlich schaffte es 874 n. Chr. Ingólfur Arnarson, ein Norweger, mit seiner Frau, seinen Kindern, irischen Sklaven und einer kleinen Gruppe von Menschen, sich in Island dauerhaft niederzulassen. Die neuen Siedler begannen, die Insel zu bewohnen und veränderten Islands Ökosystem drastisch. Sie führten Rinder, Schafe, Schweine, Ziegen, Hunde, Mäuse und Pferde ein, wo zuvor keine Pflanzenfresser umherstreiften. Innerhalb weniger Jahrhunderte rodeten die Siedler fast 80 % der Bäume auf der Insel. Auch heute noch, während moderne landwirtschaftliche Praktiken die lokalen Ökosysteme weiterhin gefährden, arbeiten die Isländer daran, diese verlorenen Wälder wiederzubeleben.
    Die geothermale Energie wurde im letzten Jahrhundert zunehmend genutzt, um Häuser zu wärmen und Strom zu produzieren. 1940 begannen die Isländer mit dem Anbau von Bananen im Gewächshaus und sind damit seitdem das nördlichste Land der Welt, das dieses Obst produziert.

    Leider musste ich im Anschluss an die Ausstellung fast eine Stunde auf die weiterführende Vulkanshow warten, weil die Reisegruppen, die pünktlich weiter mussten, Vorrang hatten... Der Filmraum roch schon so herrlich nach Feuer und verbranntem Stein - ich mag das ja 😉
    Wir sahen spektakuläre Bilder des Vulkanausbruchs auf der Rejkjanes Halbinsel 2021, der die ganze Vulkankette reaktivierte, die über 1000 Jahre schlief und jetzt bis heute aktiv ist.
    Es folgte dann überraschend eine brandneue Tour. Mit 3D-Effekten und Bildschirmen rundum erlebte ich eine immersive Tour tief in den Vulkan hinein.
    Anschließend folgte eine Tour in einen künstlich, aber mit echtem Eis angelegten Eistunnel. Vorab informierten ein paar Schilder über den Ok-Gletscher. Der Ok ist ein 1170 m hoher Berg, der vor etwa 300.000 Jahren als Schildvulkan mit einem kreisförmigen Krater auf dem Gipfel entstand. Im Laufe der Jahrhunderte bedeckte eine Eiskappe den Norden des Berges, aber jetzt ist sie verschwunden. Der Ok-Gletscher war wohl wunderschön - eine regelmäßige Kuppel an der Nordflanke des Berges. Um 1900 bedeckte er eine Fläche von etwa 15 km². Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war er auf etwa die Hälfte seiner Größe geschrumpft, und zu Beginn dieses Jahrhunderts war er weniger als 4 km² groß. Im Jahr 2012 war er auf 0,7 km² geschrumpft. Das führte dazu, dass sich der Ok-Gletscher nicht mehr unter seinem eigenen Gewicht bewegen konnte und somit die Kriterien für einen Gletscher nicht mehr erfüllte. Das Verschwinden des Ok-Gletschers wurde im Herbst 2014 bekannt gegeben, als dort, wo der Gletscher einst stand, nur noch dünne, fragmentierte Eisschichten übrig waren. Der Ok wird heute als Totes Eis eingestuft. Am 18. August 2019 versammelte sich eine Gruppe von etwa 100 Menschen auf dem Ok in Kaldidalur, um eine Gedenktafel an der Stelle zu enthüllen, an der einst der Gletscher stand. Die Tafel ist das weltweit erste Denkmal für einen Gletscher, der durch den Klimawandel verloren gegangen ist. Sie soll eine Warnung und ein Aufruf zum Handeln gegen den Klimawandel sein. Der Autor Andri Snær Magnasun wurde beauftragt, die Gedenkworte zu verfassen:
    "Ok ist der erste isländische Gletscher, der seinen Status als Gletscher verliert. In den nächsten 200 Jahren werden unsere Gletscher voraussichtlich demselben Beispiel folgen. Dieses Denkmal soll anerkennen, dass wir wissen, was geschieht und was getan werden muss. Nur ihr wisst, ob wir es getan haben."

    In der Eishöhle waren angenehme -10°C. Ich entdeckte sie Schichten aus Vulkanasche, die auch in den Gletschern hier im Land häufig das Alter des Eises beziehungsweise die Zeitpunkte verschiedener Ausbrüche angeben können.

    Anschließend folgte eine Ausstellung über die Gletscher und das Wasser Islands. Während der Meeresspiegel steigt, hebt sich auch das Land, da die schweren Eiskappen und Eisschilde abschmelzen. Im Westen und Südwesten Islands sinkt das Land um 4 mm pro Jahr, im Südosten steigt es jedoch aufgrund der schmelzenden Gletscher und des Gewichtsverlusts um 6 mm pro Jahr.
    In einer kleinen Kunstinstallation hatte ich dann auch noch alle Wasserfälle des Landes auf einmal im Blick 😉
    Island ist wirklich reich an Wasserfällen. Schätzungsweise 1.600 Wasserfälle sind höher als 2 m, und 20 stehen unter Naturschutz. Viele Wasserfälle haben keinen Namen, und manche Namen sind häufiger als andere. Beispielsweise gibt es im Land sieben Gullfoss-Wasserfälle. Selfoss ist mit 13 Wasserfällen der häufigste Name.
    Anschließend genoss ich noch etwas die Aussicht auf dem Dach des Museums.
    Bevor ich dann weiter in die Stadt ging, besuchte ich noch das Planetarium des Museums, in dem eine Show zu den Polarlichtern gezeigt wurde.
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